Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Zumindest kleine Lichtblicke geplant
Landkreis Hinterland Zumindest kleine Lichtblicke geplant
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:56 22.05.2020
2018 gab es bei den Schlossfestspielen „Die Hatzfeldt“ zu sehen. Die Bühne im Schlosshof bleibt in diesem Sommer leer. Quelle: Nadine Weigel
Anzeige
Biedenkopf

Die Schlossfestspiele sind abgesagt. Viele andere Kulturveranstaltungen im Sommer auch. Wie die Corona-Lage im Herbst aussieht, weiß derzeit kein Mensch.

Doch im Biedenkopfer Veranstaltungskalender gibt es für Oktober und November zwei Termine: eine Lesung und ein Live-Theater. Kulturreferent Steffen Keiner erzählt vom Versuch, Kultur in Corona-Zeiten möglich zu machen.

Anzeige

Der Biedenkopfer Veranstaltungskalender ist überschaubar. Doch am 18. Oktober soll Autor Dietrich Faber im Rathaus lesen. Und das Hörtheaterstück „Old Shatterhand unter Kojoten“ des hr2-Radio-Live-Theaters, das ursprünglich im August als Teil der Schlossfestspiele stattfinden sollte, ist nun für den 14. November im Bürgerhaus terminiert.

Vielen Kulturinteressierten dürften diese Termine in Corona-Zeiten wie Lichtblicke erscheinen: ein kleines bisschen Hoffnung auf ein bisschen Normalität. Im nächsten Moment drängen sich indes Fragen auf: Davon, dass die Corona-Pandemie bis zum Herbst vorbei ist, kann man heute kaum ausgehen – wie will die Stadt da Veranstaltungen vor Publikum organisieren?

Planung mit drei Szenarien

Biedenkopfs Kulturreferent Steffen Keiner hat dazu einen Plan: „Wir gehen von drei Szenarien aus“, erklärt Keiner. Ein Szenario: Die Corona-Lage im Herbst ist ähnlich wie heute. Ein zweites Szenario: Die Lage wird bis dahin schwieriger. Das dritte: Die Lage entspannt sich noch weiter. „Dafür erarbeiten wir Möglichkeiten“, sagt Keiner.

Im schlimmsten Fall müssten die Veranstaltungen im Herbst erneut verschoben werden, räumt der Kulturreferent ein. Doch sucht er Möglichkeiten für die günstigeren Situationen. So will er beim Ticketverkauf für „Old Shatterhand“ abklären, welche Zuschauer in einem Hausstand leben. Wenn ein Kunde beispielsweise vier Karten bei der Tourist-Info kauft, könnte direkt abgefragt werden, ob diese vier Personen nach Corona-Regeln zusammensitzen dürfen oder Abstand halten müssen.

Biedenkopfs Kulturreferent Steffen Keiner will trotz Corona einige Angebote auf den Weg bringen. Archivfoto: Susan Abbe

Das Ergebnis des Ticketverkaufs wäre demnach ein aufwendiger Sitzplan, nach dem dann die Bestuhlung im Bürgerhaus erfolgen könnte.

Gestartet hat die Stadt den Kartenvorverkauf für das hr2-Radio-Live-Theater und für die Dietrich-Faber-Lesung aber noch nicht. Der soll erst sechs Wochen vor dem jeweiligen Termin losgehen. Dann lasse sich die Lage eher abschätzen, erklärt Keiner.

Etwa 40 Tickets für das hr2-Live-Theater sind aber schon verkauft. Grund ist, dass das „Old Shatterhand“-Hörspiel ursprünglich im Programm der Schlossfestspiele für August geplant war. Und dafür war der Vorverkauf schon vor Corona angelaufen. Diese 40 Tickets bleiben gültig, sagt Keiner. Wenn die Stadt organisatorisch so weit ist, könnten die Inhaber die Karten gegen neue Tickets für die November-Aufführung umtauschen oder zurückgeben.

Auch für nur 50 Leute lohnt es sich

Bleibt die Frage, ob dieser große Aufwand für einzelne Kulturveranstaltungen lohnt. Keiner sagt: Ja. „Wenn um die 50 Leute unter den jetzigen Bedingungen ins Bürgerhaus könnten, würde ich die Aufführung gerne machen.“

Möglicherweise könne die Aufführung sogar aufgenommen und übertragen werden, um die doch einem größeren Publikum zugänglich zu machen. „Das ist bisher aber nur ein Gedankenspiel“, sagt Keiner. Ob das rechtlich machbar ist, müsse geprüft werden. Einen Versuch sei es wert.

„Wir wollen nicht negativ nach vorn schauen. Wir wollen nicht alles bis Januar absagen“, erklärt Keiner, „die Leute brauchen eine positive Perspektive.“ Viele Menschen empfänden die jetzige Situation als „so bedrückend“. Deshalb sei es wichtig, zu signalisieren: „Es wird einen Neustart des kulturellen Lebens geben.“

Gespräche mit mehreren Institutionen

Dasselbe Ziel verfolgt laut Keiner auch der Verein Bid-Kultur, mit dem der Kulturreferent gerade gemeinsam Ideen für weitere Projekte, die trotz Corona möglich sein könnten, entwickelt. Unter dem Arbeitstitel „Lichtblicke“ gibt es Überlegungen, wie Kultur im öffentlichen Raum sichtbar und hörbar gemacht werden könnte.

„Vielleicht könnte man Fotos, Gemälde oder Gedichte auf Banner und Plakate bringen“, sagt Keiner. Darüber hinaus überlegt er zusammen mit dem Bid-Kultur-Vorstand, ein Bühnenprojekt mit Tanz und Theater im öffentlichen Raum zu ermöglichen. Arbeitstitel ist hier „Feuerwerk der Kunst und Kultur“. Die Stadt könne die Logistik übernehmen. Denn unter Beachtung aller Corona-Regeln sei das für Vereine allein sehr schwierig.

„Wir versuchen, alles möglich zu machen “

Nicht zuletzt möchte Keiner gern etwas für Kinder und Familien anbieten. Gespräche laufen dazu mit der Marburger Kunstwerkstatt. „Wir sammeln Ideen, versuchen das in Bahnen zu lenken, um dann über die Umsetzung an einem Tag X zu reden“, erklärt Keiner. Die große Schwierigkeit bleibe die Unberechenbarkeit der Corona-Lage.

„Was wir heute besprechen, kann morgen schon wieder hinfällig sein“, sagt dazu auch Wolfgang Müller, städtischer Fachdienstleiter Freizeit, Erholung und Kultur.

Das damit verbundene Risiko, viel Arbeit in die Vorbereitung von Veranstaltungen zu stecken, die am Ende vielleicht nicht stattfinden können, geht Steffen Keiner ein. „Unsere Aufgabe ist es nicht, nur Bedenken zu tragen“, sagt der Kulturreferent, „wir versuchen, alles möglich zu machen und zumindest kleine Lichtblicke zu geben.“

Von Susan Abbe

Anzeige