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Nordkreis Eine Mammutaufgabe
Landkreis Nordkreis Eine Mammutaufgabe
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21:43 20.07.2022
400 Einsatzkräfte bekämpften mit Landwirten einen rund 25 Hektar großen Waldbrand.
400 Einsatzkräfte bekämpften mit Landwirten einen rund 25 Hektar großen Waldbrand. Quelle: Nadine Weigel
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Schönstadt

Die Strapazen stehen ihnen ins Gesicht geschrieben. Müde Augen in rußverschmierten Gesichtern. Die ganze Nacht über haben insgesamt 400 Einsatzkräfte versucht, den Brand im Burgwald zu löschen. Mittwochmorgen ist die Lage unter Kontrolle, aber noch nicht ausgestanden. „Heute Nacht konnten wir erfolgreich verhindern, dass sich der Brand weiter ausbreitet, jetzt geht es an die Fleißarbeit“, sagt Kreisbrandmeister Stephan Schienbein.

Die „Fleißarbeit“ ist schweißtreibend. Der Wald oberhalb von Schönstadt ist nicht bewirtschaftet und gleicht einem Urwald. Die Feuerwehrleute kämpfen sich durchs Unterholz, bewaffnet mit Schippen, Gabeln, Feuerklatschen und Schläuchen. Immer wieder flammen Glutnester im staubtrockenen Waldboden auf. Die Luft ist beißend, obwohl der größte Brandherd gelöscht ist.

Feuerwehr leert 2.500 Badewannen

Die Auswirkungen des Feuerwehreinsatzes im Burgwald konnten die Menschen in vielen Orten des Kreises registrieren, die am Dienstagabend ihren Wasserhahn öffneten. Wer zum Beispiel in Niederwetter Gläser  füllte, stellte einen auf- und abschwellenden Wasserfluss fest. Solche Netzschwankungen  bezeichnet Dirk Ficht vom ZMW als zwangsläufig, wenn es zu großen Entnahmen wie für das Löschen eines Brandes kommt. Wie viel Wasser für den Einsatz am Brandort aus den ZMW-Leitungen entnommen wurde, lässt sich laut Ficht nur schätzen. Rund 500 Kubikmeter Wasser, die in Löschfahrzeugen der Feuerwehren und des Katastrophenschutzes sowie in landwirtschaftlichen Behältnissen transportiert wurden, sind seiner Ansicht nach realistisch. Zum Vergleich: 500 Kubikmeter Wasser entsprechen grob gerechnet dem Inhalt von rund 2 500 Badewannen. Und wer bezahlt diese Menge? Da kein Zähler zum Einsatz kam, gibt es auch keine Rechnung vom ZMW. Die Kosten trägt die Allgemeinheit. 

Bilder von Mittwochmorgen

Insgesamt neun Feuerwehrleute wurden durch Rauchgase verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Glücklicherweise ist ihr Zustand stabil. Sie befinden sich auf dem Weg der Besserung, so Schienbein. Aber nicht nur wegen des Brandrauches ist die Arbeit der Einsatzkräfte sehr gefährlich. Die Bäume, die im Flammen standen, sind morsch, drohen umzustürzen. „Halt, geht mal ein bisschen weg da, der hängt ganz schief nur“, ruft ein Feuerwehrmann aus Wohratal und winkt einen Mitarbeiter von Hessenforst herbei. Dieser fällt den Baum, der umzustürzen droht, fachmännisch. Das laute Krachen des gefällten Baumes übertönt selbst das Motorengeräusch des Polizeihubschraubers, der über die Einsatzstelle fliegt. Aus einem 2 000 Liter fassenden Behälter wirft er da Wasser ab, wo die Feuerwehr schlecht hinkommt. Während sich die Einsatzkräfte der Feuerwehren auf die Brandbekämpfung konzentrieren, sorgt das DRK für die Versorgung der Helferinnen und Helfer. Das THW leuchtete nachts aus und unterstützte beim Aufbau einer Wasserentnahmestelle am Baggersee bei Bürgeln.

Bilder von Dienstagabend

Tatkräftige Unterstützung gibt es aber auch wieder aus der Landwirtschaft. Bauern eilen mit ihren mit Wasser gefüllten Güllefässern zur Einsatzstelle. „Das war eine ganz tolle Leistung der heimischen Landwirte, die uns die ganze Nacht unterstützt haben“, betont Schienbein, der auch Anwohnern dankt, die Wasser und Verpflegung an die Einsatzstelle brachten.

Um 15.30 Uhr am Mittwochnachmittag kann er Entwarnung geben: Die letzten Glutnester sind abgelöscht, der Einsatz beendet. Sorge bereitet den Experten aber das Wetter. „Die angekündigten Gewitter sehen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Schienbein. Der damit einhergehende Wind könne Glutnester entfachen, sodass es plötzlich wieder brennen könne.

Waldbrandgefahr

Zur Waldbrandgefahr in Hessen rief das Umweltministerium am Montag die erste von zwei Alarmstufen für die Forstverwaltung aus. Der Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes zeigt die vierte, „hohe Gefahr“, von fünf Gefahrenstufen auf.

Das gilt generell im Wald:

Kein Feuer: Offenes Feuer, auch Grillfeuer, sind in Wäldern verboten und nur auf ausgewiesenen Grillplätzen erlaubt.

Rauchverbot: Es ist grundsätzlich nicht erlaubt, in Wäldern zu rauchen.

Keine Kippen in die Natur: Brennende Zigaretten, die aus dem Autofenster geworfen werden, stellen eine große Gefahr dar.

Kein Glas im Wald: Müll, wie etwa leere Glasflaschen, sollte generell nicht in der Natur landen, im Wald können Glasscherben wie Brenngläser wirken.

Kein heißer Motor auf trockenem Gras: Beim Ausflug in die Natur wie dem Wald darauf achten, dass das Auto nur auf ausgewiesenen Plätzen geparkt wird. Heiße Katalysatoren und Auspuffrohre können trockene Grasflächen unter den Fahrzeugen entzünden.

Zufahrten zu Wäldern frei halten: Rettungswege für Einsatzfahrzeuge gibt es auch in Wäldern. Park- und Halteverbote sind dringend zu beachten.

Von Nadine Weigel und Ina Tannert