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Landratswahl 2019 Fazit: Inklusion kostet Geld
Landkreis Landratswahl 2019 Fazit: Inklusion kostet Geld
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09:58 05.09.2019
Die Wahlarena der Lebenshilfe mit den Landratskandidaten in der Stadthalle: Sie stellten sich den Fragen der Arbeitsgemeinschaft „Wir sprechen mit“. Quelle: Katja Peters
Marburg

In einem waren sich die fünf Kandidaten für die Landratswahl bei der Wahlarena der Lebenshilfe einig: Inklusion dauert lange und kostet Geld.

Genau diese Worte fielen meistens, wenn sie in ihrer Argumentation nicht mehr weiter wussten. Die Arbeitsgemeinschaft „Wir sprechen mit“ des Lebenshilfewerkes hatte sich im Vorfeld spezifische Fragen überlegt.

Fragen zu den Themen Barrierefreiheit, Wohnen, Inklusion im Allgemeinen und die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes im Landkreis.

Fründt: Kreishausanbau wird barrierefrei

So erklärte die amtierende Landrätin Kirsten Fründt (SPD), dass es sehr schwierig sei, einen rollstuhlgerechten Fahrstuhl ins Landratsamt bauen zu lassen. Der jetzige ist für Rollstuhlfahrer nicht nutzbar.

Und auch sei es schwierig, einen neuen, besser zugänglichen Ort für die Behinderten-Toilette zu finden. Das Haus müsste während der Bauarbeiten komplett gesperrt werden. Der geplante neue Anbau wäre aber barrierefrei, versprach sie noch.

„Spätestens bei der Toilette sind Menschen mit Behinderung Menschen zweiter Klasse“, stellte dann auch Grünen-Kandidat Hans-Werner Seitz fest. „Es wird lieber ein neuer Sitzungssaal gebaut, als ein Behinderten-WC.“

Behinderung oder Entwicklungsstörung

Aufgeteilt in zwei Abschnitte kamen im zweiten Teil auch die Zuschauer der Wahlarena zu Wort. Sie hatten ihre Fragen entweder aufgeschrieben oder stellten sie direkt an die Kandidaten. Das Thema Schul- und Teilhabe-Assistenz scheint bei betroffenen Eltern und Angehörigen scheinbar wichtig zu sein.

Es wurde die Bewilligungspraxis kritisiert, ebenso wie die Laufzeit. Die wurde vom CDU-Kandidaten Uwe Pöppler, derzeit Leiter des Jugendamtes des Landkreises, verteidigt. Schließlich müsse herausgefunden, „ob es sich wirklich um eine Behinderung handelt, oder um eine Entwicklungsstörung“. Bei letzterer würden auch einfach Erziehungshilfe helfen.

Gute Rhetorik bei krassen Problemen

Anna Hofmann von der Partei Die Linken kritisierte ebenfalls die Laufzeit. „Wenn ein Kind in kurzer Zeit Fortschritte macht, dann werden die Hilfen sofort gekürzt.“ Der Kandidat der FDP, Thomas Riedel, berichtete in diesem Zusammenhang von verwehrten Therapien für Kinder mit einer Autismus-Spektrum-Störung. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das vom Landkreis so gehandhabt wird. Wenn ja, dann muss sich das ändern.“

Das Resümee einer Zuschauerin: „Ich bin überrascht wie diplomatisch hier krasse Probleme mit guter Rhetorik überspielt werden.“

von Katja Peters