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Landratswahl 2019 Was sehen Sie auf diesem Bild?
Landkreis Landratswahl 2019 Was sehen Sie auf diesem Bild?
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10:42 06.09.2019
Was sehen Sie auf diesem Bild. OP-Reihe zur Landratswahl am 8. September. Die Kandidaten beschreiben ein Foto und verraten ihre Gedanken zum Motiv. Quelle: Tobias Hirsch

Uwe Pöppler (51), CDU

Ein regnerisches Bild, das den Sportplatz in Wetter von der Perspektivenwahl des Fotografen trübe und leer erscheinen lässt. Aber nach zwei sehr trockenen Sommern können wir alle froh sein, dass es mal regnet. Wir brauchen noch mehr davon, da unsere Natur, besonders die Wälder, unter der Trockenheit leiden.

Es sollte niemanden mehr geben, der behauptet, dass es keinen Klimawandel gibt. Für mich bedeutet es, dass wir die Energiewende zu einer nachhaltigen Energieerzeugung gestalten müssen.

Dabei müssen wir auf Zielkonflikte achten, da z.B. Biogasanlagen durch den Maisanbau nicht unproblematisch sind und Windenergieanlagen in den Wäldern zu immer mehr Widerstand in der Bevölkerung führen. Holzhackschnitzel mit einer hervorragenden Brennkesseltechnik kann in einem waldreichen Landkreis wie Marburg-Biedenkopf eine sinnvolle Alternative sein.

Weiterhin sehe ich auf dem Bild des Sportplatzes auch den Schul- und Vereinssport, der durch den Landkreis angeboten und gefördert werden muss.

Schulsportstätten müssen saniert werden und wie Schwimmbäder in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen – ein wichtiger Bestandteil für die Bildung und Entwicklung unserer Kinder. Vereinsstätten sind ein wichtiges Kulturgut, das den Zusammenhalt auch und gerade in den Dörfern schafft.

Bei künftigen Bauten sollte auch mehr darauf geachtet werden, dass wir auf nachwachsende Rohstoffe achten. Beton ist, nach meinem Geschmack, zum einen nicht wirklich schön und zum anderen sind Sand und Kies inzwischen schon zu seltenen Rohstoffen geworfen.

Thomas Riedel (54), FDP

Ich sehe eine Sportanlage, unbenutzt und im Regen. Dadurch wirkt dieses Bild etwas trostlos und blass.

Um das Ganze mit etwas Leben zu füllen, kann man unterschiedliche Gedankenspiele beginnen.

Erstens: Es ist leicht, sich vorzustellen, was auf diesem Platz los sein wird, wenn ein lokales und ein gegnerisches Fußballteam auflaufen und dann zudem auch noch entsprechendes Fanklientel auf den Rängen steht. Es wird vermutlich dann hoch hergehen – egal bei welchem Wetter.

Man kann erwarten, dass von Fans und Mannschaften dann – hoffentlich – Fair Play großgeschrieben wird, damit das Spiel für alle Altersklassen auch zum Vorbild gereicht. Menschen kommen zusammen und nehmen das Spiel zum Anlass, Gleichgesinnte zu treffen und sich auszutauschen.

Sollten statt Fußball z.B. Bundesjugendspiele stattfinden, ist es auch gut gefüllt, aber alle Kinder und Jugendlichen sind dann „gefordert“, nicht nur ein paar wenige Akteure. In meiner Schulzeit haben mir die Bundesjugendspiele immer gefallen und ich habe mich darauf im Sommer gefreut. Gleiches weiß ich von meinen Töchtern. Sollten die Bundesjugendspiele abgeschafft werden, was zumindest gerüchteweise einige Eltern gefordert haben, gefällt mir das gar nicht. Auch hier ist Fair Play gefordert, wie im Wahlkampf.

Zweitens: Man kann sich über den Stand, Ausstattung und Zustand der Sportstädten, in Verbindung mit Schulen, etc. im Kreis auslassen. Das würde dann auch Digitalisierungskonzepte und verwandte Themen betreffen. Allerdings reichen dazu nicht die von der OP vorgegebenen 1 600 Zeichen . . .

Hans-Werner Seitz (58), Bündnis 90 / Die Grünen

„Das ist der Sportplatz oben an der Wollenbergschule in Wetter, die im Hintergrund sichtbar ist. Die „ansprechende Architektur“ verrät uns, dass vor Jahren mit viel Beton gebaut wurde, der heute mühsam mit viel Geld saniert werden muss. Das ist die Aufgabe des Kreises, der für alle staatlichen Schulen zuständig ist. Nur Marburg muss sich um seine Schulen kümmern.

