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Nordkreis Zeit des Redens ist vorbei
Landkreis Nordkreis Zeit des Redens ist vorbei
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17:58 30.03.2022
Das Feuerwehrgerätehaus in Bürgeln in der Ohmtalstraße ist nicht mehr zukunftsfähig.
Das Feuerwehrgerätehaus in Bürgeln in der Ohmtalstraße ist nicht mehr zukunftsfähig. Quelle: Götz Schaub
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Schönstadt

Was ist das? Vor dem Bürgerhaus Schönstadt, in dem in wenigen Minuten die Gemeindevertretersitzung stattfinden soll, stehen am Montagabend (28. März) lauter Feuerwehrleute in Dienstanzügen. Das sieht nach etwas Offiziellem aus. Es sind alles Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr Bürgeln. Werden die geehrt?

Hmmm nein, nicht im üblichen Sinne. Aber irgendwie schon. Die „Ehrung“ erfolgte schließlich in einer Art von Wertschätzung, indem in der Sache Neubau eines Feuerwehrgerätehauses in Bürgeln während der Sitzung des Cölber Gemeindeparlaments eine Entscheidung fiel, die nun zur Umsetzung des Vorhabens führt.

Nur drei Enthaltungen

Bei nur drei Enthaltungen und keiner Gegenstimme wurde beschlossen, den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses in Bürgeln über eine öffentlich-private Partnerschaft zu verwirklichen. Damit wurden nun Fakten geschaffen. Bisher gab es für das geplante neue Feuerwehrgerätehaus in Bürgeln nur eine vergleichende Wirtschaftlichkeitsberechnung zur Finanzierung des Vorhabens. Dabei ging es um drei Varianten: eine Umsetzung in Eigenregie mit beziehungsweise ohne Generalunternehmer sowie um eine Umsetzung in öffentlich-privater Partnerschaft.

Am Sitzungsabend kam es zu einem absoluten Novum in der Geschichte des Cölber Parlaments. Das Parlament wurde nämlich mit zwei Beschlussvorschlägen mehr oder weniger aus dem gleichen Gremium konfrontiert. Der eine trug den Namen „Gemeindevorstand“, der andere kam vom Bürgermeister alleine, der Kraft seines Amtes auch dem Gemeindevorstand angehört. Der Vorschlag des Bürgermeisters war dann der, der beschlossen und auch von der Feuerwehr mit Applaus zur Kenntnis genommen wurde.

Berechnungen „regelmäßig überprüft“

Der Vorschlag des Gemeindevorstandes wurde vom Ersten Beigeordneten Jörg Block vorgestellt, der wie der Bürgermeister auch aus Bürgeln kommt und dort bis Ende der vergangenen Legislaturperiode auch noch Ortsvorsteher war. Block sah die Zeit für eine Entscheidung noch nicht ganz gekommen, weil er gerne noch einige offene Fragen geklärt haben wollte. Die offenen Fragen stellte Bürgermeister Dr. Jens Ried nicht in Abrede, doch machte er deutlich, dass die in die vorliegende Berechnung eingeflossenen Zahlen „sehr sorgfältig und regelmäßig überprüft und in engem Kontakt mit allen Beteiligten abgestimmt wurden“.

Das „deutlich wirtschaftlichste Finanzierungsmodell“ bestehe darüber hinaus schließlich aus verlässlichen Partnern. Es handelt sich zum einen um die Sparkasse und zum anderen um die Firma Christmann und Pfeifer.

Druck von der Lage auf dem Baumarkt

Robert Zwick, Fraktionsvorsitzender der SPD, kündigte an, dass seine Fraktion dem Bürgermeister folgen werde. „Wir erwarten, dass die Feuerwehr nach wenigen Minuten am Einsatzort ist. Die Feuerwehr erwartet, dass wir jetzt aufhören zu reden und entscheiden“, sagte er mit Blick auf die anwesenden Feuerwehrleute aus Bürgeln. Auch Hildegard Otto von der SPD war es wichtig, der Feuerwehr zu zeigen, dass das Parlament gewillt ist, den Bedarfsplan der Wehr gewissenhaft abzuarbeiten, ohne Entscheidungen länger als notwendig aufzuschieben.

Heinz Palz von den Grünen, der Blocks Ansinnen durchaus würdigte, machte deutlich, dass auch die unkalkulierbare Lage auf dem Baumarkt einen gewissen Druck ausübe, und die vom Bürgermeister vorgeschlagene Variante die größte finanzielle Sicherheit biete.

Damit zu rechnen sei in 15 Monaten

Jörg Block nahm es sportlich. Der Antrag des Gemeindevorstandes sei „gelebte Demokratie, wenn man unterschiedlicher Meinung ist“, ließ er wissen. Auch wenn er sich nicht durchsetzen konnte, würdigten die Anwesenden schon seinen Einsatz, um den bestmöglichen Informationsstand zu erreichen.

Bürgermeister Dr. Jens Ried zeigte sich positiv gestimmt, dass mit der Übergabe des neuen Gebäudes innerhalb von 15 Monaten gerechnet werden könne. Das klang in den Ohren der Feuerwehr, aber auch in den Ohren des amtierenden Ortsvorstehers von Bürgeln, Sebastian Reichel, sehr gut. Nach der Sitzung zeigt er sich in einem kurzen Gespräch mit dieser Zeitung sehr erfreut, dass das Projekt jetzt auf sichere Füße gestellt wurde.

Von Götz Schaub

30.03.2022
29.03.2022