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Nordkreis 100. Todestag von Otto Ubbelohde
Landkreis Nordkreis 100. Todestag von Otto Ubbelohde
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11:00 08.05.2022
Idyllisch an der Lahn lebte der Künstler Otto Ubbelohde in Goßfelden.
Idyllisch an der Lahn lebte der Künstler Otto Ubbelohde in Goßfelden. Quelle: Foto: Ina Tannert
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Goßfelden

Am 8. Mai vor 100 Jahren starb der Marburger Künstler Otto Ubbelohde im Alter von 55 Jahren. Seit Jahren wird überall im Landkreis an den Künstler erinnert, der nach seinem Tod 1922 fast in Vergessenheit geraten ist. Es gibt den Otto-Ubbelohde-Preis des Landkreises, es gibt nach ihm benannte Schulen in Goßfelden und in Marburg, sein ehemaliges Wohn- und Atelierhaus in Goßfelden ist ein kleines, schmuckes Museum, in dem nicht nur Ausstellungen präsentiert, sondern vom Verein „Zwei Raben: Literatur in Oberhessen“ auch Autorenstipendiaten und -stipendiatinnen untergebracht werden.

Otto Ubbelohde wurde am 5. Januar 1867 in Marburg geboren. Er wuchs in einem Professorenhaushalt auf und studierte nach dem Abitur am Gymnasium Philippinum an der damals berühmten Münchner Kunstakademie Malerei. 1897 heiratete er seine Frau Hanna und baute in Goßfelden sein Wohn- und Atelierhaus, das er 1990 bezog.

Rund 1000 Gemälde und tausende Zeichnungen

Ubbelohde war ungemein kreativ: Rund 1 000 Gemälde und Gemäldeskizzen sind von ihm überliefert. Hinzu kommen tausende Zeichnungen, Illustrationen und sogenannte angewandte Arbeiten, etwa für Werbung. Berühmt wurde er vor allem durch seine Jugendstil-Illustrationen der Märchen- und Sagensammlungen der Brüder Grimm, die bis heute das Deutschlandbild etwa im fernen Japan prägen, wo die Brüder Grimm einen sehr hohen Stellenwert genießen.

In Oberhessen war er zu Lebzeiten sehr anerkannt: Zu seinem 50. Geburtstag im Jahr 1917 verlieh ihm die Philipps-Universität Marburg den Professorentitel und ernannte ihn am 6. Juli 1921 zum Ehrensenator. Am 24. Juli 1918 ernannte ihn die Philosophische Fakultät der Landesuniversität Gießen zum Ehrendoktor.

Nach Tod in Vergessenheit geraten

Der Ruhm allerdings verblasste schnell: Ubbelohde geriet nach seinem Tod weitgehend in Vergessenheit. Dazu bei trug sicherlich der Zweite Weltkrieg, aber auch sein Lebensmittelpunkt. Ubbelohde hatte zwar von 1884 bis 1890 an der damals berühmten Münchner Kunstakademie studiert, gut ein Jahrzehnt in München gelebt, hatte Kontakte geknüpft zu den Malerkolonien Worpswede, Dachau und vor allem Willingshausen, doch blieb er dem Kunstbetrieb in den Großstädten fern.

Die Wiederentdeckung Ubbelohdes in der öffentlichen Wahrnehmung ist eng verbunden mit der Gründung der Otto-Ubbelohde-Stiftung im Jahr 1991 und ganz besonders mit dem Namen des Kunsthistorikers und Kunstsammlers Ludwig Rinn, der seither Vorstandsvorsitzender der Ubbelohde-Stiftung ist. Seit mehr als 40 Jahren kämpft Rinn um das Vermächtnis des Malers und Zeichners. Die Stiftung sorgte dafür, dass das damals baufällige Ubbelohde-Haus saniert wurde. Sie rettete weite Teile von Ubbelohdes künstlerischem Nachlass, der peu à peu verkauft wurde. Nach Angaben Rinns sind rund 420 Gemälde und fast 3 000 Zeichnungen im Besitz der Stiftung.

„Er war ein Einzelgänger“

Rinn kennt den Künstler wohl wie kaum ein Zweiter. Was war Ubbelohde für ein Mensch? „Er war ein Einzelgänger“, sagt Rinn spontan. „Seine Frau Hanna nannte ihn einen Einspänner, ein Kutschenpferd, das kein anderes neben sich duldete. Er war sehr streng, ein eigenwilliger Charakter.“

Die Ubbelohde-Stiftung feierte den 150. Geburtstag des Künstlers 2017 mit drei großen Ausstellungen in Marburg, Gießen und Willingshausen. Auch in diesem Jahr war eine große Ubbelohde-Ausstellung im Kunstmuseum geplant, die aber auf Oktober 2023 verschoben werden musste, sagt Rinn.

Programm am Sonntag (8. Mai)

Am Sonntag, dem 100. Todestag des Malers und Grafikers Otto Ubbelohde, findet im Otto-Ubbelohde-Haus in Goßfelden um 11.30 Uhr die Finissage der Ausstellung „Jugendstil und Ubbelohde“ statt. Ludwig Rinn führt die Besucherinnen und Besucher in die Ausstellung ein. Die Ausstellung „ehrt Otto Ubbelohde als einen Maler, der das Marburger Land als seinen Lebensraum gestaltet hat“, so Ludwig Rinn.

Um 14 Uhr lädt Karl Heinz Görmar – in der Person des Künstlers – zu einer Führung auf dem von ihm konzipierten Rundweg auf Otto Ubbelohdes Spuren durch Goßfelden ein. Der Rundgang startet am Ateliereingang des Ubbelohde-Hauses. Die Führung auf dem 1,5 Kilometer langen Rundweg mit 16 Stationen wird eineinhalb bis zwei Stunden dauern, je nach Gruppengröße. Der Weg führt durch den alten Ort Goßfelden und zeigt Motive, die der Künstler in Bildern – auch Märchenzeichnungen – festgehalten hat und noch heute wiedererkannt werden können. Auch wird das Grab der Eheleute Hanna und Otto Ubbelohde besucht. Daneben werden zwei weitere ehemals in Goßfelden lebende Künstler vorgestellt und es wird auch kurz auf die interessante Geschichte Goßfeldens in der Deutschordenszeit und der Romantik eingegangen. Eine Anmeldung zu der Führung ist nicht erforderlich. Parkmöglichkeiten befinden sich bei der Otto Ubbelohde-Schule und vor der Lahnfelshalle.

Dieter Woischke lädt am Sonntag um 20 Uhr zu einem Filmvortrag unter dem Titel „Hessen Land – Märchen Land“ ins KFZ ein. Der Heimatkundler aus Wehrda hat gemeinsam mit seiner Frau versucht, 490 Märchen und Sagenmotive, die der Marburger Maler Otto Ubbelohde zur Illustration der gedruckten Sammlung der Brüder Grimm zeichnete, in Marburg und im ferneren Umland selbst zu entdecken. Er hat daraus einen Vortrag erstellt, in dem er Zuhörerinnern und Zuhörer durch Gegenüberstellung der Fotografie des Motivs und der jeweiligen Zeichnung des Malers auf eine spannende Reise durch das hessische Märchenland mitnimmt. Der Eintritt ist frei.

Von Uwe Badouin