Anhand einer Bestandsaufnahme muss für alle Schulen und die dazugehörenden Sporthallen ein Sanierungsplan erstellt werden. Dessen Umsetzung macht die Vorgaben für die Mittel im Kreishaushalt und bietet den Schulen eine Perspektive, wann sie mit Sanierungen und Modernisierungen rechnen können. Im Gegensatz zur Universitätsstadt Marburg würde ich bei einer solchen Planung genügend Spielraum für flexible Reaktionen auf Unvorhergesehenes einplanen, ohne dass andere Vorhaben deshalb ausgesetzt werden müssen. Und wenn wir von Modernisieren und Sanieren sprechen sollte klar sein, dass das auch immer mit einer bedeutenden Verbesserung der Energiebilanz einher gehen muss.

Wenn ich den Sportplatz sehe, muss ich auch an die vielen, vielen Stunden denken, die ich als Spieler auf Sportplätzen und später als Vater und Trainer am Spielfeldrand und in Sporthallen verbracht habe, an den klassischen Trainersonnenbrand beim ersten Spiel nach der Osterzeit und an lange, laute und aufreibende Stunden bei der Kreishallenmeisterschaft. An dieser Stelle möchte ich allen Ehrenamtlichen und engagierten Eltern meine Hochachtung aussprechen. Ohne ihren Einsatz würde es keinen Jugendsport geben – nicht für Mädchen, nicht für Jungen.“

Kirsten Fründt (52), SPD

Ein vielschichtiges Motiv! Ich sehe einen Sportplatz, der zu einer der kreiseigenen Schulen gehört, in die wir kontinuierlich hohe Summen für energetische Sanierung, Verbesserung des Lernumfeldes aber auch in die wichtige Digitalisierung investieren. Der Sportplatz wird im Schulsport genutzt, vor allem aber auch unseren Sportvereinen zur Verfügung gestellt. Somit schaffen wir auch die Voraussetzung für deren so wichtige ehrenamtliche Arbeit, die wir nicht nur im Rahmen der allgemeinen Sportförderung und der Umsetzung von Landesprogrammen bei der Förderung der Infrastruktur unterstützen, sondern auch über den Fachdienst Ehrenamtsförderung, in dem wir hier vielfältige Beratungs- und Austauschangebote anbieten. Und Vereine trainieren in unseren Sportstätten kostenlos.

Vereinssport ohne Ehrenamt funktioniert nicht.

Dasselbe gilt für unsere gesamte Gesellschaft. Deshalb habe ich direkt zu Beginn meiner Amtszeit die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Ehrenamtlichen im Landkreis besser unterstützt werden. Auch diejenigen, die sich außerhalb der Vereine engagieren, zum Beispiel durch die Ehrenamtspauschale oder die Ehrenamts-Dialoge und -Konferenzen. Die Sportvereine sind aber auch Partner im Bereich der Gesundheitsprävention, die in einer zunehmend älteren aber auch bewegungsärmeren Gesellschaft immer wichtiger wird. Deshalb erarbeiten wir gerade mit dem Land Hessen ein neues Modellprojekt, in dem es um die Verbindung von Sport und Prävention geht. Wie wir uns mit dem Gesundheitsamt und vielen anderen Partnern in der Gesundheitsprävention insgesamt sehr engagieren.

Anna Hofmann (37), Die Linke

Unsere vielfältige Vereinskultur im Landkreis braucht Räume und Sportplätze zur Entfaltung und sollte, ebenso wie soziale Träger, mehr gefördert werden.

Dazu muss man auch die Infrastruktur gut erhalten und in energetisch optimierte Hallen / Sportrasen und Sportausstattung investieren. Viele Dorfgemeinschaftshäuser werden verkauft, sind marode oder im Winter nicht beheizt.

Mehr und mehr Ortskerne haben keine Läden oder allgemeine Treffpunkte mehr. Hier ist der Landkreis gefordert, Kommunen zu helfen und ein Programm zur Ortskernbelebung einzurichten und ein flächendeckendes Sanierungsprogramm der Schulsportanlagen einzuleiten. Gerade Hallen und Schulgebäude sollten von anderen Vereinen noch stärker genutzt werden. Daneben muss es mehr inklusive Sport und Freizeitangebote geben.

Es sollte selbstverständlich sein, Menschen mit Behinderungen am kulturellen Leben teilhaben zu lassen und interkulturelle Vereinsstrukturen und Musikgruppen zu fördern. Für Menschen mit wenig Einkommen muss es bezahlbare Sportvereine und kulturelle Veranstaltungen geben. Das Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder sieht nur 15 Euro für kulturelle Veranstaltungen für Kinder im Hartz-IV-Bezug.

Das finanziert weder den Verein noch die Ausstattung. Ein Kreissozialticket sollte es ermöglichen, Schwimmbäder, VHS-Kurse, Musikveranstaltungen und Sportvereine gegen 1 Euro zu besuchen.

Ebenso sollte man mit Gemeinden und Städten über bezahlbare Schwimmbadpreise für Familien und Jugendliche diskutieren und dies eventuell von Landkreisseite fördern.