Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Nordkreis Bürger engagieren sich für Hilfesuchende
Landkreis Nordkreis Bürger engagieren sich für Hilfesuchende
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:58 29.10.2020
Ein neuer Vereins will in Cölbe ältere Menschen und alle, die aufgrund von Handicaps Hilfe benötigen, unterstützen. Quelle: Thorsten Richter/Archiv
Anzeige
Cölbe

Corona ist ja schon wieder fleißig am Ausbremsen, dennoch gibt es Neuigkeiten zu vermelden: In Cölbe wurde am Dienstagabend der „Verein zur Förderung gemeinschaftlicher Bürgerschaftshilfe in Cölbe und Umgebung“ gegründet.

22 Bürger kamen unter strikter Einhaltung der Hygiene-Regeln in der Cölber Gemeindehalle zusammen, um den Startschuss mit ihren Gründer-Unterschriften zu geben. Die Idee, dass Bürger Bürgern helfen wollen und sollen, ist nicht neu, so gibt es im Landkreis schon ein paar aktive Vereine.

Anzeige

Neu ist hier die Konstellation, denn hier agieren die politische Gemeinde Cölbe, die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Cölbe und der Kirchenkreis Kirchhain gemeinsam, das Sorgenetzwerk „Miteinander füreinander“ mit Leben zu füllen.

Es geht darum, Menschen in der Großgemeinde und in Einzelfällen auch in den nächstgelegenen Ortschaften Hilfe anbieten zu können. Menschen, die zu Hause Familienangehörige pflegen, um diese mal zu entlasten, aber auch Menschen zu helfen, die durchaus noch in ihren eigenen vier Wänden leben, aber eben auch nicht mehr alles machen können.

Lücke zu Pflegediensten füllen

Die interessierten Helferinnen und Helfer erhalten die notwendigen Kompetenzen in einer kostenlosen Basisschulung und erlangen dabei Einblicke in Themen, wie mit Alterserkrankungen umzugehen ist und wie beispielsweise Erste Hilfe zu leisten ist.

Es geht um die niederschwelligen Angebote, die aber die Lebensqualität der Menschen, die diese Hilfe in Anspruch nehmen wollen, erheblich verbessern soll. „Die vergangenen Jahre haben eine deutliche Tendenz gezeigt, dass die Pflegedienste aus nachvollziehbaren Gründen – Personalsituation, Arbeitsbedingungen, Finanzierung – diese niederschwelligen, aber unbedingt nötigen Angebote nicht vorhalten können“, sagte Cölbes Bürgermeister Dr. Jens Ried.

Diese Lücke soll nun für Menschen in Cölbe und Umgebung geschlossen werden über den Einsatz von ehrenamtlich tätigen Bürgern. Es geht natürlich um ältere Menschen, aber auch sonstige Menschen, die aufgrund von Handicaps Hilfe benötigen. Ried sieht den Verein auch als Ergänzung zum Seniorennetzwerk Cölbe an, das in seiner bisherigen Funktion unverändert bleibt.

Kirchlicher Aspekt ist festgeschrieben

Er freut sich, dass Peter Blonien, der das Netzwerk organisiert, sich auch im neuen Verein engagieren möchte. „Wir schließen Lücken und treten nicht in Konkurrenz zu vorhandenen Angeboten“, machte Ried deutlich.

Der kirchliche Aspekt wird auch in der beschlossenen Satzung festgeschrieben. Das ehrenamtliche Netzwerk soll im Sinne des diakonischen Handelns Menschen mit Hilfe-, Pflege- und Betreuungsbedarf in einer selbstständigen Lebensführung in ihrer gewohnten häuslichen und räumlichen Umgebung unterstützen und ihnen die Teilnahme am sozialen Leben in der Gemeinde ermöglichen. Der Verein soll auch Mitglied in der Diakonie Hessen werden.

Jetzt geht's an die Öffentlichkeitsarbeit

So soll auch über drei Jahre eine Viertel-Stelle für eine Koordinatorin beziehungsweise für einen Koordinator finanziert werden, erläutert Dekan Hermann Köhler vom Kirchenkreis Kirchhain. Knapp 30.000 Euro kommen dabei aus dem Kirchenfonds Diakonie, mehr als 6.000 Euro vom Kirchenkreis und 1.600 Euro noch einmal von der Kirchengemeinde, für die sich Pfarrer Dr. Alexander Warnemann ebenfalls aktiv im Verein einbringen wird.

Die Person, die die Koordination übernimmt, soll Helfer wie Hilfesuchende gleichermaßen beraten. Es ist geplant, dass der Verein sich in drei Jahren selbst tragen kann. Weitere jetzt anstehende Aufgaben sind es, den Verein in der Gemeinde bekannt zu machen und Menschen zu finden, die sich aktiv einbringen wollen beziehungsweise auch helfen lassen wollen.

Von Götz Schaub

Die Köpfe des ersten Vorstandes des „Vereins zur Förderung gemeinschaftlicher Bürgerschaftshilfe in Cölbe und Umgebung“: Dr. Jens Ried (oben von links), Angela Schönemann, Hermann Köhler, Dr. Alexander Warnemann (unten von links), Beatrix Parsons, Gabriele Henkel und Peter Blonien. Fotos: Götz Schaub (7), Thorsten Richter