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Landkreis Mit der OP unter knuddeligen Rehen
Landkreis Mit der OP unter knuddeligen Rehen
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09:01 02.08.2013
Tiere ohne trennenden Zaun zu bestaunen, macht weitaus mehr Spaß. Die Tiere im Frankenberger Wildpark sind an Menschen gewöhnt und scheinen auch gerne mal als kleine Stars vor der Kamera zu posieren. Rechts oben ist Wildparkleiter Erich Reitz zu sehen. Quelle: Ina Tannert
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Frankenberg

Das fordernde Meckern der Ziegen und neugierige Blöken der Schafe war schon von Weitem zu hören. Bei strahlendem Sonnenschein versammelten sich am Mittwoch 15 Jungen und Mädchen im Wildpark Frankenberg um sich die zahlreichen Tiere anzuschauen. Es war die siebte Station der Gewinnaktion „OP erfüllt Kindern Wünsche“. Bei angenehmen Temperaturen ging es hinauf auf die sanften, grasbewachsenen Hügel des Geländes. Ein wenig steil war der Weg schon, da kam das milde Klima den Kindern gerade recht.

Gemütlich spazierte die Gruppe bergauf, bergab an zahlreichen Wiesen, kleinen Wäldern und Gehegen entlang. Viele Zäune gab es nicht, ganz zur Freude der Kinder. Sie konnten direkten Kontakt mit den freundlichen Bewohnern aufnehmen. An jeder Ecke gab es Neues zu sehen und weitere Tiere zu bestaunen. Kaum durchs nächste Gatter spaziert, kamen schon die ersten kleinen Ziegen angesprungen, forderten meckernd die Aufmerksamkeit der Kinder und liefen leichtfüßig ein Stück mit, während die Gruppe den nächsten Hügel erklomm. „Und die Ziegen müssen jeden Tag diesen Berg hoch?“, kam prompt die Frage der Kinder an Wildparkleiter Erich Reitz.

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Ziegen sind hervorragende Bergwanderer, erklärte dieser lachend. Gemeinsam mit Kollege Karl-Heinz Seibel vom Förderverein des Wildparks, begleitete er die Gruppe durch das Gelände, erklärte die verschiedenen Tierarten und verteilte großzügig Futtermais. Gleich nebenan streunte eine Gruppe gefleckter Damhirsche vorbei. Oben angekommen konnten die Kinder die herrliche Aussicht ins Tal genießen. Hier und da entdeckten sie per Fernglas auch weitere, schüchterne Bewohner des Parks, die sich noch nicht näher heran trauten.

Wildschweine bekommen Nachwuchs

Die Wildschweine wollten an diesem Tag lieber ihre Ruhe und versteckten sich im Unterholz. Nur der große Keiler kam vorbei und schaute sich an, was da vor seinem Revier los war. Das brachte ihm natürlich einige Leckereien ein. Seine Bachen suhlen sich bestimmt gerade in einer Schlammpfütze, vermutete der Parkleiter. Tags drauf machte er aber dann eine überraschende Entdeckung und informierte darüber auch gleich die OP. „Wir haben neue Frischlinge!“ - Da hatten die Schweine wohl einen guten Grund, dem Futter einmal fernzubleiben.

„Von welchem Tier stammt dieses Fell?“, fragte Paul Kraft (7 Jahre) aus Reimershausen neugierig. Er hatte auf dem Weg ein dickes Fellbüschel gefunden. Zusammen mit den anderen Kindern rätselte er von wem das wohl stammte. Im Park sind neben zahlreichen Bergziegen verschiedene Vertreter von Schwarz-, Rot-, Dam-, Sika- und Muffelwild zu finden. Das ist Mufflonfell, klärten die Parkführer schließlich auf. „Bööh“ hallte es auch schon vom Nachbarhügel hinab. Die Mufflons, eine Wildschafart mit markanten, gedrehten Hörnern, wollten auch etwas von den großzügig verteilten Leckerbissen abbekommen. Die Kinder mussten immer wieder ihre Futter-Vorräte auffüllen und hatten einen Riesenspaß dabei, die großen Tiere zu versorgen. Trotz der ganzen Aufregung, verhielten sie sich bei den noch etwas schüchternen Jungtieren besonders ruhig. Minutenlang verharrten sie bei den erst wenige Wochen alten Zicklein und Kitzen, bis diese sich schließlich doch noch trauten und den Kindern aus der Hand fraßen.

Besondere Ruhe war bei der großen Fütterung des über 20-köpfigen Hirschrudels gefordert. Diese großen, eleganten Tiere sind besonders scheu und schätzen Lärm oder Hektik überhaupt nicht. Nach langen Versuchen der Parkhüter die Tiere anzulocken, ließen diese sich doch noch überreden und kamen zum großen Futtertrog. Direkt darüber bestaunten die Kinder vom Balkon aus den Einzug der Paarhufer, angeführt vom stolzen Platzhirsch.

Nachdem die großen Geweihträger genüsslich fraßen, schmuggelte sich eine Gruppe flinker Ziegen in die Menge und klaute ein paar Futterstücke. „Schaut, da kommt der Kindergarten“, lachte Johanna Schmidt (8 Jahre) aus Ebsdorf als die kleine Herde an die Tröge rannte. Es gibt wirklich einen wilden Kindergarten im Park, erfuhren die Kinder.

Der Nachwuchs der Hirsche wird immer sorgsam von einem der weiblichen Alttiere betreut, während die Mütter und Tanten beim Fressen sind. Die Familie der Hirsche umfasst übrigens rund 45 verschiedene Arten wie Rot- und Damhirsch, Reh oder Elch. Besonders auffällig sind die markanten, aus Kalkverbindungen bestehenden, Geweihe der Männchen, die jedes Jahr abgeworfen und neu gebildet werden, erzählten die Parkhüter. Sie sind Teil des Imponierverhaltens der männlichen Tiere während der Paarungszeit, der Brunft, und dienen als Werkzeug im Kampf gegen Konkurrenten. Im Gegensatz zu den aus Kalkverbindung bestehenden Geweihe, tragen Ziegen und Schafe einen Kopfschmuck aus Horn. Dieser wird nicht abgestoßen und wächst ein Leben lang mit. Im Wildpark konnten die Kinder auch die elegant bis lustig gedrehten Hörner der Tiere bestaunen.

„Die Hirsche gefallen mir am besten, die sind so schön groß“, staunte Niklas Müller (5 Jahre). „Ich mag am liebsten die kleinen Rehe“, fand dagegen die 9-jährige Lorna. Und auch die kleinen, besonders zutraulichen Ziegen hatten es den Kindern angetan. Diese wurden auch nach dem Ende der Tour noch mal ausgiebig gestreichelt und zum Abschied noch mal mit Mais und Brot versorgt.

von Ina Tannert