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Nordkreis Verein will Leselust wecken
Landkreis Nordkreis Verein will Leselust wecken
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09:59 11.08.2020
Mehr Platz, mehr Lesestoff: Die Bücherei Cölbe ist auf das Gelände des St.-Elisabeth-Vereins gezogen. Foto: Ina Tannert
Mehr Platz, mehr Lesestoff: Die Bücherei Cölbe ist auf das Gelände des St.-Elisabeth-Vereins gezogen. Quelle: Ina Tannert
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Cölbe

Lange musste die Gemeindebücherei platztechnisch mit dem Allernötigsten auskommen, der Büchereiverein hatte Mühe, das ganze Inventar einzulagern und sehnte den großen Umzug herbei. Das hat nun ein Ende, denn nun ist die Bücherei auf das WABL-Gelände des St.-Elisabeth-Vereins in der Lahnstraße gezogen.

In den deutlich größeren, nun auch barrierefreien Räumen herrscht auf 120 Quadratmetern seit Juni rege Betriebsamkeit, schließlich gilt es, mehr als 12.000 Bücher unterzubringen.

„Hinzu kommen weitere 1.000, die noch ausgeliehen sind, es ist viel zu tun“, erzählt Büchereiangestellte Carmen Nüsing. Noch stapeln sich an vielen Ecken die Umzugskartons, ein großer Teil des Inventars ist aber schon aufgestellt und einsortiert.

Hier finden sich Klassiker wie Dan Browns „Sakrileg“, dort ausgefallene Kochbücher, an anderer Stelle wiederum Erziehungsratgeber oder im Kinderbereich die Abenteuer von Lucky Luke.

Mehr als 700 Leser nutzen das Angebot

Außerdem gibt es eine Sammlung an Hörbüchern, ebenso klassische Hörkassetten mit Kindergeschichten, „die laufen auch heute noch sehr gut und sind bei Eltern wie Kindern beliebt“, sagt Nüsing. Die Bücherei wird gerade in die verschiedenen Literaturarten sortiert, von Belletristik, Sachbücher, Krimis, Fantasy oder Kinderbücher. Eine Mammutaufgabe für die beiden Angestellten und die ehrenamtlichen Helfer vom Verein Bücherei Cölbe.

Dieser wurde 2007 noch als Förderkreis gegründet, führt die Einrichtung als fester Verein seit 2009 und nahm diese Aufgabe damals der Gemeinde ab, die den Verein seitdem im Jahr finanziell bezuschusst. Der organisiert stetig Nachschub an neuen Büchern, die vor allem aus Spenden stammen, rund 200 Neuanschaffungen kommen in jedem Jahr neu dazu. Mehr als 700 aktive Leser nutzen das wachsende Angebot regelmäßig. Mittlerweile gibt es rund 100 Vereinsmitglieder, die sich der Erhalt der Bücherei in Bürgerhand und dem Lesen als solches verschrieben haben.

Und damit auch der Bildung durch das Lesen, gerade für Kinder und Jugendliche. Das gestalte sich in Zeiten fortschreitender Digitalisierung zunehmend schwerer, immer weniger junge Menschen lesen, ob im klassischen Buch aus Papier oder als digitales Format.

An Digitalisierung geht kein Weg vorbei

Es mangele am Lese-Eifer, Kindern werde im Vergleich heutzutage weniger von den Eltern vorgelesen und entdecken dann selber nicht mehr die Lust am Buch, das mache sich in den schulischen Leistungen, beim Lesen wie Schreiben deutlich bemerkbar: „Zu wenige Kinder und Jugendliche lesen noch, dabei ist das eine ideale Förderung. Ohne Bücher ist das aber schwer aufzufangen“, sagt Vereinsvorsitzende Bernadette Neckermann-Achterholt.

Mit einem wachsenden Angebot wolle man daher schon die Jüngsten für das Lesen begeistern. An der Digitalisierung kommt der Verein dabei nicht vorbei und arbeite bereits daran, das Angebot digital zu erfassen. Auf Bücher aus Papier wolle man aber auch künftig nicht verzichten, alleine schon um das Lesevergnügen weiterhin „mit allen Sinnen“ genießen zu können, betont Nüsing. Ein Buch und damit ein Stück weit die Geschichte darin anfassen zu können, zu riechen, zurückzublättern, das sei eine Erfahrung, die das digitale Pendant nicht erreichen könne.

Aus ihren alten Räumen musste die Bücherei ausziehen, nachdem dort der Umbau des Cölber Feuerwehrhauses startete. Sie kam 2018 vorübergehend in eigentlich viel zu kleinen Räumen oberhalb der Apotheke unter. Zur Freude des Vereins war schnell klar, dass die Bücherei in die Planungen für das WABL-Gelände des St.-Elisabeth-Vereins in der Lahnstraße mit aufgenommen wurde. Dort ist sie nun zwischen der Marketing- und der IT-Abteilung angesiedelt. Die Räume mietet die Gemeinde an und stellt sie dem Büchereiverein kostenlos zur Verfügung.

Ausgeliehene Bücher bis 29. August zurückgeben

Dort sollen künftig nicht nur Bücherfreunde kostenlos neuen Lesestoff ausleihen können – das kulturelle Leben soll deutlich ausgeweitet werden, kündigt Bürgermeister Dr. Jens Ried an. In der neuen Bücherei, den nahen Multifunktionsräumen oder im künftigen Begegnungscafé des St.-Elisabeth-Vereins wäre viel Platz für verschiedene Veranstaltungen, vom Lesenachmittag bis zum Bücherklub.

Ab dem 17. August will die Bücherei in der Lahnstraße 8 wieder eröffnen. Der Verein weist noch darauf hin, dass alle derzeit noch ausgeliehenen Bücher dann bis zum 29. August wieder zurückgegeben werden müssen.

Nicht nur im Inneren des bereits fertigen Gebäudes, auch im gesamten Bereich des WABL-Projekts (Wohnen, Arbeiten, Beschäftigen, Leben) geht es gut voran. Das 7.400 Quadratmeter große Gelände gleicht nach wie vor einer Großbaustelle, der St.-Elisabeth-Verein baut seinen Verwaltungstrakt großflächig um und aus.

Trotz Corona: „Der Bauzeitplan wird eingehalten“

Neben der eigentlichen Verwaltung entsteht ein pädagogisches Schulungs-, Bildungs- und Begegnungszentrum mit Konferenz- und Schulungsräumen, neue Bürotrakte, Sozialräume sowie einige Wohnungen, die größtenteils bereits bezogen sind. Im Zentrum besonders auffällig entsteht gerade das neue Begegnungscafé samt multifunktional nutzbarer Räume, an die sich eventuell auch einmal eine Bürgerwerkstatt anschließen könnte.

An den Planungen und Baufortschritten habe auch Corona nichts geändert, „der Bauzeitplan wird eingehalten“, sagt Ulrich Kling-Böhm vom Vorstand. Entstehen soll ein Projekt, das Menschen allen Alters, unterschiedlicher Herkunft und aus sämtlichen sozialen Schichten ein bedarfsgerechtes, weitestgehend barrierefreies Zusammenleben ermöglichen soll. Noch rund ein Jahr sollte die Bauphase andauern, der Vorstand hofft, dass noch vor den Sommerferien 2021 die Eröffnung des neuen Komplexes gefeiert werden kann.

  • Öffnungszeiten der Bücherei Cölbe ab dem 17. August: Montag, Mittwoch und Donnerstag jeweils zwischen 15.30 Uhr und 19 Uhr.

Von Ina Tannert

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