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Landratswahl 2019 Antworten auf große Fragen gesucht
Landkreis Landratswahl 2019 Antworten auf große Fragen gesucht
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22:21 28.08.2019
Till Conrad (rechts, stellvertretender Chefredakteur) und Götz Schaub (links, Redakteur) fühlten den Landrats-Kandidaten auf den Zahn. Quelle: Tobias Hirsch
Goßfelden

Eigentlich war es viel zu warm. Dann bohrten Moderatoren und Publikum auch noch mit Fragen. Aber Kirsten Fründt (SPD), Uwe Pöppler (CDU), Thomas Riedel (FDP), Anna Hofmann (Die Linke) und Hans-Werner Seitz (Bündnis 90/Die Grünen) zeigten, dass sie sich nicht so schnell aus dem Konzept bringen lassen.

Etwa 300 Zuhörer waren nach Goßfelden gekommen, um sich anzuhören, wie die fünf sich die kommende Amtszeit an der Spitze des Kreishauses vorstellen. Für ihre Antworten auf die Fragen der Moderatoren hatten sie jeweils eine Minute Zeit. Angesichts der komplexen Themen, die aufs Tapet gebracht wurden, eine sportliche Herausforderung.

Was kann der Kreis
für die Umwelt tun?

Der Klimaschutz ist derzeit in aller Munde und auch der kommende Verwaltungschef am Lichtenholz kommt nicht umhin, sich darüber Gedanken zu machen, welchen Beitrag der Kreis zum Umwelt- und Klimaschutz leisten kann. Uwe Pöppler, Hans-Werner Seitz und Anna Hofmann waren sich darin einig, dass das Kreisamt in dieser Sache mit gutem Beispiel voran gehen sollte.

Eine klimaneutrale Verwaltung bis 2030 schwebt Seitz vor, Pöppler möchte die kreiseigenen Gebäude energetisch sanieren und für die Energieerzeugung den Wald stärker nutzen. Anna Hofmann würde auf Solarenergie setzen, auf den Dächern der Kreisliegenschaften könnten solche Anlagen installiert werden, so ihre Idee.

Thomas Riedel hingegen setzt für die Zukunft auf einen Energie-Mix. „Wir sollten die Energieträger nutzen, die zur Verfügung stehen“, sagte er – also auch Kraftwerke. Allein auf die Windkraft zu setzen, hält er für falsch, denn Windkraft mache vor allem den Investor reich.
Auch Amtsträgerin Kirsten Fründt hält die energetische Sanierung der Gebäude für angezeigt. Zudem könne der Kreis beim eigenen Fuhrpark stärker auf Elektromobilität setzen.

Schließlich diskutierten die Bewerber auch die Rolle der Landwirtschaft bei diesem Thema. Rund vierzig Prozent des Landes im Kreis wird landwirtschaftlich genutzt. Fründt zeigte sich überzeugt, dass die Landwirtschaft im Kreis gut funktioniere – nicht zuletzt, weil hiesige Landwirte verantwortungsbewusst agierten.

Anna Hofmann hingegen konstatierte, dass die Landwirtschaft im Kreis seit 20 Jahren auf dem Rückzug sei. Vor allem jenen Landwirten, die am stärksten unter dem Klimawandel zu leiden haben, möchte Hans-Werner Seitz unter die Arme greifen, sofern er die Wahl gewinnt. Uwe Pöppler appellierte indes an die Verbraucher, regionale Erzeugnisse zu kaufen und Thomas Riedel möchte Innovationen in der Landwirtschaft fördern.

Schicksalsfrage
 ärztliche Versorgung

Beim zweiten Themenblock des Abends schnitten die Moderatoren ein Thema an, dass für viele Menschen gerade in den ländlichen Regionen von größter Wichtigkeit ist: Wie kann der Landkreis die ärztliche Versorgung in der Zukunft gewährleisten – oder zumindest im Sinne der Bürger positiv beeinflussen?

Uwe Pöppler kritisierte den Landkreis bei diesem Thema scharf: „Da ist in den vergangenen Jahren zu wenig passiert“, sagte er. Mit finanziellen Anreizen wie beispielsweise Stipendien möchte er Ärzte in die Regionen im Kreis locken, denen ein Versorgungsproblem droht.
Gibt es doch, erwiderte Kirsten Fründt, aber die Ärzte wollten trotzdem nicht. Thomas Riedel machte deutlich, dass die Anreize der Kassenärztlichen Vereinigung nicht ausreichen, um einen Medizinstudenten zu einem Landarzt zu machen. „Die Sozialbehörden müssen sich bewegen“, sagte er.

Anna Hofmann hingegen setzt auf Medizinische Versorgungszentren. Zudem müssen die Infrastruktur für die Familien der Mediziner positiv gestaltet werden, also beispielsweise die Kinderbetreuung. Hans-Werner Seitz will bei diesem Thema „passgenaue Lösungen“, jeweils an den örtlichen Gegebenheiten orientiert. Um die Versorgung sicherzustellen, müssen der Landkreis auch finanziell in Vorleistung gehen, so Seitz.