Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Landkreis Jeder Vierte im Kreis hat einen Pieks
Landkreis Jeder Vierte im Kreis hat einen Pieks
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:00 04.05.2021
Das Marburger Impfzentrum befindet sich auf dem Messegelände.
Das Marburger Impfzentrum befindet sich auf dem Messegelände. Quelle: Nadine Weigel
Anzeige
Marburg

Die Zahl der Impfungen im Impfzentrum Marburg steigt und steigt. Ab 10. Mai sollen es 1 600 am Tag sein. Dann werden dort auch die Feuerwehrkameradinnen und -kameraden sowie sonstige ehrenamtliche Hilfskräfte, die im Katastrophenschutz eingesetzt werden, geimpft. „Theoretisch wären wir in der Lage, 2000 Menschen pro Tag zu impfen, wenn genügend Impfstoff zur Verfügung stände“, sagt Landrätin Kirsten Fründt. Sie äußert sich zuversichtlich, dass es stetig vorwärts geht. Die Mobilen Teams, die in Alten- und Pflegeheimen unterwegs waren, haben ihre Arbeit abgeschlossen, alle, die wollten, sind nun zweimal geimpft worden. Jetzt stehen die Erstaufnahmeeinrichtungen im Fokus.

50 000 Menschen im Landkreis sind bereits geimpft, 16 300 haben auch ihre zweite Impfung erhalten. Dazu, so die Landrätin, käme noch eine Summe „x“, nämlich diejenigen, die sich bei ihrer Hausärztin beziehungsweise bei ihrem Hausarzt haben spritzen lassen. „Der Umfang ist schwer einzuschätzen“, sagt Fründt. Das Impfzentrum bleibe aber mit 220 Mitarbeitern die „tragende Säule“, was die Masse angehe. „Wir wollen aber auf keinen Fall, dass der Eindruck entsteht, dass wir in einem Wettstreit mit den Arztpraxen stehen. Das ist nicht der Fall und wird es auch nie sein“, sagt die Landrätin entschieden. Es sei nur zu begrüßen, dass niedergelassene Ärzte nun auch direkt in ihrer Praxis mithelfen können. Im Impfzentrum können eben aufgrund der eingerichteten Impfstraßen sehr viele Menschen ihren Corona-Schutz erhalten. Weiterhin wird dort an sieben Tagen in der Woche von 7 bis 22 Uhr im Zweischichtsystem gearbeitet.

Dr. Birgit Wollenberg, Leiterin des Kreisgesundheitsamtes Marburg-Biedenkopf, berichtet darüber, dass nun auch sehr viel Zeit investiert werde, Menschen, die in Gemeinschaftsunterkünften leben, davon zu überzeugen, sich impfen zu lassen. „Das Impfteam mit Arzt hat auch immer einen Dolmetscher dabei. Da muss man gut vorbereitet sein und auch dranbleiben, um die Menschen, die zum Teil große Ängste haben, wirklich zu erreichen“, sagt Wollenberg. Das einzige „Arbeitsfeld“ was mitunter unnötig Zeit verbrennt, ist das Aufsuchen von Menschen, die sich aufgrund mangelnder Mobilität zu Hause impfen lassen müssen. „Da sind wir aktuell bei knapp tausend Personen. Allerdings kann es da schon mal vorkommen, dass jemand schon von seinem Hausarzt aufgesucht wurde“, sagt Kreisbrandinspektor Lars Schäfer. Da wünsche er sich mehr Austausch, mehr Transparenz. Aber besser so, als dass jemand einfach durchs Raster falle. Wollenberg erinnert in diesem Zusammenhang auch daran, dass zu pflegende und zu betreuende Personen bis zu zwei Menschen benennen können, die dann zum besseren Schutz auch gleich mit geimpft werden können. Dies muss aber schriftlich erklärt werden, um mögliche Trittbrettfahrer ausschließen zu können. Das Feedback, das die Kreisspitze aus dem Impfzentrum erreiche, sei sehr positiv. Die Menschen, die sich dort impfen lassen, fühlen sich sehr gut beraten, betreut und behandelt. Stephan Schienbein, Sprecher des Landkreises sagt, dass man sich so gut es ging auf die Aufgaben vorbereitet hatte. Seit dem Start im Februar habe man viel Erfahrung sammeln können und die Abläufe im Sinne der zu Impfenden angepasst und optimiert. Der Höchstwert der täglichen Impfungen liege derzeit bei 1 174. „Mittlerweile sind die Abläufe so gut aufeinander abgestimmt, dass uns auch die Zahl 1 600 keine Schweißperlen mehr auf der Stirn verursachen wird“, meint Schäfer. Maxime ist, dass der zur Verfügung stehende Impfstoff auch immer verbraucht wird, es keine Reste gibt. Auch im Kreisgesundheitsamt laufe die durch Corona verursachte zusätzliche Arbeit gut, sagt Wollenberg. Gerade die Nachverfolgung von Kontaktpersonen bei neuen Corona-Fällen funktioniere sehr gut.

 

Wo gearbeitet wird, gibt es auch mal Pannen. So musste man auch im Impfzentrum ein paar Mal feststellen, dass Personen nicht zu ihren vorgesehenen Terminen gekommen waren. Die Termine werden aber nicht dort und auch nicht vom Landkreis vergeben, sondern ausschließlich vom Land. Im Nachgang konnte man auch Erklärungen für das eine oder andere Ausbleiben finden. Tatsächlich waren es keine Astrazenica-Verweigerer. Die Fehlenden wussten schlicht gar nichts von ihrem Termin. Eine Frau aus dem Landkreis erzählte dieser Zeitung ihre Geschichte. Sie hatte sich im Februar beim Land Hessen angemeldet und dann nichts mehr gehört. Über eine Freundin erfuhr sie, dass eine Frau einen Termin habe verstreichen lassen, von dem diese aber gar nichts wusste. Ein Anruf bestätigte ihr, dass auch sie einen Termin im April hatte, von dem sie nichts wusste. Sie rief beim Land an und durfte sofort für den nächsten Tag einen neuen machen. Falls es also im Kreis noch Menschen gibt, die eigentlich schon längst dran gewesen sein müssten, sollten diese einfach noch mal bei der Anmeldestelle nachfragen, empfiehlt sie.

Von Götz Schaub