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Hinterland Zu zweit unterwegs zu neuen Zielen
Landkreis Hinterland Zu zweit unterwegs zu neuen Zielen
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10:55 30.01.2021
Yana Gercke und Sascha Christ kennen sich schon lange aus der Band „Oh, Alaska“. Nun sind sie das Duo „SAY“.
Yana Gercke und Sascha Christ kennen sich schon lange aus der Band „Oh, Alaska“. Nun sind sie das Duo „SAY“. Quelle: privat
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Marburg

Mit gleich zwei herausfordernden Situationen hatten Yana Gercke und Sascha Christ in den vergangenen Monaten zu tun. Und aus beiden haben sie das Beste gemacht.

Mit dem Trio „Oh, Alaska“ haben die Sängerin und der Schlagzeuger sich in den vergangenen Jahren ihren Platz unter den beliebtesten Live-Musikern im Kreis erobert. Mit dabei: Gitarrist Dominik Reh.

Als Mitglied der Band „Marspol“ ist er in und um seine Heimatstadt Gießen aktiv. Sascha hat als Drummer von „Sinew“ auch überregional von sich reden gemacht und das Ensemble der Biedenkopfer Schlossfestspiele unterstützt.

Und Yana kennen die meisten als Kandidatin von Stefan Raabs Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2012 und Sängerin der regionalen Coverband „Silent Seven“. Gemeinsam spielen die drei akustische Versionen von Hits und Klassikern – unter anderem im Fernsehen, als Yana ihre Schwester, „Germany’s Next Topmodel 2006“ Lena Gercke, in einer Talentshow überraschte.

Für ihr Medizinstudium zog die heute 28-jährige Biedenkopferin nach München. Dominik konzentrierte sich auf „Marspol“ und sein neues Projekt „Two Coloured Man“. „Oh, Alaska“ trat nur noch vereinzelt auf.

Aus München nach Marburg gezogen

Dann kam 2020 die erste große Herausforderung auf die Musiker zu – wie auf den Rest der Welt. Corona legte das Leben lahm, nicht nur in kultureller Hinsicht. Kurz vor dem ersten Lockdown hatte sich Sascha – der auch Gitarre und Bass spielt – ein Klavier gekauft, um sich an etwas anderem zu versuchen als an Rhythmen.

„Ich kam mit dieser ersten Auszeit eigentlich ganz gut zurecht“, erinnert er sich. „Ich hab im Homeoffice gearbeitet und in der Freizeit viel Musik gemacht.“ Ohnehin wollte er schon lange etwas Eigenes auf die Beine stellen – zu mehr als einigen Jam-Sessions kam es allerdings nie.

Das änderte sich, als Yana im September nach Marburg zurückkehrte. „Es war immer klar, dass ich irgendwann wieder in meine Heimat ziehe“, sagt sie. „Nach acht Jahren in München fiel uns das aber sehr schwer.“

Da ihr Lebensgefährte sein Studium online absolvieren kann und sie inzwischen noch an ihrer Doktorarbeit sitzt, sei der Zeitpunkt ideal gewesen. Außerdem könne sich Yanas Familie so um den vierjährigen Sohn kümmern, wenn dessen Eltern beschäftigt sind.

„SAY“ soll sich ganz anders anhören

Und dann ist da noch die Musik: Yana und Sascha zogen parallel zu ihrer eigentlichen Band ein neues Projekt auf, das noch in den Kinderschuhen steckt. „SAY“ nennt sich das Duo. Und macht vieles ganz anders als „Oh, Alaska“.

„Als Trio spielen wir ja in der Hauptsache Coverversionen“, erklärt Yana. „Jetzt aber entwickeln wir eigene Songs.“ Auch klanglich gebe es große Unterschiede zum akustischen Konzept ihrer Band, die immer ihren Status als Straßenmusiker betont. „Wir setzen mehr auf elektronische Elemente, nutzen die Möglichkeiten, die man im Studio hat“, beschreibt Sascha.

„Wir haben diese Situation als eine Herausforderung gesehen“, fasst Yana zusammen. Die zweite große in kurzer Zeit – denn ein Lied besteht in der Regel nun mal aus mehr als Gesang und Schlagzeug. „Domi kittet Stimme und Rhythmus zusammen“, sagt die Sängerin über das fehlende Element im neuen Bandgefüge. „Dadurch konnten wir quasi den Weg des geringsten Widerstands gehen.“

Nun müssten die beiden sich mehr damit beschäftigen, die Songs auszuarbeiten, statt wie gewohnt so schnell wie möglich zum Ziel zu kommen. Dabei betreten sie bewusst Neuland, denn weder ihre musikalische Vergangenheit noch die Gegenwart mit „Oh, Alaska“ sei „SAY“ anzuhören.

Mit Kreativität durch die Krise

Progressiver Rock wie von „Sinew“, aber auch ausgefeilter Soul-Pop, wie Yana ihn in München mit dem „Goethe Street Quartet“ gespielt hat, sind also nicht zu erwarten. Aber was dann? „Wir wissen noch nicht, wohin die Reise geht“, sagt Sascha. „Wir stehen noch ganz am Anfang und suchen unseren Sound.“

Fest stehe, dass der Einsatz elektronischer Elemente zwar quasi aus der Not heraus geboren, aber ein wichtiger Teil des Konzepts sei. Und relativ unklar sei den beiden Musikern, wie sich das Ganze live umsetzen lasse. „Es ist wichtig, dass man als Musiker trotz der Beschränkungen kreativ bleibt und das Beste aus der Situation macht“, sagt

Sascha. „Wir sind sehr glücklich, dass wir Musik machen können“, pflichtet Yana bei. „Dadurch können wir unseren Emotionen eine Form verleihen.“ Das sei dann auch das textliche Konzept hinter „SAY“: „Es geht um sehr persönliche Dinge, die mich beschäftigen“, erklärt die Sängerin, „um Gefühle.“

Zu zweit haben sie noch viel vor. Derzeit genießen sie erst mal die Kreativität, mit der sie bislang die Sorgen in der Corona-Krise gemeistert und sich als Musiker bewiesen haben. Ein Ende von „Oh, Alaska“ bedeutet all das aber nicht: „Domi ist ein Macher, unsere Band liegt nicht auf Eis“, betont Sascha. „Aber jetzt probieren wir einfach mal was Neues.“

Von Markus Engelhardt

28.01.2021
27.01.2021