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Hinterland Reitverein bangt um seine Zukunft
Landkreis Hinterland Reitverein bangt um seine Zukunft
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17:00 12.03.2020
Kirsten Geilhof beim Reitturnier 2019 auf dem Reitplatz der Pferdefreunde Gladenbach und Umgebung. Quelle: Silke Pfeifer-Sternke
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Gladenbach

Im Herbst gab es schon Gerüchte, berichtet Katja Hinder von den Pferdefreunden Gladenbach und Umgebung, zum Jahreswechsel wurde es Gewissheit. Die Stadt Gladenbach plant, in der Verlängerung der Niemcza-Straße und entlang des noch nicht ausgebauten Teils der Straße „Am Hainpark" Bauplätze entstehen zu lassen. „Das gefährdet die Existenz unseres mittlerweile 50 Jahre alten Vereins“, sagen die Vorstandsmitglieder Katja Hinder und Simone Ruppert.

Rund 200 Mitglieder zählt der Verein, der in seinen Ställen etwa 30 Pferde beherbergt. Für die reicht die derzeitige Fläche, darunter auch die von der Stadt zugepachtete beziehungsweise zur Nutzung überlassene Flächen, über die der Verein verfügt, vor allem im Winter schon schwerlich zum Weiden der Tiere nicht aus.

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„Wir versuchen, eine vernünftige Weidewirtschaft zu betreiben und aus den Weiden keine Acker zu machen“, sagt Hinder. Die rund 8000 Quadratmeter dienen den Pferden zum Auslauf, aber auch um frische Zusatznahrung zu finden. Eine Faustregel besagt, dass pro Pferd 500 Quadratmeter Weidefläche nötig ist.

Kommt ein Ende wie beim Landesgestüt Dillenburg?

Genau diese 8000 Quadratmeter erhielt der Verein als Ausgleich zur Nutzung zugesprochen, als die Stadt im Jahr 2012 knapp die Hälfte der verpachteten Flächen kündigte, um darauf ein Fußball-Kunstrasenplatz entstehen zu lassen. Entfielen nun rund 40 Prozent der Weideflächen gänzlich, sehen die Mitglieder den Fortbestand des Vereins gefährdet.

Ihre Befürchtung: Es könnte den Gladenbacher Pferdefreunden genauso ergehen, wie dem Landesgestüt in Dillenburg. Das musste im Jahr 2017 seine traditionsreiche Hengsthaltung einstellen, da das Veterinäramt die fehlenden Freilaufflächen monierte. Laut Hinder und Ruppert träfe ein Entzug der Weideflächen nicht nur den Verein, dem eine Reithalle und die Ställe gehören, die Besitzer der 30 Pferde müssten neue Unterkünfte finden, fielen sie womöglich als Kunden der Einkaufsstadt weg. Auch die Therapie-Zusammenarbeit mit der Sonderschule entfiele, ebenso die Beteiligung des Vereins an der Ferienpass-Aktion oder an Märkten und Festen der Stadt.

Auch das traditionelle Reitturnier des Vereins gäbe es dann nicht mehr. Das wurde 2017 abgesagt, weil sich auf dem Reitplatz ein rund 3,5 Meter großes Loch auftat. Da dies nicht der einzige derartige Vorfall war, lässt das Rückschlüsse auf die Bodenbeschaffenheit des künftigen Baugebietes zu, das am Rande eines ehemaligen Bergbau-Gebietes liegt, meinen Hinder und Ruppert. Deshalb wünschen sich die Pferdefreunde Lösungsvorschläge von den Stadtverordneten, wie zum Beispiel eine Verkleinerung des Baugebietes oder die Möglichkeit, andere Flächen zum Weiden zu erhalten. Es gebe auch noch Alternativen zum Baugebiet an der Niemca-Straße beziehungsweise der Straße „Am Hainpark“, meinen Hinder und Ruppert.

Hintergrund

Im November brachte die Stadtverordnetenversammlung mit den Stimmen von SPD und Freien Wählern die Offenlage des geänderten Bebauungsplans auf den Weg. CDU und Junge Liste waren dagegen. Während der Sitzung am Donnerstag, 19. März, könnte der neue Bebauungsplan beschlossen werden.

Dann gebe es in der Verlängerung der Niemcza Straße und am noch nicht ausgebauten Teil der Straße "Am Hainpark" auf rund 1,6 Hektar etwa 15 Baugrundstücke. Das Gelände im Norden der Kernstadt grenzt an ein ehemaliges Schieferabbaugebiet, weswegen nach Meinung einiger Stadtverordneter das Risiko zu hoch ist.

Das nun vorliegende Geologische Gutachten empfiehlt unter anderem, jedem Eigentümer, ein für sein Bauvorhaben und Grundstück angepasstes Baugrundgutachten erstellen zu lassen und die Häuser mittels einer durchgehenden Stahlbetonbodenplatte auf einem gut verdichtbaren Bodenpolster zu gründen.

Die Freien Wähler drücken aufs Tempo und reichen für die Stadtverordnetenversammlung einen weiteren Antrag ein. Dieser wird am Mittwochabend im Bauausschuss beraten und sieht aufgrund des fortgeschrittenen Standes des Bebauungsplanes vor, folgende Aufträge zu vergeben: das Planen eines Nahwärmenetzes und der Versorgung mit Nahwärme für alle Grundstücke, der Wasser- und Kanalentsorgung sowie der übrigen Erschließungen. Ferner das Vermessen der Baugrundstücke, das Freimachen des Baufeldes und das Festlegen des Preises auf 100 Euro je Quadratmeter zuzüglich der Erschließungskosten.

Von Gianfranco Fain

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