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Landratswahl 2019 Kopfmensch mit Herz für Schwächere
Landkreis Landratswahl 2019 Kopfmensch mit Herz für Schwächere
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06:59 22.08.2019
Anna Hofmann mit dem Mops-Mischling ihrer Schwester: „Meine Familie freut sich, dass ich mich wieder zur Wahl stelle“, sagt sie. Quelle: Dominic Heitz
Marburg

Die Landrats-Kandidatin der Linken ist schon lange im Geschäft. Mit 20 zog sie in den Kreistag ein, zu Zeiten, als der Kreis finanziell arg gebeutelt war.

Derzeit gibt es am Lichtenholz mehr Geld. Die Themen sind aber im Großen und Ganzen die gleichen geblieben.

„Damals haben wir schon auf das Problem der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum hingewiesen und vorgeschlagen, medizinische Zentren zu installieren“, erinnert sich Hofmann.

Ausgelacht worden seien sie und ihre Parteifreunde dafür. „Wir hätten wohl das Modell der DDR-Polikliniken vor Augen, hielt man uns damals entgegen.“ Eine gute Idee aus Kreisen der Linken? Für viele offenbar undenkbar.

Aufgewachsen wie 
in einem Kinderbuch

Anna Hofmann ist in Warzenbach großgeworden, als Tochter eines Gartenbau-Ingenieurs und einer Sozialpädagogin. Ihre­ Kindheit in dem Dorf beschreibt sie als abenteuerlich im Astrid-Lindgren-Sinne: immer draußen, mit Freunden, in der Natur.

Heute lebt sie in Marburg. Sie arbeitet als Geschäftsführerin der Fraktion „Die Linke“ in der Verbandsversammlung des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen. An Wochenende verdient sie sich als Museumsführerin in Frankfurt etwas dazu.

Warzenbach, Marburg und anderswo: Hofmann kennt die verschiedenen Seiten des Lebens im Landkreis. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sie mit ihrer politischen Agenda stets den Ausgleich sucht, zwischen Stärkeren und Schwächeren, Reicheren und Ärmeren, Stadt und Land.

Genauso wenig verwunderlich ist es, dass sie sich als politisches Betätigungsfeld den Kreistag ausgesucht hat, gehört die gleichmäßige Versorgung und der Ausgleich der Lebensverhältnisse doch zu den originären Aufgaben der Behörde, die vom Kreistag kontrolliert wird.

Hofmann hat die Lahntalschule in Biedenkopf besucht und dort ihr Abitur gebaut. In der Schule macht sie auch die ersten Schritte in Richtung politisches Engagement: Klassensprecherin, Schülervertretung und Kreisschülerrat – sie will mitreden bei den Themen, die ihr wichtig sind. „Ich möchte gesellschaftlich etwas bewegen“, sagt sie. Das sei es auch, was ihr an der Politik Spaß macht.

Ausdauer hat sie auch. Der Ärztemangel steht nach wie vor auf ihrem Zettel. Die Ahnung von vor über 15 Jahren hat sich mittlerweile vielerorts in Gewissheit verwandelt. In den Gemeinden abseits der Ballungszentren fehlt es häufig an medizinischem Nachwuchs. Hier müsse der Kreis unter die Arme greifen, sagt Hofmann, etwa mit kommunalen Gesundheitszentren.

„Ich mache das nicht für mich“

Ein anderes Thema ihres Wahlkampfes ist bezahlbarer Wohnraum. Hofmanns Idee gegen steigende Mieten: Der Landkreis könnte mit einer eigenen Wohnbaugesellschaft an den Markt gehen und günstigen Wohnraum schaffen.

„Ich mache das nicht für mich“, sagt die Diplom-Politologin über ihre Kandidatur – wohlwissend, dass ihre Chancen auf einen Wahlsieg gering sind. Hofmann geht es vor allem um die Themen entlang der sozialen Frage, welche die Linke gerne besetzen.

Diese Themen ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rufen und auf Schieflagen aufmerksam zu machen, wo sie welche sieht, ist ein wichtiges Motiv dafür, dass sich Anna Hofmann nun zum zweiten Mal zur Wahl stellt. 2013 hatte sie bei der Landratswahl 2,8 Prozent der abgegebenen Stimmen bekommen.

Kurzporträt

Mehr über Anna Hofmann lesen Sie hier.

Dass der kleine Kreisverband sie im Wahlkampf unterstützt, durfte sie sicher erwarten. Hofmann revanchiert sich auf ihre­ Art und hilft beim Kleben der Wahlplakate fleißig mit. „Klimarettung vor Profite“ steht zum Beispiel auf einem.

Beim Thema Umweltschutz könne der Landkreis zwar nur begrenzt Einfluss nehmen, sagt Hofmann. Aber mit Solaranlagen könnten die Kreis-Liegenschaften ihren Strom selbst produzieren.

Und neue Gebäude solle der Landkreis nur noch als Niedrigenergie-Häuser bauen lassen. Die Behörde könnte so nicht nur Energie sparen, sondern zugleich Vorbild sein.

Zurückhaltend aber selbstbewusst

Zum Klima-Thema passt ein anderer Wahlspruch, mit dem die Linke-Kandidatin „Mehr Busse und Bahnen“ fordert. Beim öffentlichen Personennahverkehr kommen gleich mehrere Faktoren zusammen: Weniger Individualverkehr entlastet die Umwelt. Zugleich würden viele­ Menschen auf dem Land von ­einem attraktiven Nahverkehrsangebot profitieren, so Hofmanns Kalkül.

Im Gespräch über Politik kann die 37-Jährige oft eine passende Zahl nennen, die ihre Thesen stützen soll und zugleich ihr Fachwissen offenbart. Zwar eher eine zurückhaltende Natur weiß sich die Politikerin so auch in Szene zu setzen.

Und dass es ihr nicht an Selbstbewusstsein mangelt, hatte sie in ihrer Bewerbungsrede bei einer Kreisverbandssitzung der Linken unter Beweis gestellt, als sie mit Blick auf ihre Jahre im Kreistag feststellte: „Ich habe mehr Erfahrung in der Kreispolitik als die amtierende Landrätin.“

von Dominic Heitz