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Nordkreis Brücken für Fledermäuse
Landkreis Nordkreis Brücken für Fledermäuse
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00:19 27.10.2018
Irritationsschutzwände sollen Fledermäuse über die Brücken führen, damit sie nicht im Sinkflug in den Verkehr geraten.  Quelle: Tobias Hirsch
Goßfelden

Wer täglich zur Arbeit über die Bundesstraße 252 fährt, wird vielleicht die Tage­ zählen, bis endlich die neue Straße im Westen freigegeben wird. Und auch die Bürger in Münchhausen, Wetter, Göttingen und all den anderen Ortschaften, durch die die Bundesstraße derzeit noch verläuft, träumen sicher schon von ruhigeren Zeiten. Bis zu 90 Prozent weniger Verkehr rollt laut Hessen Mobil durch die Orte, wenn die neue B 252 fertig ist.

Die Nord-Süd-Verbindung zwischen Münchhausen und Cölbe gehört zu den wichtigsten Strecken im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Der rund 17 Kilometer lange Neubau sei das derzeit größte Straßenbauprojekt in ganz Hessen unterhalb von Autobahnen, sagt Eugen Reichwein von Hessen Mobil. Reichwein ist Regionalbevollmächtigter Westhessen bei der Straßenbaubehörde. Derzeit plant Hessen Mobil mit Kosten zwischen 110 und 120 Millionen Euro für die neue Straße.

In fünf Jahren soll die neue Bundesstraße 252 fertig sein. Zwischen 110 und 120 Millionen Euro soll die rund 17 Kilometer lange Neubaustrecke kosten.

Dieses Geld geht aber nicht nur in den Asphalt oder in die Dutzende Bauwerke, die für die neue Bundesstraße errichtet werden müssen. Seit Beginn der Bauarbeiten 2013 sind unzählige Probleme aufgetaucht, von denen die Planer im Vorfeld noch keinen blassen Schimmer hatten. Und die kosten Geld.

So musste beispielsweise eine­ Gasleitung zwischen Göttingen und dem Bahnhof in Sarnau auf einer Strecke von zwei Kilometern verlegt werden. Das allein habe schon 16 Millionen Euro verschlungen, sagt Bernhard Klöpfel, der für die Arbeiten an zwei der drei Bauabschnitten verantwortlich ist.

2017 war es zu einem Zwischenfall gekommen. Für die neue Gasleitung wurde bei Göttingen ein Tunnel unter der Wetschaft hindurch gebohrt. Der Bohrkopf fraß sich in einen metallischen Gegenstand. Der Bohrer konnte damals erst geborgen werden, nachdem der Bachlauf aufwändig umgeleitet und über dem Bohrer trockengelegt worden war.

Aktuell beschäftigt die Bauingenieure ein anderes Problem: Bis Ende dieses Jahres müssen einige Masten einer Hochspannungsleitung versetzt werden. Kostenpunkt: eine Million Euro.

Mit Beginn der Sommerferien 2020 soll auf einem Teilstück bei Sarnau die Trasse der Kurhessenbahn verlegt werden. Dann wird auch das Häuschen des Schrankenwärters überflüssig; neue Signal- und Stellwerktechnik wird die menschliche Arbeitskraft ersetzen. Klöpfel sagt, dass dann für eine gewisse Zeit – vielleicht zwei Monate – keine Bahn dort fahren könne. Für Schüler und Pendler soll Ersatz eingerichtet werden. Auch die B 62 müsse für kurze Zeit voll gesperrt werden.

Zwar liegt noch einige Arbeit vor Bernhard Klöpfel und Thomas Klee, der für den mittleren Bauabschnitt verantwortlich ist, aber so manches ist auch schon geschafft. Viele Brücken sind gebaut und stehen noch einsam in der Landschaft herum. Bis dann die Lücken dazwischen mit ­Asphalt aufgefüllt werden.

Vor größere Herausforderungen stellte die Planer immer wieder der Umweltschutz. Ein Beispiel sind die Grünbrücken, die auf der Strecken an verschiedenen Stellen errichtet werden, um Tieren das Überqueren der Straße zu ermöglichen. Diese Brücken sollen aber nicht nur von laufenden Arten benutzt werden. Auch Fledermäuse mögen doch bitte die vorgesehenen Schneisen nutzen, um nicht über der Fahrbahn zu tief zu sinken und in den Verkehr zu geraten. Dafür baut Hessen Mobil sogenannte Irritationsschutzwände, eine Art Schalltrichter für Fledermäuse.

So sehr die Anwohner in den Orten entlang der alten B 252 den Tag auch herbeisehnen, an dem die neue Straße für den Verkehr freigegeben wird – es gibt auch Menschen, die mit Sorge darauf schauen. So soll der mittlere Bauabschnitt zwischen der Kreisstraße 123 bei Amönau und der B 62 bei Göttingen im Herbst 2019 freigegeben werden. Lahntals Bürgermeister Manfred Apell fürchtet, dass es dann bei Goßfelden zu Staus kommen könnte.

Erst 2023, so der Plan, soll das komplette Projekt abgeschlossen werden. Zwischen Ernsthausen und Münchhausen im Norden bis zur Bundesstraße 3 bei Cölbe im Süden wird der Weg dann zwar etwas länger, aber wohl trotzdem schneller abzufahren sein. Denn um die meisten Dörfer des Nordkreises wird die neue Bundesstraße dann einen großen ­Bogen machen.

von Dominic Heitz