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Hinterland Wirbel um totes Fohlen
Landkreis Hinterland Wirbel um totes Fohlen
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19:20 11.05.2021
Regina Hillesheim zeigt das tote Fohlen, das von einem großen Raubtier halb aufgefressen wurde.
Regina Hillesheim zeigt das tote Fohlen, das von einem großen Raubtier halb aufgefressen wurde. Quelle: Archivfoto: Nadine Weigel
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Wiesenbach

Um die Causa „totes Fohlen“ kehrt keine Ruhe ein. Am Montag veröffentlichten die Züchter Peter und Regina Hillesheim gemeinsam mit Dr. Michael Weiler, Fachtierarzt für Pferde und Wolfsbeauftragter des Pferdesportverbandes Hessen, eine Pressemitteilung, in der sie Vorwürfe erheben gegen die Wolfsbeauftragte des Landes Hessen, Susanne Jokisch.

Worum geht es? Die Islandpferde-Züchter Regina und Peter Hillesheim finden am Ostersamstag ein totes, halb aufgefressenes Fohlen auf ihrer Pferdeweide (die OP berichtete). Das Neugeborene, das offenbar in der Nacht zur Welt gekommen war, liegt in einer Blutlache. Der Bauchraum ist weggefressen, die inneren Organe fehlen. Hillesheims zeigen das Fohlen einigen Jägern, die ordnen die Bissspuren einem großen Raubtier zu. Daraufhin informieren die Pferdezüchter das Wolfsmonitoring des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG).

Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin kommt noch am gleichen Tag vorbei, um DNA-Proben am Kadaver zu nehmen. Die Frau kritisiert damals bereits, dass Hillesheims den Kadaver vom Fundort entfernt und in eine Plastiktüte gelegt haben. Das mache oftmals die DNA-Probe unbrauchbar. Tatsächlich kann die DNA-Analyse später nicht zugeordnet werden. Wie Susanne Jokisch, die Wolfsbeauftragte des Landes Hessen, am 20. April auf Nachfrage der OP mitteilt, könnte es sein, dass durch das Einwickeln in einen Plastiksack genetische Spuren verwischt oder überdeckt wurden. Es könne aber genauso gut sein, dass „tatsächlich kein großer Beutegreifer wie der Wolf, auf den hier getestet wurde, Kontakt mit dem Fohlen hatte“, so Jokisch damals weiter. In ihrer Email an die OP teilt sie zudem noch mit, dass „ein vorläufiger pathologischer Befund“ ergeben habe, dass das „Fohlen nicht lebensfähig“ gewesen sei. „Ob es sich um eine Totgeburt handelte oder ob es kurz nach der Geburt verendet ist, ist noch offen.“

Formulierung sorgt für Kritik

Genau diese Formulierung sorgt nun für Kritik bei den Pferdehaltern. „Der abschließende Untersuchungsbericht findet keinerlei Beleg für die vorschnelle Behauptung der hessischen Wolfsbeauftragten“, heißt es in der Pressemitteilung der Hillesheims, die sie zusammen mit Tierarzt Dr. Michael Weiler veröffentlich haben. Sie spekulieren: „das Fohlen wies massive Fraßspuren auf, die ein großes Raubtier wie den Wolf als möglichen Verursacher in Betracht kommen lassen“.

Auf Nachfrage erklärt Weiler sein Problem mit dem pathologischen Befund, der auch der OP vorliegt. Darin wird festgestellt: „Da die Lunge des Fohlens nicht zur Untersuchung zur Verfügung stand, konnte nicht beurteilt werden, ob das Fohlen nach der Geburt geatmet hat. Ob eine Milchaufnahme stattgefunden hat, kann nicht sicher beurteilt werden, da der Magen fehlte. In den verbliebenen Darmresten war kein Milchkot nachweisbar“, heißt es in dem Bericht.

Die vorliegenden Befunde sprächen dafür, dass das Fohlen „nach der Geburt nicht aufgestanden und gelaufen ist und möglicherweise auch keine wesentlichen Aufstehversuche unternommen hat“. Begründet sehen die Pathologen dies in den noch vollständig erhaltenen Fohlenkissen. Dies ist eine weiche, zottige Hornmasse, welche die Hufsohle abdeckt, und so die Geburtswege der Stute vor Verletzungen schützt.

Tierarzt Weiler sieht in diesem Befund die Aussage nicht gedeckt, dass das Fohlen „nicht lebensfähig“ war. „Nur weil die Fohlenkissen noch dran waren, kann man nicht darauf schließen, dass das Fohlen nicht gelebt hat. Es gibt auch Fohlen, da fallen die Fohlenpolster erst ab, wenn es ein paar Tage rumgelaufen ist“, sagt Weiler und wirft der Wolfsbeauftragten vor, sie habe nicht „faktenbasiert“ berichtet und in „unqualifizierter Weise“ lediglich aus ideologischen Gründen die Bevölkerung beruhigen wollen.

Jokisch weist diese Vorwürfe zurück. Im Gespräch mit der OP stellt sie klar, dass sie damals lediglich das widergegeben habe, was ihr telefonisch von einer Ärztin des Landesbetriebs Hessisches Landeslabor (LHL) vor Zusendung des abschließenden Berichtes mitgeteilt worden sei. Die Pathologin habe erklärt, dass das Fohlen weder gestanden noch bei der Mutter getrunken habe und es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht lebensfähig war. „Es liegt mir fern, selbst einen Pathologiebericht zu interpretieren“, betont Jokisch, die darauf hingewiesen habe, dass der Endbericht aber noch abzuwarten sei.

Auf Nachfrage der OP beim LHL macht Martin Schambeck, Leiter Informationsmanagement, deutlich, dass es „keine Eindeutigkeit“ in Bezug auf die Lebensfähigkeit des Fohlens gebe, dafür sei die Faktenlage zu dünn.

Fakt allerdings ist: Für die Aufklärung, durch wen das Fohlen zu Tode kam, bringt die Diskussion um die Aussage der Wolfsbeauftragten letztlich keine neuen Erkenntnisse. .

Von Nadine Weigel