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Landratswahl 2019 Landrat: Der Kreis wählt seine Spitze
Landkreis Landratswahl 2019 Landrat: Der Kreis wählt seine Spitze
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11:50 07.09.2019
So sehen die Stimmzettel zur Landratswahl aus. Quelle: Landkreis
Marburg

Die Hälfte gewinnt. Kann ein Kandidat am Wahltag mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen auf sich vereinen, so kann er ab Anfang Februar 2020 auf dem Chef-Sessel im Landratsamt Platz nehmen. Als wahrscheinlicher gilt aber, dass es zu einer Stichwahl am 22. September kommt. Dann würden die beiden Kandidaten nochmals gegeneinander antreten, die im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten ­haben.

Für Kirsten Fründt (SPD), Uwe Pöppler (CDU), Hans-Werner Seitz (Bündnis 90/Die Grünen), Anna Hofmann (Die Linke) und Thomas Riedel (FDP) dürften es quälend lange Stunden werden, bis am Sonntag die ersten Bezirke ausgezählt sind und erste Ergebnisse bekannt werden.

Bürgerentscheid in Wetter

Im Kreishaus rechnet man schon recht bald nach dem Schließen der Wahllokale um 18 Uhr mit ersten Zahlen. Denn es gibt keine weiteren Wahlen, die in den 315 Wahlbezirken des Kreises abgewickelt werden müssten. Lediglich die Stadt Wetter zählt noch die Stimmen des Bürgerentscheides zur Straßenbeleuchtung aus – laut Wahlleiter Matthias Petri aber erst nach den Stimmzetteln der Landratswahl.

Wie viele Bürger überhaupt ­eine Stimme bei der Direktwahl abgeben dürfen, weiß man im Kreishaus noch nicht. Die Städte und Gemeinden übermitteln diese Informationen erst nach Auszählung der Stimmen. Genauso wenig kann das Kreisamt Auskunft darüber geben, wie viele Männer und Frauen schon die Briefwahl genutzt haben. Auch diese Werte gibt es erst am Sonntagabend.

Der Landkreis ist politisch umkämpft

Unabhängig davon, wie viele­ Menschen ihr Kreuz auf dem Stimmzettel machen dürfen, ist eine spannende Wahl wahrscheinlich. Der Landkreis Marburg-Biedenkopf gilt traditionell als politisch umkämpft. Vor der Sozialdemokratin Fründt hatte mit Robert Fischbach ein Christdemokrat das Amt inne.

Vor dem Hintergrund des Streits um den Wahltermin wird am Sonntag besonders interessant sein, wie viele Wahlberechtigte einen Stimmzettel ausfüllen. Um eine möglichst große Beteiligung zu erzielen, hatten die Fraktionen abseits der Kreis-Groko eine Zusammenlegung mit der Europawahl gefordert.

Riedel: "Das empfinde ich als Ausgrenzung"

Dass es nun einen eigenen Termin gibt, der mitten in den Semesterferien liegt, dürfte sich vor allem zu Lasten der kleineren Parteien auswirken. So mancher Student hat in Marburg seinen Erstwohnsitz gemeldet und ist daher wahlberechtigt. Unter den Studierenden rechnen sich Grüne, Linke und FDP größere Stimmanteile aus, als außerhalb des universitären Wirkbereiches.­ Von diesen potenziellen Wählern dürften derzeit aber viele im Urlaub weilen.

Am Freitag sorgte eine Einlassung des FDP-Kandidaten Thomas Riedel noch einmal für Aufregung. Er kritisierte einen Beitrag des Hessischen Rundfunks (hr) über die Wahl im Landkreis, weil hier – entgegen vorheriger Absprache – nicht alle Kandidaten gleichermaßen im O-Ton zitiert wurden, sondern nur Landrätin Kirsten Fründt (SPD), CDU-Mann Uwe Pöppler und der Grüne Hans-Werner Seitz. „Das empfinde ich als Ausgrenzung und Wählerbeeinflussung“, sagt Riedel auf OP-Anfrage.

Wahlparty und Liveticker

FDP und Linke würden durch so etwas – zumal kurz vor dem Wahltag – „absichtlich marginalisiert“, den Bürgern „unausgesprochen nahegelegt, dass eine Stimme für kleine Parteien oder deren Kandidaten nicht lohnt. Das finde ich bevormundend und undemokratisch.“

Der hr wies die Vorwürfe des FDP-Kandidaten zurück. Der Autor des Beitrags habe vor dem Dreh mit allen Kandidaten Kontakt aufgenommen und ihnen geschildert, dass in einem Fernsehbeitrag mit einer Gesamtlänge von dreieinhalb Minuten nicht alle fünf Kandidaten im gleichen Umfang vorkommen können, erklärte Pressereferent Marco Möller auf OP-Anfrage.

Vor der Ausstrahlung des Films habe der Autor Riedel und Anna Hofmann  (Linke) erklärt, dass sie im Film nur mit ihren Positionen zitiert werden. Auf hessenschau.de seien alle Kandidaten noch einmal im gleichen Umfang vorgestellt.

  • Ab 18 Uhr veranstaltet die OP am Sonntag im Plenarsaal des Kreishauses eine öffentliche Wahlparty. Dort werden einlaufende Ergebnisse präsentiert, die die OP live in einem Ticker auf op-marburg.de bündelt.

von Dominic Heitz, Björn Wisker und Till Conrad