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Nordkreis BI fürchtet Schwund beim Artenschutz
Landkreis Nordkreis BI fürchtet Schwund beim Artenschutz
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13:58 01.10.2020
Quelle: Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa
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Natur- und Artenschutz gegen grünen Strom – das sind bei nahezu jedem Streit um Windkraftanlagen die tragenden Argumente der jeweiligen Seite, Befürwortern wie Gegnern von Windkraftprojekten. Auf der einen Seite kann die Energiewende laut Experten nicht ohne weitere Windkraftanlagen gelingen, auf der anderen Seite gilt es, geschützten Fledermäusen und Vögeln den nötigen Lebensraum zu geben.

Prominenter Vertreter besonders geschützter Arten ist etwa die Mopsfledermaus. Deren Vorkommen im Projektgebiet hat schon einigen Windkraft-Vorhaben – zumindest vorerst – den Stecker gezogen. Etwa dem Windpark auf dem Wollenberg zwischen Brungershausen und Sterzhausen, der 2014 gestoppt wurde.

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Was aber wäre, wenn sich die Rechtslage ändert, insbesondere die Naturschutz-Vorgaben für bestimmte Arten? Das dürfte auch die Debatte um eigentlich längst abgelehnte Vorhaben neu aufflammen lassen.

Im Sommer hatte das Hessische Umweltministerium eine Neuordnung der Vorgaben angesprochen, über eine Aktualisierung des hessischen Arten- und Naturschutzleitfadens. Darüber berichtete die grüne Umweltministerin Priska Hinz im Landtag, als Antwort auf eine Anfrage der FDP. Laut Hinz seien Änderungen nötig, nicht um seltenen Tierarten den Schutz abzuerkennen, sondern auf Grundlage neuer, naturwissenschaftlicher Erkenntnisse. Darüber hinaus sei durch eine Erhöhung der Anlagen und optimalere Standorte das Vogelschlagrisiko stark gesenkt worden. Auch eine mögliche Neuregelung der Mindestabstände zu geschützten Tierarten sei im Gespräch.

Der neue Arten- und Naturschutzleitfaden soll laut Landesregierung mehr Klarheit bringen, welche Standorte für Windkraft geeignet sind und wo aus artenschutzrechtlichen Gründen nicht gebaut werden soll. Wie das Hessische Umweltministerium auf OP-Nachfrage mitteilt, soll der Leitfaden noch in diesem Herbst veröffentlicht werden.

Windkraft-Befürworter sehen darin neue Chancen für künftige Bauprojekte, der Bundesverband Windenergie hofft, „eine musterhafte Lösung zum Abbau signifikanter Windenergie-Hemmnisse zu erzielen, die auf andere Bundesländer adaptiert werden kann“, schreibt der Verband auf seiner Internetseite. Windkraft-Kritiker fürchten dagegen eine Aushebelung bisher geltender Schutzbestimmungen und kritisieren die Argumente als vorgeschoben, um die Energiewende auf Kosten des Artenschutzes durchzudrücken.

Das befürchtet auch die Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Wollenberg“: „Es geht da nicht um Arten- und Naturschutz, sondern um die Windkraftlobby“, sagt Dr. Jürgen Scheele. Eine mögliche Neuordnung verfolgen die Mitglieder argwöhnisch, Details sind noch nicht öffentlich bekannt, doch Naturschützer befürchten, dass sich der Status geschützter Tiere verändern könnte, etwa für die Mopsfledermaus, sagt Scheele.

Die war Grund dafür, dass das Windkraftprojekt am Wollenberg auf Eis gelegt wurde. Es gebe nun zwar Bedenken, dass etwa die Entfernung von Windrädern zu Wochenstuben der Tiere gesenkt werde – oder zu Nestern geschützter Vögel. Allerdings sei eine Abmilderung geschützter Lebensraumtypen rechtlich schwierig, „davon gehen wir nicht aus, die Regeln sind ziemlich strikt“. Zumal sich der Standort nicht mehr im Teilregionalplan Energie befindet.

Doch die Sorge bleibe, dass das Thema Windpark am Wollenberg in wenigen Jahren wieder aufgenommen werden könnte. Das lehnt die BI ab, moniert generell zu wenig Klimaschutzpolitik in der Region und kritisiert, dass am Wollenberg keine Windmessung stattgefunden hat. Die Mitglieder dokumentieren das Vorkommen geschützter Arten in dem Gebiet, wie der Mopsfledermaus oder Flugrouten von Schwarzstörchen.

Dass das Thema zuletzt wieder in der Stadt aufkam, auch Bürgermeister Kai-Uwe Spanka den Standort nach wie vor als interessant und geeignet ansieht, sei für sie unverständlich. Es habe sich nichts an der europäischen Rechtsgrundlage für dieses FFH-Gebiet geändert. Es gehe nicht alleine um die Mopsfledermaus, „uns geht es um den Wollenberg als Ganzes, als FFH-Gebiet“, betont Jürgen Scheele.

Von Ina Tannert

29.09.2020
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