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Hinterland Schnelle Tänze sind erstmal tabu
Landkreis Hinterland Schnelle Tänze sind erstmal tabu
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18:59 28.06.2020
Neben langsamen Tänzen vermitteln Cora und Henry Genenncher ihren Schülern in den Kursen derzeit vor allem die passende Technik wie Haltung und Schrittfolgen. Quelle: Sascha Valentin
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Tanzkurse für Abiturienten: in diesem Jahr Fehlanzeige! Ebenso wie für Hochzeiten. Und auch an Tanzveranstaltungen ist noch nicht zu denken. Dennoch sind Henry und Cora Genenncher von der Tanzschule „Danceworld“ optimistisch.

Denn nach der zehnwöchigen Zwangspause, die sie mit der Produktion von 100 Videos mit Schrittfolgen überbrückt haben, darf nun zumindest wieder getanzt werden – wenn auch unter Auflagen. Die fangen schon vor dem Eingang an. Dort müssen die Kursteilnehmer warten, bis sie abgeholt werden.

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„Dafür gibt es einen einfachen Grund“, erklärt Henry Genenncher. „Unsere Treppe ist nicht breit genug, als dass man beim Entgegenkommen den Mindestabstand von eineinhalb Metern einhalten könnte.“

Deswegen muss eine Gruppe zunächst das Gebäude verlassen, bevor die zweite herein darf. Im Treppenhaus gilt dabei ebenso Maskenpflicht wie im Durchgangsbereich der Tanzschule.

Umkleidekabinen sind geschlossen

Beim Tanzen selbst dürfen die Masken allerdings abgelegt werden. „Stattdessen sorgen wir mit Markierungen auf dem Boden dafür, dass die Abstandsbestimmungen eingehalten werden“, erklärt er.

Ein Quadrat von drei mal drei Metern Größe steht jedem Tanzpaar zur Verfügung. Dazwischen bestehen mindestens eineinhalb Meter Abstand. Dadurch ergibt sich eine maximale Anzahl von acht Tanzpaaren pro Raum. Mehr sind nicht erlaubt.

Die Umkleidekabinen sind aufgrund der Beschränkungen geschlossen. „Die Paare gehen direkt in den Saal, wo sie sich dann die Tanzschuhe anziehen“, erklärt Genenncher. Die Dauer eines Kurses wurde von 90 auf 80 Minuten gekürzt. „Die Pause fällt weg, damit die Paare währenddessen nicht an die Bar gehen.“ Stattdessen werden ihnen die Getränke direkt in den Saal gebracht und dort auch abgerechnet.

Schweres Los für Singles

Doch nicht nur die Organisation der Kurse hat sich durch Corona verändert – auch die Inhalte mussten angepasst werden, wie Genenncher zugibt. „Alle lernen dieselbe Choreographie – egal welches Level die Paare haben. Und schnelle Tänze sind erst einmal tabu, damit niemand außer Puste kommt und schwer atmen muss.“ Denn das würde die Verbreitung der Aerosole im Raum begünstigen.

Stattdessen liegt der Schwerpunkt auf langsamen Tänzen wie Discofox, Salsa oder Rumba sowie der Vermittlung der richtigen Technik wie etwa Haltung und Fußarbeit. Ein schweres Los haben derzeit vor allem Singles gezogen. Sie dürfen keine Paartänze machen. „Manche kommen aber trotzdem und üben einfach alleine“, berichtet Genenncher.

„Die Menschen suchen die Geselligkeit“

So viel Umstände und Umgewöhnung das Hygienekonzept für den Betrieb der Tanzschule auch bedeutet: „Wir hatten keinerlei Probleme und haben die Genehmigung zur Wiedereröffnung problemlos bekommen“, sagt der Tanzschulleiter.

Die ersten Wochen mit dem neuen Modus hätten aber auch gezeigt, dass die Kursteilnehmer selbst sehr genau darauf achteten, ob alle Bestimmungen eingehalten werden, um das Infektionsrisiko zu senken. Das zeige sich auch beim abschließenden Ausklang des letzten Tageskurses auf der Sonnenterrasse, wenn das Wetter dies zulasse: „Die Menschen suchen nach dieser langen Zeit die Geselligkeit und sind froh, wieder etwas gemeinsam unternehmen zu können“, weiß Genenncher.

Einbußen im mittleren fünfstelligen Bereich

Deswegen bietet er während der Sommermonate immer samstags einen besonderen Service an: „Nach dem letzten Kurs startet um 18.45 Uhr auf der Terrasse ein BBQ mit Cocktails, zu dem auch Gäste eingeladen sind, die nicht bei uns tanzen.“

Natürlich geht es dabei nicht nur um das Gemeinschaftserlebnis, sondern auch darum, die finanziellen Ausfälle der vergangenen Monate ein wenig zu kompensieren. Die durch die Zwangspause entstandenen Einbußen beziffert Henry Genenncher mit einem mittleren fünfstelligen Betrag. Dabei sind es nicht nur die Veranstaltungen, Kurse und Hochzeiten, die allesamt weggefallen sind. „Wir hatten im Januar 90 Paare, die neu mit dem Tanzen angefangen haben. Von denen ist nach Corona kein einziges dabei geblieben“, berichtet Genenncher.

Umso mehr hofft er nun, dass es wieder bergauf geht und vielleicht zu den neuen Kursen, die im September beginnen, auch die jetzt noch bestehenden Beschränkungen noch weiter gelockert werden können, sodass einem ungetrübten Tanzvergnügen nichts im Wege steht.

Von Sascha Valentin

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