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Hinterland Zufallsfund hilft bei Mordaufklärung
Landkreis Hinterland Zufallsfund hilft bei Mordaufklärung
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22:21 12.12.2019
Im September 2018 wurde in einer großangelegten Suchaktion im Waldstück an der Zollbuche nach den sterblichen Überresten des vor 20 Jahren ermordeten Mahmut Caner gesucht.  Quelle: Gianfranco Fain
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Gladenbach

Es waren die umfangreichsten Ermittlungen der mittelhessischen Polizei, die letztlich zum Ziel hatten, einen 20 Jahre zurückliegenden Mordfall aufzuklären. Knochenteile, die dem aus Bicken (Lahn-Dill-Kreis) stammenden Mahmut Caner zugeordnet werden konnten, wurden 2017 per Zufall in einem Waldstück an der Zollbuche gefunden.

Am Donnerstag gaben die Ermittler bekannt: Der mutmaßliche Täter ist identifiziert, das Opfer wurde erschossen. Die Staatsanwaltschaft Wetzlar erließ Haftbefehl gegen einen in der Türkei lebenden 55-Jährigen.

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Der Tatverdächtige soll Caner vor seinem Verschwinden am 3. Mai 1999 erpresst haben. Das teilte der stellvertretende Leiter der Sonderkommission, Oberkommissar Patrick Pfeiffer, gegenüber der OP mit. Überführt hat den mutmaßlichen Täter eine Tonbandaufnahme aus dem Jahr 1998, die der Getötete vermutlich zum eigenen Schutz aufgenommen hatte. Das alte Beweismaterial musste aufwendig ausgewertet werden. „Das Ergebnis war aufschlussreich“, sagte Pfeiffer.

Opfer nahe eines Parkplatzes abgelegt

Die Sonderkommission hatten im Umfeld des Getöteten ermittelt und zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung erhalten. Zuvor fand im September 2018 eine großangelegte Suchaktion an der Zollbuche bei Gladenbach statt. Fünf Tage lang suchten Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes und des Technischen Hilfswerks sowie Tatortspezialisten nach weiteren Knochen – auch mit Hilfe eines Archaeo-Dogs, ein Hund, der speziell für das Aufspüren von im Boden liegenden menschlichen Knochen ausgebildet ist.

Um das Gebiet einzugrenzen, seien auch Wissenschaftler der Uni Leipzig involviert gewesen. Mit deren Hilfe sollte geklärt werden, wie weit Wildtiere Körperteile verschleppen können, um den Suchradius zu beschränken. Die Universität Darmstadt hatte ein Georadar zur Verfügung gestellt, um die Bodenbeschaffenheit zu durchleuchten.

Die Ermittler erhofften sich davon einen Hinweis auf ein Grab. Doch wie nun feststeht, soll der Getötete nur wenige Meter von dem Parkplatz der Zollbuche entfernt abgelegt worden sein, sagt Pfeiffer. Hinweise auf ein Grab ergaben sich nicht. Gefunden wurden lediglich zwei Knochen, ein Oberschenkel- und ein Oberarmknochen, sowie ein Knochenfragment.

Die DNA der Fundstücke passen zu der von Caner. Als Caner damals verschwand, gingen die Ermittler davon aus, dass sich der 36-Jährige ins Ausland abgesetzt hat. Die Ermittlungen wurden vorläufig eingestellt.

Tatverdächtiger lebt in der Türkei

Hinweise für ein Verbrechen gab es nicht. Erst 2017 brachte der Zufall den Stein wieder ins Rollen. Ein Forstarbeiter fand die zwei Knochen bei der Zollbuche. Die DNA-Analyse stellte sicher, dass es sich um die sterblichen Überreste des Vermissten handelten.

Im September 2018 durchkämmten Einsatzkräfte ein 25 000 Quadratmeter großes Areal in dem Waldstück beim Parkplatz an der Zollbuche, Bäume, die nach dem Verschwinden Caners gepflanzt wurden, wurden gerodet, die Suche nach der Nadel im Heuhaufen begann. Am Ende der Ermittlungen steht nun ein Haftbefehl gegen einen 55-Jährigen, der in der Türkei lebt.

Dass der Tatverdächtige ausgeliefert wird, ist laut Pfeiffer unwahrscheinlich, da es kein Auslieferungsabkommen gibt. Wenn der Tatverdächtige allerdings ins benachbarte Ausland reist, dann könnte er dort verhaftet werden. Oder es könnte ihm eventuell auch in der Türkei der Prozess gemacht werden, sagte Pfeiffer.

von Silke Pfeifer-Sternke