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Nordkreis Auf den Gleisen geht es rund
Landkreis Nordkreis Auf den Gleisen geht es rund
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11:55 29.07.2020
So sah es gestern rund um die Baustelle bei Sarnau aus, wo die Verlegung der Gleise in vollem Gange ist. Quelle: Nadine Weigel
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Sarnau

Vor ziemlich genau sieben Jahren begann mit dem Spatenstich für die B252 neu der Bau für die viel diskutierte Umgehungsstraße für Münchhausen, Wetter und Lahntal, die bereits lange zuvor geplant wurde.

Seit Jahrzehnten und mittlerweile Generationen ist die Umgehungsstraße Hoffnungsträger für die Anwohner in den Dörfern von Münchhausen bis Lahntal, hatte sich immer wieder verzögert, auch während der Bauarbeiten in den letzten Jahren traten neue Hürden auf.

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Der Bau der insgesamt rund 17,5 Kilometer langen Verbindung zwischen B252 und B62 ist das größte Bauprojekt in Hessen, abgesehen vom Autobahn-Bau, und mehr als 100 Millionen schwer. Das mittlere Teilstück zwischen Wetter und Goßfelden ist fertig und wurde im vergangenen Jahr eingeweiht. Noch fehlt die Anbindung an das nördliche und das südliche Stück.

Aktuell passiert besonders viel rund um Sarnau, wo sowohl die Bahnstrecke als auch der Lahntalradweg verlegt werden und in diesem Zusammenhang auch zeitweise die B62.

Züge sollen ab 1. November wieder fahren

Seit Anfang Juli ist der Zugverkehr unterbrochen – bis Ende Oktober ist ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet (Informationen zu Ersatzfahrplänen sind unter  www.kurhessenbahn.de/muewela zu finden).

Planmäßig soll der Zugverkehr bis zum 1. November wieder durch Sarnau in Richtung Frankenberg und Erndtebrück fahren. Dabei liege man „sehr gut im Zeitplan“, berichtet Steffen Wagenhausen von der Kurhessenbahn.

Die Bahnstrecke RB42 zwischen Sarnau und Niederwetter wird auf einer Länge von etwa 600 Metern verlegt und soll künftig rund 30 Meter weiter östlich verlaufen. Davon betroffen ist ebenso die Bahnstrecke RB94 zwischen Sarnau-Bahnhof und Sarnau, die angepasst wird.

Anfang 2013 stellte das Bundesverkehrsministerium nach jahrzehntelanger Planung erste Mittel für den Bau einer Ortsumgehung für die Orte von Münchhausen bis Göttingen zur Verfügung. Baubeginn war am 9. Juli 2013. Der erste Bauabschnitt zwischen Wetter und Lahntal ist am 21. Dezember 2019 für den Verkehr freigegeben worden. Mit dem zweiten Bauabschnitt im nördlichen Teil bei Münchhausen wurde am 6. Oktober 2016 begonnen. Er soll Ende 2023 fertiggestellt werden. Im Süden, bei Göttingen, soll die Straße 2024 fertig werden.

Mitte Juli wurde das alte Stellwerk bei Sarnau abgerissen, dort soll ein elektronisches Stellwerk entstehen. Rund um den Bereich wurden die alten Gleise und Weichen entfernt, die neuen werden dann an die bestehende Gleisverbindung wieder angeschlossen. Die Sperrung des Zugverkehrs werde außerdem dafür genutzt, Bahngleise in Goßfelden, Sterzhausen und auch Buchenau anzupassen und barrierefrei zu gestalten.

Um Platz für die Bauarbeiten zu schaffen, wurde die Bundesstraße 62 durch einen sogenannten „Bypass“, eine neue kurze Umfahrung um das Baufeld herum, leicht verschwenkt, damit der Verkehr weiterhin diese Strecke nutzen kann, wenn auch mit Verkehrsbehinderungen.

Arbeiten für Brücke haben begonnen

Der Bypass wird auch später noch von Bedeutung sein, da der Verkehr auch nach den Gleis-Arbeiten zeitweise wieder darüber geführt wird, wenn der Straßenbau näher rückt. Schon jetzt sei dadurch Platz entstanden, um einerseits auch die B62 an den künftigen Streckenverlauf anzupassen und andererseits um die beiden neuen Brücken (Kreuzbauwerk 25 und 26) über die künftigen Gleise zu errichten.

