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Nordkreis „Primär geht es um Mitarbeiter-Schutz“
Landkreis Nordkreis „Primär geht es um Mitarbeiter-Schutz“
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11:58 30.03.2020
Das ist ein Paket mit hochwertigen Mundschutz-Masken, wie sie am Dienstag in den Rewe-Läden von Uwe Kranich angeboten wurden. Einige Kunden empfanden den Verkauf als unpassend, weil solche Masken in Krankenhäusern viel dringender gebraucht würden. Quelle: Götz Schaub
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Wetter

Kunden fanden das weniger toll. In der Facebook-Gruppe „Du weißt, du kennst Wetter Hessen“ wurde diese Aktion heftig diskutiert. Die Kommentare dazu liefen fast alle in eine Richtung: Unverständnis mit Mundschutz-Masken auf den Markt zu kommen, wo diese doch derzeit dringend in den Kliniken benötigt werden. Dazu noch der Preis. Die Kommentare gingen mitunter ins Persönliche. Die mehr als hundert Päckchen blieben nicht lange im Markt aufgestellt. Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka wurde auf diese Verkaufsaktion aufmerksam gemacht. Er telefonierte noch am selben Tag mit dem Betreiber des Marktes, Uwe Kranich. Die Masken waren dann recht schnell wieder verschwunden, was auf Facebook entsprechend kommentiert wurde. Im Gespräch mit der OP bestätigt Kranich, auch viele unschöne Mails erhalten zu haben. Doch sieht er sich zu Unrecht angegriffen. Ein guter Freund, der im Gesundheitswesen tätig ist, hatte ihm schon sehr früh gesagt, dass mit dem Coronavirus etwas Schlimmes auf die Welt und damit auch auf uns hier im Landkreis zukommen werde. Er empfahl ihm zum Schutz seiner Mitarbeiter, Mundschutz-Masken zu bestellen, und das beim viertgrößten Hersteller in China, da könne er sich sicher sein, sehr hohe Qualität zu erhalten. Kranich entschied sich, den Rat anzunehmen und entwickelte schon frühzeitig ganzheitliche Strategien zum Schutze seiner Angestellten in den Märkten in Wetter und Marburg.

„Ich war national der erste Rewe-Marktleiter, der seine Kassiererinnen mit Plexiglas schützen ließ“, sagt er. „An der Kasse findet permanenter Kundenkontakt statt, gleichzeitig sollen wir gewährleisten, dass die Versorgung mit Lebensmitteln gesichert bleibt. Da muss ich doch meinen Mitarbeitern den bestmöglichen Schutz vor einer möglichen Ansteckung bieten“, so der Marktleiter. Die bestellten Masken ließen nun doch auf sich warten, die unglaublich gestiegene Nachfrage weltweit hatte zu Lieferengpässen geführt, zumal von China aus keine Containerschiffe mehr fuhren und der Handel sich auf Flugzeuge beschränkte. Eine Mitarbeiterin hatte dann in Eigenarbeit Mundschutzmasken genäht, die verteilt wurden. Zur Standardausrüstung gehören auch Einmalhandschuhe und eine Brille zum Schutz der Augen. Man fasse sich ja immer wieder unbewusst ins Gesicht. Die Brille verhindere, dass die Schleimhäute als Übertragungsweg dienen. Dann endlich kamen die Masken, die er über eine Firma in Deutschland bestellt hatte. Im Ganzen 8000 Stück. 1000 behielt er ein für seine Mitarbeiter, weitere 1000 spendete er. 6000 wollte er in den freien Verkauf schicken, wobei 59,99 Euro nicht übertrieben sei, wie sein Freund aus dem Gesundheitswesen der OP versichert. Kranich legt sogar die Rechnung vor, aus der hervorgeht, dass es im Ganzen nur einen zwölfprozentigen Aufschlag gegeben habe. Die schwierige Beschaffung des Materials und die erschwerte Logistik lassen die Preise generell in die Höhe gehen. Doch hier habe er seinen Kunden beste Qualität anbieten können für einen durchaus vernünftigen Preis. Die Leute, die ihm vorwarfen, schnelles Geld machen zu wollen, sollten sich lieber mal in Apotheken informieren, was gute Mundschutzmasken derzeit kosten, meint Kranich.

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Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka sagt, dass er „über eine offizielle Lieferschiene“ für seine Mitarbeiter Masken bestellt habe. Der Preis pro Maske: 6,50 Euro. „Da muss man schon überlegen und zur Kenntnis nehmen, dass die Nachfrage den Preis bestimmt“, sagt Spanka. Das könne man nicht in Ordnung finden. „Doch ich habe auch eine Verantwortung meinen Mitarbeitern gegenüber, die es zu schützen gilt“, so der Rathauschef.

Und was ist mit den Masken passiert, die aus dem Verkauf verschwanden? – Die sind verkauft, sagt Kranich. Da habe es schnell dankbare Abnehmer gegeben. Man müsse auch mal die Relationen zur Kenntnis nehmen. Er habe seine Mitarbeiter schützen wollen und seinen Kunden gute Ware verkaufen wollen. 1000 habe er wie gesagt gespendet. Eine Bereicherung auf Kosten des Allgemeinwohls kann er da nicht erkennen.

Generell stellen Rewe-Marktleiter ihr Sortiment auch selbst zusammen. So kann Kranich auch heimische Metzger ins Programm aufnehmen wie etwa die Metzgerei Wagner aus Wollmar. Auch der Verkauf der Mundschutzmasken sollte ein Service für die Kunden sein, der offensichtlich nicht bei allen als solcher erkannt wurde.

Von Götz Schaub

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