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Hinterland Es stockt am Stocksol
Landkreis Hinterland Es stockt am Stocksol
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12:11 10.09.2020
Auf dem Stocksol sollen drei Windräder entstehen, sobald alle Genehmigungen vorliegen. Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Lixfeld

Die drei Windräder des geplanten Windparks Stocksol gehen frühestens Ende 2023 in Betrieb. Das hat Johannes Rudolph von der EAM Natur im Angelburger Gemeindeparlament berichtet. Rudolph ist Leiter des Windservice bei EAM Natur und informierte die Gemeindevertreter über den aktuellen Stand.

EAM Natur ist die Projektiererin, die für die Gemeinde Angelburg den Windpark plant und errichten soll. Nach dem ursprünglichen Zeitplan sollte der Windpark viel weiter fortgeschritten sein. Bereits im Februar 2018 hatten EAM und Gemeinde den Vertrag zur Zusammenarbeit besiegelt. Schon 2017 hatte die EAM die Tiervorkommen untersucht und zudem zwischen April 2018 und August 2019 den Wind gemessen.

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2019 stoppte das Unternehmen dann die Planungen: Der Wespenbussard wurde entdeckt, damals ein Ausschlusskriterium für einen Windpark. „Alle drei Anlagen waren nicht realisierbar“, sagte Rudolph. Inzwischen steht aber fest: Der Wespenbussard bleibt gar nicht lange, deshalb sollen die Richtlinien geändert werden.

EAM: Betrieb der Anlagen ist wirtschaftlich

Das Land überarbeite aktuell die entsprechende Verwaltungsvorschrift, erklärte Rudolph. Allerdings erwartet er Auflagen, nach denen die Windräder zu bestimmten Zeiten und Witterungsverhältnissen zwischen Mai und August abgeschaltet werden.

Dennoch sei der Betrieb der Anlagen wirtschaftlich, sagte Rudolph. Auch, weil der Wind auf dem Stocksol rege bläst: „Die Windbedingungen sind deutlich besser als an anderen Standorten im Lahn-Dill-Bergland“, sagte Rudolph auf Nachfrage von Bürgermeister Thomas Beck (SPD).

Letztlich kompensierten diese positiven Werte die Abschaltzeiten, die wegen des Wespenbussards wohl nötig werden, bestätigte der EAM-Vertreter auf Nachfrage von Jörg Schwarz (CDU). Allerdings sind weitere Fauna-Untersuchungen nötig. Durch das Waldsterben sind große Freiflächen entstanden, die attraktiv für Rotmilane sind – und auch diese Vogelart wäre ein Ausschlusskriterium.

Abgeschlossen sind hingegen archäologische Gutachten: Fachleute fanden keine Bodendenkmäler im Bereich des geplanten Windparks. Dass die Schwarzstorch-Sichtungen der vergangenen Monate zu einem Problem werden, halte er für unwahrscheinlich, sagte Rudolph auf Nachfrage von Daniel Schneider (CDU).

Verhandlungen mit drei Herstellern

Aktuell verhandelt die EAM mit drei Anlagenherstellern. Fest steht: Jede der geplanten Anlagen wird insgesamt 240 Meter hoch sein, bei einer Nabenhöhe von 166 Metern und einem Rotordurchmesser von 150 Metern. Die Generatoren leisten je 5,6 Megawatt und produzieren 15 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr.

Alle Windräder haben zudem einen ausreichenden Abstand von mehr als einem Kilometer zu den nächsten Wohngebieten in Frechenhausen, Gönnern, Steinperf und Bottenhorn.

Der aktualisierte Zeitplan sieht den Abschluss der Untersuchungen Ende dieses Jahres vor. Anfang 2021 sollen die Anträge für die Genehmigungen eingereicht werden, die Ende 2021 vorliegen könnten. Dann gründet die EAM die Projektgesellschaft. Ende 2022 könnte der Bau beginnen, die Inbetriebnahme der drei Windräder ist für das vierte Quartal 2023 vorgesehen. Es soll in jedem Fall bei den drei geplanten Anlagen bleiben, eine Erweiterung des Windparks schloss Rudolph aus. Der erste Zeitplan sah einen Baubeginn im Jahr 2020 vor.

Hartmut Hild (CDU) fragte nach, was passiert, wenn eine Anlage in Brand gerät. Dann komme nur ein kontrolliertes Abbrennen in Frage, antwortete Rudolph. Jede Anlage verfüge aber über eine Löschgas-Einrichtung, die Brände schon beim Entstehen löschen soll.

Allerdings ist auch der Bau von Löschwasser-Zisternen vorgesehen. Die sollen vor allem bei Waldbränden angezapft werden, um ein Übergreifen von Feuer auf die Windräder zu verhindern.

von Mark Adel

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