Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Nordkreis Der Baggersee als Bollwerk
Landkreis Nordkreis Der Baggersee als Bollwerk
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:00 15.01.2022
Ein Baggersee der alten Kiesgrube Bürgeln. Das Gelände will die Gemeinde Cölbe übernehmen und stellenweise für den Hochwasserschutz und als Naherholungsraum umgestalten. Darüber berichtet Bürgermeister Dr. Jens Ried.
Ein Baggersee der alten Kiesgrube Bürgeln. Das Gelände will die Gemeinde Cölbe übernehmen und stellenweise für den Hochwasserschutz und als Naherholungsraum umgestalten. Darüber berichtet Bürgermeister Dr. Jens Ried. Quelle: Foto: Ina Tannert
Anzeige
Bürgeln

Es ist zu einem idyllischen Fleckchen geworden, das reich bewachsene Gelände der alten Kiesgrube nordwestlich vom Cölber Ortsteil Bürgeln. Die großen Seen an den Bundesstraßen 3 und 62 liegen still da – auf dem Gelände wird schon länger kein Kies mehr gefördert, die Natur hat die Uferbereiche wieder übernommen.

Hier und da sieht man Wanderer, das Betreten ist offiziell aber verboten, lediglich der Angelverein hat einen Teil gepachtet und darf die Seen nutzen. Das ganze Gelände befindet sich noch im Besitz der Firma Holcim, was nicht mehr allzu lange so bleiben soll. Die Gemeinde Cölbe möchte die Flächen übernehmen und für verschiedene Nutzer sichern – vom Spaziergänger bis vom Vogel – und zugleich den Hochwasserschutz voranbringen.

Seit Jahren schon laufen die Pläne zur Öffnung des Geländes, wirklich umsetzen kann die Kommune diese erst, wenn das noch laufende bergrechtliche Verfahren abgeschlossen ist und das Unternehmen das Gelände mit dem Segen der Bergaufsicht übergeben hat. Zuvor steht aber noch die nötige Anpassung des Geländes an – die Firma muss vor der Übergabe für die Rekultivierung sorgen, wie Bürgermeister Dr. Jens Ried bei einem Rundgang deutlich macht.

Danach plant die Gemeinde im Sinne des Hochwasserschutzes den gesamten Bereich als Retentionsfläche zu nutzen, die im Hochwasserfall als Überflutungsbereich dienen kann. Die Kiesgrube wird vom Roten Wasser umflossen, das wiederum in die Ohm mündet. Der Hochwasserschutz werde hier besonders groß geschrieben, nicht erst seit der Flutkatastrophe in Westdeutschland, die dem Thema dennoch wieder mehr Gewicht verliehen hat. Und die Baggerseen eignen sich gut, um im Ernstfall praktisch als Puffer zu dienen.

Dazu müsse ein Bereich zwischen zwei Teichen aufgeschüttet werden – der so entstehende Wall gleicht das noch fehlende Niveau zur Höhe der Ohm aus. Im neuen Haushalt sind bereits 175 000 Euro für die Uferranderhöhung vorgesehen. Die Schaffung von weiteren Sicherheitszonen bei einer Überflutung sei eine von vielen wichtigen Maßnahmen für den Hochwasserschutz in der von Flüssen umgebenen Gemeinde: Von der Flutmulde bei Cölbe über die bestellten Fließpfadkarten – die sind übrigens noch nicht angekommen – bis zur Renaturierung des Roten Wassers und dem Bereithalten von Sandsäcken für den Notfall, „das hängt alles miteinander zusammen“, betont Ried.

Ried: „Identifikationsraum für Bürgeln“

Er rechnet damit, dass das Verfahren der Bergbehörde in diesem Jahr abgeschlossen wird. Die Gemeinde würde nach dem bisherigen Zeitplan dann 2024 oder im Jahr darauf das Gelände endgültig in die eigene Hand nehmen, den Plan zur Hochwasser-Barriere und danach weitere Projekte umsetzen können. Denn über den Hochwasserschutz hinaus gibt es noch weitere Ideen, um das Potenzial der grünen Oase zu nutzen. Darunter der Ausbau der Naherholung, die Planungen dazu laufen bereits seit 2018: Das noch geschlossene Gelände soll einmal offiziell für Besucher geöffnet werden und auch weiterhin Anglern zur Verfügung stehen. Zugleich spielt der Naturschutz eine große Rolle, vor allem bei den nördlichen Uferbereichen, wo viele Vögel leben. „Die Kiesgrube ist ein Identifikationsraum für Bürgeln – wir müssen hier aber verschiedene Interessen beachten“, so Ried.

Die 38 Hektar große Fläche soll zum Naturschutzgebiet ausgewiesen werden, Teile davon an einem Uferstück, das den Tieren als Brutbereich dient, dürften dann weiterhin nicht betreten werden. Andere Bereiche aber sollen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, außerdem könnte die Kiesgrube in Zukunft als Ort für die Umweltbildung dienen. Unter anderem sollen Informationstafeln vor Ort aufgestellt werden, das Badeverbot werde aber generell aufrecht erhalten. Wie genau das Gelände am Ende aussehen wird, das stehe noch nicht abschließend fest.

Alle Interessen und Interessenten sollen im Vorfeld „an einen Tisch“ gebracht werden, um gemeinsam Möglichkeiten, aber auch Grenzen und Regeln zu erörtern. „Es wird nicht einfach werden, aber wir kriegen das hin“, ist sich Cölbes Bürgermeister sicher.

Von Ina Tannert