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Nordkreis Halbzeit an der Bahnsteigkante
Landkreis Nordkreis Halbzeit an der Bahnsteigkante
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15:58 19.03.2021
Cölbes Bürgermeister Dr. Jens Ried (links) und Sören Bartol auf dem neuen Bahnsteig des Bahnhaltepunkts Cölbe.
Cölbes Bürgermeister Dr. Jens Ried (links) und Sören Bartol auf dem neuen Bahnsteig des Bahnhaltepunkts Cölbe. Quelle: Andreas Schmidt
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Bürgeln

Die erste Hälfte des Umbaus am Bahnhaltepunkt Bürgeln ist geschafft: Auf einer Länge von 240 Metern wurde der Bahnsteig nun umgebaut und auf die – lange Zeit kritisierten – 76 Zentimeter erhöht. Dennoch sind Cölbes Bürgermeister Dr. Jens Ried (parteilos) und auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Sören Bartol, der sich für das Projekt eingesetzt hatte, zufrieden.

„Das Projekt ist wichtig für viele Menschen, die hier wohnen“, so Bartol. „Und auch für die der umliegenden Dörfer“, fügt Ried hinzu. Laut Bahn haben die Arbeiten im September begonnen – entstanden ist auch eine Rampe, die den stufenfreien Zugang zum Bahnsteig ermöglicht.

Ried: 100 Prozent dessen, was möglich gewesen ist

Auch wenn Bürgeln zunächst um eine Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern gekämpft hatte (die OP berichtete), sind die nun 21 Zentimeter mehr doch auch in einem Punkt ein Vorteil: „Durch die Höhe springt man nicht mal eben auf die Gleise, um auf die andere Seite zu gelangen“, sagt Bartol. „Wir müssen immer wieder appellieren an die Leute, das zu lassen“, so Bartol.

Und: Ja, die niedrigere Bahnsteighöhe sei für eine absolute Barrierefreiheit wünschenswert gewesen. „Doch denkt die Bahn in längeren Zeiträumen“, sagt Ried – ab 2038 seien die Züge eben dann entsprechend hoch. „Das sind nicht 100 Prozent dessen, was wünschenswert gewesen wäre – aber 100 Prozent dessen, was möglich gewesen ist“, sagt Ried. Und Bartol fügt hinzu: „Der Bahnsteig ist nun zukunftsfest.“

Andere Lösung war nicht umsetzbar

Der Weg auf die gegenüberliegende Seite des Bahnhaltepunkts führt über eine Brücke, einige hundert Meter entfernt – eine andere Lösung sei leider nicht möglich gewesen, wie Ried erläutert. „Wir haben verschiedene Optionen geprüft und auch mit der Bahn erörtert“ – von einer Unterführung, „die aber wegen der sechsprozentigen Steigung viel zu lang geworden wäre“. Ein zusätzlicher Steg wäre möglich gewesen, „aber hätte das die Gemeinde mehr als eine halbe Million zusätzlich gekostet“ – das sei nicht drin.

Doch der Bahnsteig ist nur ein Teil des Umbaus des Bahnhalt-Areals, die Bagger sind noch nicht abgerückt. „Wir werden noch Ladesäulen installieren“, so Ried, zunächst wohl eine Säule, an der dann zwei Autos gleichzeitig aufgeladen werden können.

Hang zum Bahnhalt soll bepflanzt werden

„Und wir hätten auch Platz für zwei oder drei Säulen“, sagt der Bürgermeister. Außerdem entsteht derzeit der Parkplatz, „damit die Autos nicht am Straßenrand stehen, wie das bisher häufig der Fall ist. Und wir werden dennoch den Spielplatz, den wir nun quasi halbiert haben, erhalten und neu herrichten.“

Entsprechend soll auch noch der Hang zum Bahnhalt bepflanzt werden, „durch die Bäume wird es dann auch schön schattig“, sagt Ried. Der Spielplatz soll „im frühen Sommer“ entstehen, in Beteiligung mit den Bürgern aus dem Dorf. „Die Finanzierung ist schon gesichert“, sagt Ried. Und: Nur wenige Meter Richtung Kirchhain soll ein neues Baugebiet entstehen – mit Reihen- und Doppelhäusern.

Andere Seite fehlt noch

Nun folgt noch die andere Seite des Bauprojekts, „das wird logistisch etwas schwieriger“, sagt Ried. Denn zum überregionalen Radfernweg, der sehr stark frequentiert wird, sind es nur wenige Meter, es könne sein, dass dieser während der Bauarbeiten gesperrt werden müsse. Sollte das nötig sein, gebe es bereits eine Ausweichstrecke durch Bürgeln.

Losgehen soll es mit dem Bau laut Bahn im Juni, die Fertigstellung ist für Ende Oktober geplant. „Wir sind sehr glücklich und zufrieden“, sagt Ried, „der Anschluss ist sehr wichtig, denn Bürgeln ist ein wachsender Ortsteil. Der Bahnsteig ist ein Stein gewordenes Zeichen dafür, wie die Zukunft im ländlichen Raum aussieht: Dass die Verkehrsanbindung ganz entscheidend ist“, ist sich Ried sicher.

Bartol: Sehr gute Perspektive

„Dass wir den Bahnsteig saniert bekommen bedeutet, dass Bürgeln die nächsten Jahrzehnte eine sehr gute Perspektive als Lebens- und Wohnort hat.“ Bartol fügt hinzu: „In Verbindung mit dem Parkplatz und den Ladesäulen entsteht so ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt.“

Laut Bahn kostet das Gesamtprojekt rund 5,2 Millionen Euro – 4,9 Millionen Euro stammen aus Sondermitteln zur Erhöhung niedriger Bahnsteige, 300.000 Euro muss die Bahn selbst tragen. Die Gemeinde hat Kosten für die umgebende Infrastruktur und etwa die Ladesäulen in Höhe von 75.000 Euro.

Von Andreas Schmidt

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