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Nordkreis Am Mischpult und mit Kamera in der Kirche
Landkreis Nordkreis Am Mischpult und mit Kamera in der Kirche
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08:59 23.05.2021
Ein Blick über den Altar in Richtung Orgel der Stiftskirche Wetter.
Ein Blick über den Altar in Richtung Orgel der Stiftskirche Wetter. Quelle: Götz Schaub
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Wetter

Mit ihrer Konfirmation zeigen getaufte Jugendliche an, dass sie nun ganz bewusst in die kirchliche Gemeinschaft aufgenommen werden wollen. Die Konfirmandenzeit dient dabei als Vorbereitung auf diese Entscheidung. Man sollte ja nicht ganz ahnungslos dazustoßen, einige wichtige biblische Geschichten nicht nur kennen, sondern auch um deren Bedeutung wissen. Zudem lernt man in der Regel einige Lieder aus dem Gesangbuch kennen und durch häufige Teilnahme an Gottesdiensten lernt man auch deren Abläufe kennen, weiß, was wann zu tun ist.

Nun, wie sollen Konfirmanden das alles unter Corona-Bedingungen hinbekommen? Dazu nahmen acht Konfirmanden aus dem Kirchspiel Wetter mit ihrem Pfarrer Dr. Matthias Franz im Gespräch mit dieser Zeitung Stellung. Und ja, diese Konfirmandenzeit gestaltete sich wahrlich anders. Dabei sollte das Wort „anders“ aber nicht mit „weniger ergiebig“ gleichgesetzt werden. Denn das Gegenteil ist der Fall.

Diese Konfirmandinnen und Konfirmanden, die sich zwar kaum in großer Gruppe sahen, übernahmen weit mehr Verantwortung innerhalb der Kirchengemeinde als sonst üblich. Sie nahmen auch an Gottesdiensten teil, aber eben auch etwas anders. Während der Corona-Pandemie verlegte sich Pfarrer Franz auf Online-Gottesdienste. In der Stiftskirche waren immer nur wenige Menschen direkt dabei, aber auch Konfirmanden.

Und sie sorgten dafür, dass die Gottesdienste „liefen“. Sie beteiligten sich nicht nur vielfältig an der Ausgestaltung, sondern sorgten tatsächlich dafür, dass die Gottesdienste in den Häusern der Gläubigen gesehen werden konnten. Sie saßen am Mischpult und führten die Kameras. Und gerade diese Aufgaben bleiben Emely, Cheyenne, Hanna, Maja, Tom, Andreas, Dustin und Jannis ganz sicher in positiver Erinnerung.

Und Pfarrer Franz wird diese Gruppe auch in positiver Erinnerung behalten, denn er vertraute den Jugendlichen sehr und wurde niemals enttäuscht. Er traute ihnen etwas zu, beauftragte sie damit und sorgte so dafür, dass die Jugendlichen erkannten, dass nun ganz viel von ihrem Einsatz abhängt, von ihrer Konzentration, von ihrer Arbeit. Natürlich sei man gerade bei den ersten Malen sehr aufgeregt gewesen, geben Emely und Jannis unumwunden zu und die anderen nicken.

Zum Gespräch sitzen sie im großen Kreis in der Stiftskirche, mit Mund- und Nasen-Schutz. Bei allen gestalten sich auch die privaten Vorbereitungen auf die Konfirmationsfeier sehr „spannend“, um es positiv auszudrücken. Denn wegen Corona weiß man bis dato nicht, in welcher Form Feiern möglich sein werden.

Aber bis Anfang Juli kann sich hoffentlich noch Vieles zum Guten wenden. Bis zum zweiten Lockdown traf sich der Pfarrer seit März 2020 immer mit sieben, acht Konfirmandinnen und Konfirmanden in der Kirche zum Unterricht. Dreimal hintereinander, um die ganze Gruppe bedient zu haben. Seit dem zweiten Lockdown geht alles nur digital, auch in kleinen Gruppen.

Glaubt man nun, dass das für die Jugendlichen der blanke Horror gewesen sein muss, der irrt sich gewaltig. Die Stunden waren immer interessant und wurden vom Pfarrer abwechslungsreich und lebendig gestaltet, sagen die acht übereinstimmend aus.

Und so brachten sie sich also auch viel mit eigenen Ideen ein. Die Predigt über Psalm 23 wurde beispielsweise mit sinnigen Fotos untermalt, die die Konfirmanden zuvor mit ihren Handys in ihrer unmittelbaren Lebenswelt geschossen hatten. Die filmischen „Werke“ kann man sich auf der Homepage der Kirchengemeinde unter Archiv noch anschauen. Sehr eindrücklich, die Feier der Osternacht mit Jugendlichen vor und hinter der Kamera. Selbst so „sensible Gottesdienste“ wie zum Ewigkeitssonntag legte Pfarrer Franz ein Stück weit in die Hände und Verantwortung der jungen Christen. Es entstand auch dazu ein sehr eindrückliches Video.

Im Ganzen arbeiteten die Jugendlichen immer mit drei Kameras, konnten so für Abwechslung in den Einstellungen sorgen. Einiges wurde vorproduziert, anderes wurde direkt als Livestream gesendet. „Es war immer der Situation angemessen und richtig gut“, findet Pfarrer Franz. Selbst mit dem Virus haben sich die Konfirmandinnen und Konfirmanden auseinandergesetzt. Dazu haben zwei Mädchen Porträts gemalt, mit der Intension zu zeigen, dass es hinter jedem Fall auch ein Gesicht gibt, einen Menschen wie du und ich. Die Bilder sind in der Kirche ausgestellt.

Gibt es etwas, was tatsächlich zu kurz kam? „Ja, das gemeinschaftliche Singen“, sagt Pfarrer Franz. Daran war nun mal aufgrund der Corona-Vorgaben nichts zu ändern.

Von Götz Schaub

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