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Hinterland „Wir wollen unser normales Leben zurück“
Landkreis Hinterland „Wir wollen unser normales Leben zurück“
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19:58 11.04.2021
Mit Masken und Abstand zogen die Demonstranten am Samstag friedlich, aber mit klaren Protestbekundungen auf Schildern gegen die Corona-Politik durch Gladenbach.
Mit Masken und Abstand zogen die Demonstranten am Samstag friedlich, aber mit klaren Protestbekundungen auf Schildern gegen die Corona-Politik durch Gladenbach. Quelle: Foto: Götz Schaub
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Gladenbach

Es reicht ihnen, sie wollen nicht länger schweigen. Sie wollen, dass in Gladenbach die Geschäfte wieder öffnen, und zwar alle. Sie wollen, dass die Schüler wieder in die Schulen gehen. Matthias Jilg, Karin Menzel, Slobodan Jelaca und Christina Preisig hatten deshalb für vergangenen Samstagvormittag in Gladenbach eine Demonstration angemeldet, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen und die Mitbürger nach eigenen Aussagen wachzurütteln.

Preisig war es dabei sehr wichtig, herauszustellen, wer die Organisatoren sind und welchen Hintergrund sie haben. Es handele sich um Menschen aus der Gladenbacher Geschäftswelt und normale Mitbürger. Keinesfalls wolle man extreme politische Positionen stützen, noch Menschen, die dem rechten Spektrum zuzuordnen sind, eine Bühne geben. „Wir sind auch keine Corona-Leugner“, sagte sie zur Begrüßung der Demo-Teilnehmer auf dem Gladenbacher Marktplatz, machte aber auch klar: „Wir wollen unser normales Leben zurück.“

Sie bat alle Teilnehmer eindringlich, sich an die Auflagen zu halten, um den Demonstrationszug durch den Stadtkern bis zum Rewe-Markt antreten zu können. In der Tat zogen alle Teilnehmer die üblichen geforderten Masken über Mund und Nase und achteten auch auf Abstand. Während des kurzen Zuges skandierten einige Teilnehmer „Frieden, Freiheit, Demokratie“.

Aus Sicht von Rainer Höhn, Leiter der Polizeistation Biedenkopf, der die polizeiliche Begleitung koordinierte, gab es keinen Anlass, einschreiten zu müssen, alle Demo-Teilnehmer hätten sich an die Vorgaben gehalten. Das war Matthias Jilg am Ende der rund 75-minütigen Gesamtveranstaltung auch wichtig zu betonen. Sie haben über das friedliche Mittel des Demonstrationsrechts das erreicht, was sie wollten. Sie wollten darauf aufmerksam machen, dass aus ihrer Sicht die Corona-Maßnahmen völlig überzogen sind und ohne eine Öffnung hin zum normalen Leben „das gesamte Land gegen die Wand gefahren werde“.

Während die Polizei von 100 bis 120 Teilnehmern sprach, einigten sich die Veranstalter auf 150 als offizielle Zahl, wobei Preisig noch sagte, dass sicher nicht alle, die ähnlich denken, gekommen waren, „aus Angst, voreilig in eine Schublade gepresst zu werden“. Diese Angst müsse aber überwunden werden, um für seine Werte einzustehen und die zurzeit eingeschränkten Grundrechte wieder zu erlangen.

Es müsse auch erlaubt sein, die Corona-Fallzahlen anders lesen zu dürfen, als es die Politik in Berlin zusammen mit immer denselben Wissenschaftlern mache, ohne Gefahr laufen zu müssen, gesellschaftlich aussortiert zu werden. Es sei keine Übersterblichkeit in Gladenbach auszumachen, die meisten Opfer, so tragisch es auch in jedem Einzelfall sei, seien vornehmlich ältere Mitbürger gewesen, die bedauerlicherweise ohne familiäre Begleitung hätten sterben müssen, informierten die Veranstalter.

Sie wünschen sich eine breitere Debatte über die Gefährlichkeit von Corona und angesichts der Fälle verglichen mit anderen Erkrankungen, die darüber hinaus viel öfter zum Tode führen würden, auch einen anderen Umgang mit Corona im öffentlichen Leben.

Die Redner am Marktplatz trugen alle Hinweise zusammen, die ihre Sichtweise unterstützen, dieses Recht sollten sie als friedliebende Demokraten auch eingeräumt bekommen, forderten sie wie auch dafür kämpfen zu dürfen, mehr Menschen von ihrer Sichtweise zu überzeugen. Es dürfe zudem keine Nachteile für Menschen geben, die sich nicht gegen Corona impfen lassen möchten. Eine Verschärfung wie überhaupt eine Fortführung des Lockdowns lehnten die Demonstranten entschieden ab. An der Demo nahmen auch einige „Weiterdenker“ teil. Der umstrittene Politologe, Blogger und Autor Hermann Ploppa durfte dabei kurz seine Sicht auf die Weltlage weitergeben, etwa wie das Thema Corona seiner Ansicht nach gewollt dazu benutzt werde, Macht durch Angstmacherei zu sichern.

Von Götz Schaub

11.04.2021
11.04.2021