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Nordkreis Angst vor Schwerindustrie mitten in Lahntal
Landkreis Nordkreis Angst vor Schwerindustrie mitten in Lahntal
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15:58 24.11.2021
Auf rund 83.000 des 95.000 Quadratmeter großen Industriegebiets „Spiegelshecke“ sollte eigentlich das Logistikzentrum von CSL Behring entstehen. Nun gehört es wieder der Gemeinde Lahntal.
Auf rund 83.000 des 95.000 Quadratmeter großen Industriegebiets „Spiegelshecke“ sollte eigentlich das Logistikzentrum von CSL Behring entstehen. Nun gehört es wieder der Gemeinde Lahntal. Quelle: Groß & Hausmann/ Gemeinde Lahntal
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Goßfelden

Nach der zuletzt stattgefundenen Bürgerversammlung zum bereits im Bau befindlichen Amazon-Logistikzentrums, wuchs in der Lahntaler Bevölkerung die Sorge, dass auch an anderer Stelle etwas entstehen könnte, worauf niemand mehr Einfluss nehmen könne.

Es geht um die Fläche, auf der eigentlich das Marburger Pharma-Unternehmen CSL investieren wollte und deshalb von der Gemeinde als Industriegebiet ausgewiesen wurde.

Bernhard Groß spricht für diese besorgten Bürgerinnen und Bürger: „Industriegebiet bedeutet, dass dort auch Betriebe aus dem Bereich der Schwerindustrie mit Hochöfen, Verbrennungsanlagen und Schrott-Verarbeitung siedeln dürfen. Je nachdem kann das nicht nur zu Umweltbelastungen führen, sondern auch zu Gestank und zu erheblichen Lärmbelastungen zu jeder Tages- und Nachtzeit“, sagt Groß.

Groß: Firmen sind nicht mehr so standorttreu

Das Gefahrenpotenzial für die Anwohnerinnen und Anwohner erhöhe sich bei möglichen Unfällen und Bränden in einem solchen Betrieb um ein Vielfaches, etwa wenn giftige Stoffe oder gar Explosives ins Spiel komme.

Groß möchte nicht übertreiben, aber auch nicht verharmlosen und untertreiben. Er will deutlich machen, was passieren könnte. „Firmen sind heutzutage nicht mehr so standorttreu wie man das von früher kannte. Vielleicht können sie sich auch nicht durchsetzen und müssen in zehn oder 15 Jahren verkaufen. Dann kann doch niemand sagen, wer Nachfolger wird. Die Gemeinde wird das bebaute Areal sicher nicht zurückkaufen können“, sagt Groß. Deswegen sei jetzt die Zeit zu handeln, bevor niemand mehr die Möglichkeit habe, ungewollte Investoren zu verhindern.

Groß entschieden: „Wir fordern sowohl den Gemeindevorstand also auch die Gemeindevertretung zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger auf, das Industriegebiet wieder zu einem Gewerbegebiet zurückzustufen.“ Um der Sache Nachdruck zu verleihen werden in diesen Tagen Unterschriften gesammelt. Direkt an der Haustür, aber auch online über eine eigens eingerichtete Seite. Allerdings ist dort immer die Rede von dem Industriegebiet „Sandhute“.

Lieber Sandhute als Spiegelshecke

Konkret handelt es sich um das Gebiet „Spiegelshecke“, das zwischen dem Gebiet „Sandhute“ (Edeka) und dem Gebiet „Hardtwiesen“ am Kreisel B62 / B252 neu liegt. „Ich bleibe bei dem Begriff Sandhute, weil den jeder in Lahntal kennt und weiß, welches Gebiet damit gemeint ist. Der Begriff Spiegelshecke ist hingegen weniger bekannt“, erörtert Groß.

Die Unterschriftenaktion soll am kommenden Wochenende beendet werden, auch online. „Im Ganzen haben wir jetzt schon 400 Unterschriften und wir wollen es nicht so lange hinziehen“, sagt Groß. Er freut sich jedenfalls, dass das Thema nun die breite Öffentlichkeit erreicht hat und sich auch die Entscheider Gedanken machen.

Die Online-Petition ist  hier zu finden.

Einen weiterführenden Artikel lesen Sie  hier .

DAS THEMA: Industriegebiet „Spiegelshecke“ in Lahntal

In der ersten Parlamentssitzung nach den erfolgten Kommunalwahlen im März fand in Lahntal Ende April nicht nur die Konstituierung statt, es stand auch gleich eine Sachentscheidung von größerer Tragweite auf der Tagesordnung. Die neue Gemeindevertretung beschloss einstimmig, Bürgermeister Manfred Apell mit dem Rückkauf des Geländes im Industriegebiet Spiegelshecke zu beauftragen, auf dem das Marburger Pharma-Unternehmen CSL ursprünglich ein Logistikzentrum errichten wollte. CSL hatte die Pläne Ende März überraschend abgesagt. Beim Rückkauf ging es um eine siebenstellige Summe. Seither bemüht sich die Gemeinde, das 9,5 Hektar große Gebiet möglichst als Ganzes an einen Investor zu veräußern.

In der Bevölkerung wuchs zuletzt die Befürchtung, dass der nächste Käufer nicht unbedingt aus der Pharma-Branche kommen müsse, sondern durchaus auch aus der Schwerindustrie kommen könnte, weil es sich ja weiterhin um ein ausgewiesenes Industriegebiet handelt. So wurden Bürger aktiv und sammeln derzeit Unterschriften, auch über eine Petition im Internet, um eine in ihren Augen mögliche drastische Verminderung der Wohn- und Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde, insbesondere aus Goßfelden, zu verhindern. Auf dieser Seite stellen wir die Beweggründe der Bürger vor, informieren, wie Bürgermeister und die Fraktionen darauf reagieren, und drucken auch eine Stellungnahme der Ortsvorsteherin ab.

Von Götz Schaub