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Nordkreis Junger Mann muss ins Gefängnis
Landkreis Nordkreis Junger Mann muss ins Gefängnis
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08:00 27.07.2019
Ein junger Mann muss nach dem Verwurf seiner Berufung für sechs Monate in Haft. Quelle: Thorsten Richter
Cölbe

„Meine Vergangenheit holt mich jedes Mal ein. Wie soll ich es dann schaffen, mein Leben um 180 Grad zu drehen?“, sagte der Angeklagte in einer Berufungsverhandlung vor dem Landgericht. Im Februar hatte das Amtsgericht den Angeklagten des vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in Tateinheit mit Urkundenfälschung und Führen eines unversicherten Fahrzeuges für schuldig befunden und zu einer Jugendstrafe von sechs Monaten verurteilt. Des Weiteren verhängte das Amtsgericht eine Sperrfrist von einem Jahr für die Erteilung einer Fahrerlaubnis.

Ohne Führerschein in Bracht verunglückt

Der Angeklagte hatte im September 2018 an einem Pkw Kennzeichen mit von einem anderen Fahrzeug stammenden Plaketten der Zulassungsstelle Marburg angebracht, um den Eindruck zu erwecken, dass das Fahrzeug ordnungsgemäß angemeldet sei. Obwohl der Angeklagte keinen Führerschein besaß, nahm er mit dem präparierten Fahrzeug am öffentlichen Straßenverkehr teil, verunfallte in einer Kurve am Ortsausgang von Bracht und beging zu Fuß Unfallflucht.

Die Vizepräsidentin des Landgerichtes, Beate Mengel, die dem Angeklagten ausführlichst auf den Zahn fühlte, um herauszufinden, ob das Urteil des Amtsgerichtes in eine Bewährungsstrafe umgewandelt werden könnte, konnte er mit seinen vagen Äußerungen nicht überzeugen. „Das sieht mir nicht nach einem wirklichen Plan aus“, so die Richterin.

Sieben Eintragungen im Bundeszentralregister in den Jahren 2014 bis 2016 hat sich der derzeit geduldete, im Jahr 1998 Geborene, schon wegen mehrfachen Diebstahls, Körperverletzungen, räuberischer Erpressung, Nötigung, Beleidigung und wegen Fahrens ohne Führerschein eingehandelt.

Große Chance einfach liegengelassen

Insgesamt wurde der damals noch Minderjährige zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt. Sein weiterer Lebensweg sei ihm während seiner Strafe mit einer soliden Ausbildung als Maler und Lackierer und betreutem Wohnen in Schönstadt geebnet worden.

Aber er habe nicht mitgemacht, unter anderem unentschuldigt am Arbeitsplatz gefehlt, was die Kündigung des Arbeitsverhältnisses und den Verlust der Wohnung zur Folge hatte. Nach Ende seiner Bewährung im Januar 2018 sei er rund ein halbes Jahr später wieder straffällig geworden.

Der Weg des Arbeits- und Wohnungslosen führte nach Gießen und danach nach Wiesbaden. Anstatt sich um die Verlängerung seiner Duldung zu bemühen und auf Arbeitssuche zu gehen, habe er seiner geschiedenen Mutter auf der Tasche gelegen. 

Die erst im letzten Vierteljahr erfolgte Verlängerung seiner Duldung sowie ein vorgelegter, zwei Tage alter Arbeitsvertrag vom 15. Juli 2019 als Bauhelfer bei einer Firma in Mainz könne sie nicht davon überzeugen, dass der Heranwachsende sein Leben geändert und aus seiner Strafe etwas gelernt habe, so Mengel in ihrer Begründung. Die Berufung wurde verworfen.

von Elvira Rübeling