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Hinterland Ende im Gladenbacher Sportplatzstreit
Landkreis Hinterland Ende im Gladenbacher Sportplatzstreit
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13:05 12.12.2020
In Gladenbach ist der lange Streit um die Finanzierung von Sportstätten beendet.
In Gladenbach ist der lange Streit um die Finanzierung von Sportstätten beendet. Quelle: Fredrik von Erichsen/dpa/Themenfoto
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Gladenbach

Nach erneut langwieriger Diskussion beschlossen die Gladenbacher Stadtverordneten am Donnerstagabend, 10. Dezember, in namentlicher Abstimmung den Aufrechnungsstreit mit den Gladenbacher Vereinen SC und TV zu beenden.

Mit 20 Ja- bei drei Neinstimmen und zwei Enthaltungen votierte die Stadtverordnetenversammlung dafür, den Vereinen rund 76.000 Euro an zugesagten Bauhofleistungen mit insgesamt rund 56.000 Euro an gewährten Vorschüssen zu verrechnen.

Im Gegenzug hatten sich die Vereine bereit erklärt einen Sponsorenlauf zu organisieren, dessen Einnahmen den Kindertagesstätten der Stadt zugutekommen.

Wie das Ergebnis zeigt, waren die Stadtverordneten – nur 25 der 37 waren anwesend – größtenteils der Meinung, dass so zu verfahren sei, um den seit Jahren schwelenden Konflikt endlich zu beenden.

Bastian: „Wir machen ein Fass auf“

Überraschenderweise enthielt sich der Vorsitzende der Freien Wähler bei der Abstimmung. Dabei hatte Helmut Brück in der Sitzung des Jugend- und Sportausschusses am heftigsten gegen diese Lösung gewettert. Carsten Brück kündigte zuvor die Enthaltung an, weil man „nicht weiter in der achtjährigen Geschichte recherchieren will“. Man werde künftig darauf achten, dass alle Vereine gleich behandelt werden, deutete er einen entsprechenden Antrag an.

Auf die Ungleichbehandlung spielte an diesem Abend Sozialdemokrat Rainer Bastian mit „wir machen ein Fass auf“ an. Dessen Vorsitzender Robby Jahnke sprach von „vielen offenen Fragen“ und von einem verpassten „Maulkorb“, weil die Vereine die Fragen beantwortet hätten, wenn man sie nur ließe. Doch mit ihrem Antrag seien CDU und Grüne „vorgeprescht“. Hans-Bernhard Schwarz kündigte sein Nein an, weil er sich nicht ausreichend informiert fühlt, fragte zum Beispiel, wer die Bauhofleistungen genehmigt habe. Markus Wege kündigte dagegen seine Zustimmung an, „weil es unser Antrag ist“.

Grüne weisen auf schriftliche Zusagen hin

In die Diskussion schaltete sich der parteilose Bürgermeister Peter Kremer ein, verwies darauf, dass diese mit dem ursprünglichen Antrag wenig zu tun habe. Dieser sei eine Kopie der Verwaltungsvorlage, zu der die Idee im Ältestenrat von Jahnke und Wege kam. Kremer verwies auch darauf, dass die Stadt ohne die Mitwirkung der Vereine um einen großen Betrieb ärmer wäre und bat um Zustimmung.

Edmund Zimmermann von den Grünen erwiderte Schwarz’ Meinung mit: „Wir haben einen Packen Papier mit detaillierten Informationen zu dem gesamten Ablauf der Bauarbeiten bekommen.“ Wenn diese nicht weitergegeben wurden, liege das an den Teilnehmern. Den zwei Vereinen wurden schriftliche Zusagen gemacht, „daran müssen wir uns halten", fügte der Grünen-Fraktionschef an.

Christdemokrat Stefan Runzheimer ergänzte: „Hätten wir den Antrag nicht gestellt, wäre das Thema nicht auf die Tagesordnung gekommen.“ Die Angelegenheit hätte somit in diesem Jahr nicht mehr zum Abschluss gebracht werden können. Und zu denen, die an einer lückenlosen rechtlichen Aufarbeitung interessiert sein mögen, sagte Versammlungsvorsitzender Roland Petri von der SPD: „Jede Fraktion hat das Recht, eine Akteneinsicht zu dem Vorgang zu beantragen.“

Sportstättenbau

Für die Bauprojekte an der Biedenkopfer Straße genehmigte die Stadt den Sportvereinen GSC und TV vor acht Jahren Zuschüsse und jeweils einen Vorschuss von zusammen 56.000 Euro. Das Geld benötigten der Sportclub und der Turnverein aber, um einen Kunstrasenplatz zu bauen und die Leichtathletikanlage zu modernisieren. In den Finanzierungsplänen, die erforderlich waren, um Zuschüsse vom Land zu erhalten, fehlten aber insgesamt 76.000 Euro. Im Gegenwert dieser Summe sagte die Stadt den Einsatz von Bauhofmitarbeitern schriftlich zu.

Vor drei Jahren beantragten die Vereine anstelle von Rückzahlungen, die Summen mit den nicht erbrachten Leistungen des Bauhofs zu verrechnen. Eine Entscheidung darüber fällten die Stadtverordneten nicht, verlängerten lediglich die Frist für die Rückzahlung der Vorschüsse bis zum Ende dieses Jahres. Im September fanden Vertreter der Fraktionen und der Vereine einen Kompromiss: Die Sportler richten nach der Corona-Pandemie einen Sponsorenlauf aus und lassen die Einnahmen daraus den Kindergärten der Stadt zukommen. Danach wären alle gegenseitigen Ansprüche abgegolten. Diesem Kompromiss stimmten die Stadtverordneten zu.

Von Gianfranco Fain

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