Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Landratswahl 2019 Darum scheiterte Uwe Pöppler
Landkreis Landratswahl 2019 Darum scheiterte Uwe Pöppler
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:45 09.09.2019
Kirsten Fründt (rechts) strahlt, ihr schärfster Konkurrent Uwe Pöppler (CDU) ist sichtbar enttäuscht. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Vor sechs Jahren traten zur Landratswahl sieben Kandidaten an, doch vereinigten zwei von ihnen zusammen gerade mal 1,5 Prozent der Wähler auf sich, sodass man durchaus interessante Vergleiche zwischen den anderen fünf und den aktuellen fünf ziehen kann. Zumal zwei der jetzigen Kandidaten damals auch dabei waren. Landrätin Kirsten Fründt (SPD) erzielte damals als „Newcomerin“ 34 Prozent. 23.277 Wähler waren das. Dieses Mal vereinigte sie mehr als 36.000 Wählerinnen und Wähler hinter sich. Und Anna Hofmann (Die Linke) kam bei der ersten Wahl im September 2013 auf 2,8 Prozent. Das waren im insgesamt 1.904 Unterstützer. Jetzt wählten sie mehr als 3.500 Menschen.

Kirsten Fründt muss also noch nicht einmal in eine Stichwahl, sie hat es im ersten Wahlgang erledigt. Das kam für die einen etwas überraschend, glaubten sie doch fest daran, dass CDU-Kandidat Uwe Pöppler in seinem Sinne zu mobilisieren wusste, für andere war es eigentlich klar, dass das passieren würde.

Die Landrätin selbst mag es gehofft haben, war dann aber auch sehr glücklich, dass die Früchte ihrer Arbeit mit diesem Ergebnis honoriert wurden. Sie hatte ihren ärgsten Herausforderer weit, sehr weit hinter sich gelassen. Am Wahlabend ist es immer schwer, ein Ergebnis zu analysieren. War es jetzt allein Fründts zurückliegende Arbeit oder beging Pöppler schwerwiegende Fehler im Wahlkampf, die selbst CDU-Wähler abschreckten?

Die Landtagswahl, bei der im heimischen Landkreis beide CDU-Direktkandidaten die Mandate gegen die SPD-Bewerber holten, zeigt ganz deutlich, dass hier nicht das CDU-Potential abgerufen wurde. Pöppler wollte am Wahlabend nicht ins Detail gehen, doch war ihm anzusehen, dass er enttäuscht war. Letztendlich stellte er sich am Sonntagabend als eine „Option“ dar, damit die Menschen eine Wahl haben.

Das sagte Pöppler zwar auch immer im Wahlkampf, dass es ihm wichtig ist, dass die Menschen aus mehreren Angeboten wählen können, aber er garnierte seinen Kandidatur schon mit einem Slogan, der den Wechsel an der Kreisspitze einforderte. „Zeit zum Handeln.“ Unter der Hand hörte man, dass er mit seiner immer forscher werdenden Art verschiedenen eigenen Flanken vor den Kopf gestoßen hatte. Insbesondere wollten es einige Christdemokraten nicht hinnehmen, dass ihre Koalition im Kreis mit der SPD nur wenig Greifbares hervorgebracht habe. Dafür lief es für sie in den vergangenen Jahren einfach viel zu gut.

So oder so, nicht nur Pöppler muss sein Ergebnis analysieren, auch die CDU muss sich hinsetzen und schauen, ob es hier nur zu Kratzern oder tatsächlich zu inneren Rissen gekommen ist. Ganz anders die SPD, die endlich mal eine Wahl feiern konnte. Hier wurde eine Kandidatin unterstützt, die offensichtlich nach einer umstrittenen Japan-Reise am Anfang ihrer Amtszeit, dann alles oder jedenfalls so viel richtig gemacht hat, dass sie leicht viele Sozialdemokraten und sicher auch Andere hinter sich bringen konnte. Der eine oder andere Christdemokrat nahm die Wahl als Personenwahl wahr und wählte tatsächlich „rot“. Na ja, damit aber auch ein kleines bisschen „schwarz“, denn hinter Kirsten Fründt steht in Marian Zachow ein Erster Beigeordneter, der im Falle einer Pöppler-Wahl definitiv dieses Amt verloren hätte, denn beide Ämter hätte die CDU niemals durchbekommen. Fründt und Zachow, vor sechs Jahren noch Gegner im Wahlkampf, haben sich als Team zusammengefunden, arbeiten nach eigenen Aussagen hervorragend zusammen. Warum also nicht weiter so?

Was ist mit den anderen? Anna Hofmann dürfte einen tollen Abend gehabt haben. Sie hat ihr Ergebnis als Kandidatin der Linke verdoppelt. So sieht sie sich darin gestärkt, weiter soziale Themen in den Kreistag zu tragen und setzt darauf, von der Landrätin mehr gehört zu werden. Hans-Werner Seitz von Bündnis 90 / Die Grünen wird sicher keine schlaflose Nacht verbracht haben.

Er wusste, dass es für ihn insbesondere in der Fläche, also außerhalb Marburgs, schwer werden würde. Aber er stellte sich der Sache, um grüne Inhalte im Wahlkampf vertreten zu wissen. Bleibt noch Thomas Riedel von der FDP. Er hielt sich am Wahlabend äußerst bedeckt. Er mag den fünften Platz belegen, doch muss das noch lange nicht seinen politischen Rückzug bedeuten. Im Gegenteil, es könnte ein Auftakt sein für andere Aufgaben. Wie Seitz musste sich auch Riedel erst einmal bekannt machen. Er wird einiges gelernt haben in diesem Wahlkampf, das ihm bei neuerlichen Herausforderungen helfen wird.

Zu guter Letzt: Die Ortsvorsteher wird es sicherlich freuen, in 14 Tagen keinen Wahlvorstand mehr zusammentrommeln zu müssen. Trotzdem, die Wahlbeteiligung von nur 33,7 Prozent ist alarmierend. Die vielen Nichtwähler sollten mal ihr Verhalten überdenken und das Wahlrecht schätzen lernen.

von Götz Schaub