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Nordkreis Bisher gibt es keine weiteren Zeugen
Landkreis Nordkreis Bisher gibt es keine weiteren Zeugen
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20:29 04.04.2019
Hier am Fuße der Forsthausstraße (rechts) soll am Mittwoch ein Unbekannter aus einem weißen VW-Bus heraus einen Zehnjährigen angesprochen haben. Quelle: Tobias Hirsch
Caldern

In Caldern gibt es derzeit kein wichtigeres Gesprächsthema als die beiden Meldungen, dass zwei Kinder davon erzählt haben, von einem Unbekannten aus einem Auto angesprochen worden zu sein.

Nach einem Vorfall am Samstagabend, 30. März, in der Rimbergstraße, als ein Elfjähriger angesprochen wurde, (die OP berichtete) erhielt die Polizei nun Kenntnis von einem Ereignis, das sich am Mittwochmorgen, 3. April, auf dem Schulweg im Kreuzungsbereich der Forsthausstraße zugetragen haben soll.

„Wie der Junge berichtete, sprach ihn der Fahrer eines weißen VW-Busses an und forderte ihn zum Mitkommen auf. Der Zehnjährige rannte anschließend zur nahegelegenen Bushaltestelle. Er bliebt körperlich unversehrt. Der Unbekannte fuhr derweil davon“, berichtet 
Polizeisprecher Martin Ahlich.

Bisher nur die Aussage des Jungen

In diesem Fall identifizierte der Junge das Fahrzeug als einen VW-Bus. Und er lieferte eine detailreiche Beschreibung des Mannes. Danach soll es sich um einen südländisch wirkenden Mann handeln, etwa 30 bis 35 Jahre alt mit einem schwarzen Vollbart. Bekleidet soll er mit einer weißen Jogginghose, weißen Turnschuhen der Marke Nike sowie einem schwarzen T-Shirt gewesen sein.

Bisher liegt der Polizei zum Fall am Mittwoch nur die Aussage des Jungen vor. Es fehlt komplett an Zeugen, die das Ereignis in welcher Form auch immer beobachtet oder irgendwie registriert haben. Vielleicht gibt es ja auch Mitbürger, die etwas mit der Personenbeschreibung anfangen können, natürlich auch in Verbindung mit einem weißen VW-Bus.

Ob nun Zeugen da sind oder nicht, die Polizei nimmt die beiden Fälle ernst und hat die offene wie auch verdeckte Präsenz in Caldern verstärkt und geht allen möglichen Ermittlungsansätzen intensiv nach.

Polizei bittet: „Fehlmeldungen“ vermeiden

Auch wenn die Besorgnis der Eltern verständlich ist, bitten die Ermittler aber auch darum, Nachrichten über diese beiden Ereignisse in Caldern in den sozialen Medien nicht einfach unreflektiert weiterzuleiten. Die „Informationsverbreitung“ beispielsweise über die sozialen Netzwerke ist häufig kontraproduktiv, weil sie mit Kommentaren und Zusätzen versehen werden, die weitere Leser nicht mehr von den tatsächlichen Ereignissen unterscheiden oder trennen können. So komme es zu einer Vielzahl von „Fehlmeldungen“, die die Ermittlungsarbeiten behindern und erschweren können.

So gelangte auch eine Mitteilung, die eigentlich nur als interne Information für die Elternbeiräte der Grundschule Wichtelhäuserschule Sterzhausen gedacht war, durch eine Unbedachtheit in die Öffentlichkeit und wurde dann geteilt und kommentiert. Die Verfasserin der internen Mitteilung, die Vorsitzende des Schulelternbeirats, bedauert es sehr, dass irgendjemand diese Mitteilung eins zu eins auf Facebook veröffentlichte. Auch über diverse Whatsapp-Gruppen wurde die Nachricht weiterverbreitet, fand Eingang in Vereinsgruppen und verbreitete sich so völlig unkontrolliert.

Situation für viele unerträglich

Das Resultat waren mitunter sehr unpassende Kommentare, die dann wieder an die Vorsitzende des Schulelternbeirats adressiert waren. „Ich habe dann das Handy einfach ausgemacht“, sagt sie im Gespräch mit der OP. Eigentlich sollten die Beiräte nur informiert sein, dass die Grundschüler für das Thema sensibilisiert werden sollten, als Prävention.

Im Dorfladen gab es zuletzt auch nur ein Thema, das Vorkommnis am Samstag. Dass es jetzt erneut zu einem Vorkommnis gekommen ist, ist für viele unerträglich, schon ein Schock. So etwas erwarte man einfach nicht „auf dem Lande“. Es schafft eine Situation, die nicht greifbar ist, aber verunsichert.

Viele Eltern gehen lieber auf Nummer sicher und begleiten ihre Kinder zu den Bushaltestellen und holen sie auch ab, erzählt eine Frau. Eine andere erhielt Textnachrichten auf ihr Handy von einer Freundin aus dem Ostkreis, die anfragte, was denn in Caldern los sei. „Das zieht schon weite Kreise“, sagt sie. Letztendlich hoffen alle, dass die Situation aufgelöst werden kann, so schnell wie möglich.

Tipps für Eltern

Die Polizei rät:
Namensschilder auf Rucksäcken und Schulranzen gehören in die Innenseite. Wird ein Kind mit seinem Namen angesprochen, suggeriert ihm dies eine nicht vorhandene Vertrautheit.
Eltern sollten sich an Absprachen mit ihrem Kind halten. Sie sollten mit ihrem Kind den Schulweg abgehen und klare, unmissverständliche Absprachen treffen, zum Beispiel, wer es im Auto mitnehmen darf, wer es von der Schule abholen darf. Absprachen müssen insbesondere den Fall berücksichtigen, dass Eltern durch unvorhersehbare Ereignisse auch mal verhindert sein können.
Eltern sollten sich nach Möglichkeiten erkundigen, ob ihr Kind zum Beispiel mit Nachbarkindern den Schulweg zusammen laufen kann, in der Gruppe sind und fühlen sich Kinder sicherer.
Eltern sollten Verhaltensregeln für den Schulweg und die Freizeit festlegen. Realitätsnahe Rollenspiele sollten aber auf jeden Fall vermieden werden, um Kinder nicht zu ängstigen.
Eltern können sich ein Spiel überlegen, in dem Informationen abgefragt werden, die wichtig für Polizei-Fahndungen sind, zum Beispiel Angaben zum Fahrzeug (Kennzeichen, Typ, Größe und Farbe), die Personenbeschreibung sowie Zeitpunkt und Ort des Geschehens.

Wenn ein Kind davon erzählt, von einem Unbekannten angesprochen worden zu sein, sollten Eltern Folgendes beachten: Loben Sie ihr Kind dafür, dass es sich Ihnen anvertraut hat. Stellen Sie in einem ruhigen Tonfall nur offene Fragen, also keine Suggestivfragen, über den Ablauf der Geschehnisse. Geben Sie dem Kind keine Details vor. Akzeptieren Sie es, wenn es nicht weitersprechen will. Überfordern Sie das Kind nicht mit „bohrenden“ Fragen nach Einzelheiten. Informieren Sie sofort die Polizei.     

  • Die Polizei bittet Mitbürger, denen irgendetwas Verdächtiges rund um die beiden Fälle aufgefallen ist, sich mit der Marburger Kriminalpolizei in Verbindung zu setzen unter Telefon 06421/4060.

von Götz Schaub