Die ersten Arbeiten für die Brücken, über die einmal die B252 – querungsfrei und ohne Bahnübergang-Stopp – laufen wird, haben begonnen, derzeit werden die Pfeiler vorbereitet und die Widerlager gebaut, auf denen die späteren Brücken einmal aufliegen werden, berichtet Bernd Marquordt, Fachbereichsleiter Bau bei Hessen Mobil.

Allerdings muss die B62 für rund zwei Wochen voll gesperrt werden – wann genau das passiert, stehe laut Sonja Lecher, Pressesprecherin von Hessen Mobil, noch nicht genau fest, angepeilt ist die Vollsperrung gegen Ende August bis Mitte September. Nämlich zu dem Zeitpunkt, wenn der neue Bahnübergang eingebaut wird.

90.000 Kubikmeter Erde werden transportiert

Zu dieser Zeit und schon vorher werden große Mengen an Erde per Lkw angefahren, kündigen die Planer bereits an. Bei einem Blick vom aufgeschütteten Erdhügel neben dem künftigen Trassenverlauf der B252 neu wird deutlich, wie viel Erdaushub bei dem Mammutprojekt bewegt wird. Derzeit fällt beim Bau des Nordstücks viel Erdaushub an, das wiederum im Süden zur Aufschüttung genutzt wird.

Ab dem 3. August und für rund zehn Wochen lang werden daher von Norden her rund 90.000 Kubikmeter Erde zur Baustelle beim südlichen Bauabschnitt transportiert. Das bedeutet, dass viele Lkw von Nord nach Süd und zurück unterwegs sein werden. Dies dürfte eine Herausforderung für den Verkehr werden. Zudem fällt Schmutz an, jeweils zu den Wochenenden sollen die öffentlichen Straßen gereinigt werden.

Weniger Hürden für Radfahrer

Hessen Mobil weist in diesem Zusammenhang auch auf eine steigende Kollisionsgefahr mit Radfahrern hin: Diese nutzen die neu angelegte, asphaltierte Baustraße derzeit verstärkt als Radweg. Das sei momentan auch kein Problem, wenn ab dem 3. August aber ganze Kolonnen an Lkw dort fahren, kommen sich beide Seiten in die Quere: Marquordt spricht von einem regen Verkehr, von „Transportmassen“ und betont: „Ich möchte hier keine Unfälle haben, ab Montag müssen die Radfahrer den eigentlichen Radweg nutzen.“

Für den Radverkehr gebe es laut Lecher generell weniger Hürden, der Radweg wird um die Baustellen herum geleitet, auch um die neue Brücke, die auf Höhe des Sarnauer Klärwerks entsteht, und wird im Herbst nach Ende der Zug-Sperrpause mit einem neuen Teilstück wieder mit dem Lahntalradweg verbunden. Dieser verläuft dann entlang der B62.

Diese wird im Übrigen in einigen Jahren wohl nicht mehr die B62 sein: Denn wenn die gesamte B252 neu einmal fertig ist – voraussichtlich 2024 – wird die B62 stellenweise in eine Kreis- oder Gemeindestraße umgewidmet werden. Und nicht nur in Lahntal, die Umgehung hat Auswirkungen auf viele Straßen, um diese herum werde in Zukunft „ein ganz neues Straßennetz“ entstehen.

Zeitplan B 252

Seit gut 60 Jahren ist der Bau der Umgehungsstraße B252 neu als wichtige Verkehrsachse zwischen Cölbe und Münchhausen bereits Thema in der Politik und erst recht bei den Anwohnern der einzelnen Dörfer.

Debatten und Planungen rund um die etwa 17,5 Kilometer lange Strecke nahmen Jahrzehnte in Anspruch, die Fertigstellung der einzelnen drei Bauabschnitte hatte sich über die Jahre hinweg teils verzögert.

Das mittlere Straßenstück zwischen Wetter und Goßfelden konnte nach rund sechsjähriger Bauphase Ende 2019 eingeweiht werden. Der Bauabschnitt Nord im Bereich Münchhausen soll 2023 fertig werden. Die Fertigstellung des südlichen Streckenteils zwischen Goßfelden und Göttingen hatte sich zuletzt verzögert und soll 2024 folgen.

Von Ina Tannert