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Nordkreis Kinderärztinnen übernehmen das Ruder
Landkreis Nordkreis Kinderärztinnen übernehmen das Ruder
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09:55 19.10.2020
Arztwechsel in Cölbe: Der langjährige Kinderarzt Manfred Gölzhäuser gibt das Zepter an seine Nachfolgerinnen Alexandra Jerrentrup (links) und Annemiek Leson weiter. Quelle: Ina Tannert
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Cölbe

Der Fortbestand der Kinderarztstelle in Cölbe ist gesichert – zwei neue Kinderärztinnen übernehmen künftig das Zepter und bauen auch gleich noch eine komplett neue Praxis. Bislang hält Manfred Gölzhäuser, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, in der Gemeinde die Stellung, versorgt seit 33 Jahren seine jungen Patienten aus Cölbe und darüber hinaus, selbst noch im Ruhestandsalter. Es gibt so einige ehemalige Patienten, die einst selber und nun mit den eigenen Kindern zu seiner Praxis kommen, erzählt Gölzhäuser lachend. Er hat seine Arbeit und die Selbstständigkeit immer sehr genossen, eröffnete 1987, hat seit 2006 – seitdem werden die Zahlen erfasst – rund 10 000 Patienten begleitet.

Mit 72 geht er nun bald in den Ruhestand und die nächste Generation siedelt sich an. Seine Nachfolgerinnen sind die Kinderärztinnen Alexandra Jerrentrup und Annemiek Leson, die sich zusammen die Stelle teilen. Beide kamen einmal zum Studium nach Marburg und sind geblieben, haben längst mit den eigenen Familien im Marburger Land Wurzeln geschlagen und sich jetzt für die Selbstständigkeit entschieden. Und auch bewusst gegen eine Praxis mitten in der Stadt und für die Landarztstelle: „Es ist wichtig, die Versorgung auf dem Land zu sichern, und das hat auch für die Ärzte große Vorteile, man kann ein breites Gebiet abdecken“, erzählt Leson. Alle drei Mediziner freuen sich über einen lückenlosen Wechsel, was keine Selbstverständlichkeit sei. „Es sind große Fußstapfen, die wir füllen möchten – aber wir haben ja auch mehr Füße“, lobt Jerrentrup den langjährigen Vorgänger.

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Dass beide jeweils eine halbe Stelle übernehmen, sehen sie als großen Vorteil, nicht nur, um für die eigenen Familien da sein zu können, sondern auch, um eine konstante Versorgung für Patienten zu gewährleisten. Fällt etwa eine Ärztin einmal wegen Krankheit aus, ist weiterhin die Kollegin da. Diese Doppelbesetzung von Ärztestellen werde sich wohl in Zukunft noch stärker etablieren, „es gibt immer mehr weibliche Studierende, die ganze Medizin wird weiblicher“, sagt Leson. Um Selbstständigkeit und Familie unter einen Hut zu bekommen, biete sich ein berufliches Doppel durchaus an, um durchgehend für Patienten da sein zu können. Zugleich brauche es dafür mehr Mediziner, „man benötigt heute eigentlich mehr Ärzte, um die offenen Stellen besetzen zu können“, sagt Leson.

Neue Praxis mit neuem Standort

In diesem Falle habe das bestens funktioniert, ebenso wie der anstehende nahtlose Übergang zwischen Generationen: Mit dem neuen Ärztinnen-Duo wächst die Praxis auch räumlich, die zudem den Standort wechselt: Von der Alten Kasseler Straße in die Straße Unterm Bornrain und dort in die früheren Fabrikräume des BTF Elektrogroßhandels. Die große Halle stand seit einigen Jahren leer, nun geht es im Inneren wieder hoch her. „Wir versuchen, dieses Gebäude wieder zum Leben zu erwecken“, freut sich Jerrentrup. Sie ist sehr zufrieden mit dem neuen Standort mit guter Anbindung, Erreichbarkeit und vor allem viel Raum zum Parken.

Noch herrscht Baustellenatmosphäre in der künftigen Praxis, die barrierefrei gestaltet sein wird und deren Fläche sich verdoppelt, schließlich sind es nun zwei Ärztinnen, die mit Wartebereich, Behandlungszimmern, Labor und Röntgenraum Platz finden müssen.

Die Eröffnung soll am 2. November erfolgen, bis dahin ist noch viel zu tun, „aber das schaffen wir“, sind beide optimistisch. Dann sollen auch Schilder auf die neue Praxis hinweisen, deren Eingang sich im hinteren Teil des Gebäudekomplexes befinden wird.

Von Ina Tannert