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Nordkreis 444 Hektar für bedrohte Arten
Landkreis Nordkreis 444 Hektar für bedrohte Arten
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18:58 26.06.2021
Der Rundblättrige Sonnentau wächst auch im Burgwald, wo nun sechs Naturschutzgebiete erweitert wurden.
Der Rundblättrige Sonnentau wächst auch im Burgwald, wo nun sechs Naturschutzgebiete erweitert wurden.
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Burgwald

Wo gedeihen eigentlich das Sumpf-Veilchen und die Arktische Smaragdlibelle? Hier im heimischen Landkreis. Diese beiden Vertreter seltener Arten kommen etwa im „Christenberger Talgrund“ vor. Und dann gibt es da noch den „Langen Grund bei Schönstadt“, dort fühlen sich etwa die Geburtshelferkröte und der Rundblättrige Sonnentau heimisch.

Das sind nur zwei von mehreren Naturschutzgebieten in der Region, die häufig den letzten Rückzugsraum für zahllose, oft vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen darstellen. Und im Nordkreis rund um den Burgwald gibt es mehrere dieser besonders schutzwürdigen Bereiche – und die durften nun weiter wachsen.

Bestehende Naturschutzgebiete erweitert

Die Obere Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Gießen (RP) hat insgesamt sechs bestehende Naturschutzgebiete erweitert, die zuvor insgesamt rund 269 Hektar umfassten. Nun sind es knapp 444 Hektar geworden: Da wäre einmal der „Christenberger Talgrund“ nördlich von Mellnau (rund 116 Hektar), dann den „Langen Grund bei Schönstadt“ (50). Außerdem wachsen die Gebiete „Christenberg“ östlich von Münchhausen (25), ebenso die  „Franzosenwiesen/Rotes Wasser“ nordwestlich von Bracht (202) sowie die Fläche „Diebskeller/Landgrafenborn“ und „Nebeler Hintersprung“.

Die beiden letzten südöstlich von Roda sind durch die Erweiterung zum Naturschutzgebiet „Diebskeller und Nebeler Hintersprung“ (fast 50 Hektar) zusammengewachsen.

Eine Initiative

Insgesamt ein Plus von rund 175 Hektar, rund 65 Prozent. Die neuen Bereiche wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Forstamt Burgwald und der Aktionsgemeinschaft „Rettet den Burgwald“ ausgewählt. Die Ausweitung ist ein riesiger Erfolg für den Naturschutzverein, der sich seit Jahren für die Erweiterung der Gebiete einsetzt und auf dessen Initiative das Ganze zurückgeht.

Nun herrscht Feststimmung: „Das ist einfach großartig, wir sind total stolz – je mehr Schutz, desto besser“, sagt Dr. Anne Archinal, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft. Schon unter ihrem Vorgänger Helmut Jesberg, dann unter ihrer Leitung, setzte sich der Verein immer wieder „sehr hartnäckig“ beim RP für das Vorhaben ein, beauftragte in enger Abstimmung mit dem Forstamt die aufwendige Abgrenzung der neuen Gebiete und habe alles bei der Behörde eingereicht.

„Ein gutes Zeichen“

Fast rechneten die Naturschützer schon nicht mehr mit einer positiven Antwort, Naturschutzgebiete würden immer seltener ausgeweitet. Dann klappte es doch, zur Freude des Vereins: „Das ist ein gutes Zeichen, dass langsam ein Umdenken stattfindet – und es ist einfach angemessen für diese wichtige Landschaft“, betont Archinal.

Denn die Flächen bieten beste Bedingungen, Moore und feuchte Gebiete, ein Mix aus offenen Bereichen, Stillgewässern, Sumpf- und Bruchwäldern sind selten, dabei besonders wertvoll für Tier- und Pflanzenarten. Das war auch laut RP der Anlass für die Novellierung der Naturschutzgebiete: „Auch wenn Moore nur drei Prozent der Landesfläche bedecken, speichern diese ein Drittel der irdischen Kohlenstoffvorräte. Daher stellt die Sicherung und Renaturierung von Mooren einen wesentlichen Beitrag im Rahmen des Klimaschutzes dar“, sagt Verena Werle von der ONB.

Moore sind CO2-Speicher der Natur

Denn in Moorbereichen herrscht ein hoher Wasserstand und es mangelt an Sauerstoff – abgestorbene Pflanzenteile werden nicht richtig zersetzt und wandeln sich zu Torf. Das von den Pflanzen aufgenommene CO2 wird als Kohlenstoff im Torf eingelagert und gespeichert.

Die Pflanzenarten, die an diesen Stellen vorkommen, sind hoch spezialisiert, zum Beispiel Torfmoose, die wie ein Schwamm das 30-Fache ihres Trockengewichtes an Wasser aufnehmen können. So regulieren Moore den örtlichen Wasserhaushalt, indem sie bei starken Niederschlägen ungeheure Mengen an Wasser aufnehmen und danach langsam wieder an die Umgebung abgeben.

Zur Kühlung

Und die wird dadurch gekühlt, das Lokalklima profitiert: „Moorböden verdunsten zehn bis 15 Prozent mehr Wasser und tragen so vor allem im Sommer zur Kühlung der bodennahen Luftschichten bei“, ergänzt Eberhard Leicht, Leiter des Forstamts Burgwald.

Damit die seltenen wie wertvollen Lebensräume erhalten bleiben, werden sie von Forstamt und Behörde gepflegt, aber auch Burgwald-Besucher können ihren Beitrag leisten, indem die geltenden Regeln eingehalten, Wege nicht verlassen und Hunde angeleint werden. Was erlaubt ist und was nicht, das ist auf Schildern in den Bereichen nachzulesen.

Von Ina Tannert

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