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Hinterland Wenig Interesse an gemeinsamem Hallenbad
Landkreis Hinterland Wenig Interesse an gemeinsamem Hallenbad
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20:55 13.07.2022
Die Biedenkopfer Stadtverordneten suchen in der Region Mitstreiter für den Bau und den Betrieb eines Hallenbads.
Die Biedenkopfer Stadtverordneten suchen in der Region Mitstreiter für den Bau und den Betrieb eines Hallenbads. Quelle: Themenfoto:
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Biedenkopf

16 Jahre liegt es zurück, dass Biedenkopf über ein funktionstüchtiges großes Hallenbad verfügte, in dem Bürger oder Schulklassen ihre Bahnen ziehen konnten: Das Wallauer Bad wurde 2006 nach dem Einsturz des Daches einer Eishalle in Bad Reichenhall vorsorglich geschlossen und 2016 abgerissen. Bis 2020 stand darüber hinaus ein kleines Hallenbad im Parkhotel zur Verfügung. Das musste dann wegen statischer Mängel geschlossen werden.

Die Hoffnung, dass sich an dem hallenbadlosen Zustand etwas ändert, haben die Biedenkopfer aber nicht aufgegeben. Im November beauftragten die Stadtverordneten den Magistrat, das Thema noch einmal anzupacken. Er solle beim Landkreis, bei umliegenden Kommunen und bei der nordrhein-westfälischen Stadt Bad Laasphe ausloten, ob Interesse am Bau und Betrieb eines gemeinsamen, interkommunalen Hallenbades bestehe.

Angelburg, Dautphetal, Lahntal, Steffenberg, Münchhausen, Hatzfeld und Bad Laasphe winkten sofort ab. Wetter zeigte sich immerhin grundsätzlich gesprächsbereit zu fachlichen Fragen. Gladenbach stellte zur Diskussion, dass sich Biedenkopf am Freizeitbad in Gladenbach beteiligen könnte – nicht ganz das, was den Biedenkopfer Abgeordneten vorschwebte.

Am positivsten war die Antwort aus Breidenbach. Die Gemeinde schlug vor, einen Runden Tisch zu Bau und Betrieb einzurichten. Bad Endbach kann sich zwar nicht vorstellen, beim Bau mitzumachen, wäre aber offen für Gespräche über eine interkommunale Betreiberstruktur.

„Grundsätzlich besteht seitens der kontaktierten Kommunen kein oder eher geringes Interesse am Bau und Betrieb eines gemeinsamen interkommunalen Hallenbades“, fasst der Biedenkopfer Magistrat zusammen. Und der Landkreis? Er kann den Bau eines Hallenbades laut Kreissportplan mit einem Höchstfördersatz in Höhe von 150 000 Euro unterstützen. Hinzu käme ein Nutzungsentgelt für den Schulsport in dem Bad. Das sind pro Stunde 170 Euro. Nehmen mehr als 40 Kinder am Schulsport teil, erhöht sich der Betrag um 20 Prozent auf 204 Euro. Darüber hinaus sieht der Kreis keine Möglichkeit, sich als Träger oder Mitträger zu beteiligen und verweist stattdessen auf Förderprogramme von Bund und Land.

Wie also weiter verfahren? Die Grünen winkten in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung ab. Ein schnell erreichbares Hallenbad wäre toll, sagte Benjamin Sattler, und für den Schwimmunterricht sicherlich wichtig. Allerdings: Schaue man sich das Ergebnis genau an, sehe man, dass elf der zwölf angeschriebenen Kommunen abgewunken haben. Sattler: „Ein Hallenbad ist in der derzeitigen Situation nicht bezahlbar.“ So enthielten sich die beiden Vertreter der Grünen am Ende.

„Die Aufstellung spricht für sich“, sagte Dirk Balzer (UBL). Im Haushalt der Stadt Biedenkopf sehe er angesichts vieler anderer Projekte für die nächsten zehn Jahre auch kein Geld, um die Kosten für das Bad zu stemmen. Zum jetzigen Zeitpunkt sehe die UBL daher keinen Sinn in weiteren Gesprächen – damit würde man nur unnötig personelle Kraft in der Verwaltung binden. Von der UBL gab es daher vier Nein-Stimmen. SPD und CDU sprachen sich vor der Abstimmung dagegen für weitere Gespräche aus. Das notwendige Geld sei zwar nicht da, sagte Christoph Schwarz (SPD), aber es sei nicht gut, sich weiteren Gesprächen zu verweigern. Vielleicht komme man ja auf neue Ideen.

Ähnlich argumentierte Markus Doruch (CDU). Eine Perspektive, dass Biedenkopf sich ein Hallenbad leisten könnte, sehe die CDU nicht. Aber vielleicht gebe es ja andere Wege. Doruch: „Gesprächen sollte man sich nie verwehren.“

Schließlich stimmten 23 Stadtverordnete dafür, mit interessierten Kommunen und dem Landkreis über ein Hallenbad zu sprechen.

Bäder im Hinterland

In Gladenbach betreibt die Stadtmarketing-Energie-Bäder Gladenbach GmbH das Freizeitbad Nautilust, das unter anderem über Schwimmer-, Nichtschwimmer-, Kinder- und Vierjahreszeitenbecken verfügt.

Die Lahn-Dill-Bergland-Therme in Bad Endbach hat als Charakteristikum einen großen Thermen- und Saunabereich.

Das Hallenbad in Friedensdorf wird von einem eigenen Trägerverein als Belegungsbad betrieben. Schwimmzeiten für Mitglieder (auch für Tagesmitglieder) sind freitags und samstags.

Als Mitgliederbad wird auch das Hallenbad in Buchenau betrieben, ebenfalls von einem eigenen Verein.

In der Umgebung gibt es zudem das Freizeitbad Panoramablick in Eschenburg sowie das Bärenbad in Battenberg, das allerdings im Sommerhalbjahr geschlossen ist.

Von Hartmut Bünger

13.07.2022
12.07.2022