Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Lernen im Grünen: 2022 geht’s los
Landkreis Hinterland Lernen im Grünen: 2022 geht’s los
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:58 05.04.2021
Das ehemalige Camp „Lachenwald“ wird zu einer Oberstufenschule für naturnahes Lernen umgebaut (Archivfoto).
Das ehemalige Camp „Lachenwald“ wird zu einer Oberstufenschule für naturnahes Lernen umgebaut (Archivfoto). Quelle: Christian Röder
Anzeige
Hommertshausen

Im August vergangenen Jahres sollte der Schulbetrieb starten. Daraus wurde zwar nichts, aber derzeit sieht es so aus, als ob die neue Waldschule im Dautphetaler Ortsteil Hommertshausen 2022 ihre Pforten öffnet. Damit rechnet zumindest Investor Günther Hoffmann.

„Wir haben ja drei alte Gebäude abreißen lassen, die nicht benötigt werden – nun steht die Feinplanung für die neuen Gebäude, die an deren Stelle entstehen sollen“, erläutert Hoffmann, der sich seit einigen Monaten in Norwegen aufhält, wo er ein vergleichbares Projekt betreut.

In Natur wird „nachhaltig“ eingegriffen

Zwar könne er jederzeit ausreisen, sagt der Investor – wenn er dann aber in Deutschland sei, sei ihm das wegen der Corona-Krise jedoch nicht ­ohne Weiteres möglich. Daher könne er den Fortgang der Arbeiten nicht vor Ort in Hommertshausen in Augenschein nehmen, sondern müsse aus Skandinavien mit den Beteiligten kommunizieren.

Besagte Arbeiten sind nicht mit dem Abriss der alten und dem Bau der neuen Gebäude erledigt, die den Schülern der Einrichtung ab kommendem Jahr als Wohn- und Schlafgebäude dienen sollen. Auch in die Natur wird eingegriffen, wenngleich so nachhaltig, wie es dem Konzept der Waldschule entspricht.

Aufforstung, wenn Bäume gefällt werden

„Der Wald wird zurückgebaut“, erklärt Hoffmann. Das bedeutet, gefällte Bäume werden durch Aufforstung an anderer Stelle ersetzt. Auf diese Weise wird dem eigentlichen Schulgebäude – dem einzigen alten Haus, das auf dem Gelände erhalten bleibt – der vorgeschriebene Raum gegeben, ohne nachhaltig etwas an der vorhandenen Flora zu ändern.

Der Investor hofft, dass die Arbeiten in den kommenden zwei Monaten beginnen und noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Schulbetrieb soll im kommenden Jahr starten

Nach einer Ruhephase im Winter soll der Schulbetrieb dann im kommenden Jahr starten. „Der Anmeldeprozess dafür läuft parallel“, sagt Hoffmann. Pro Jahrgang sollen 15 Schüler im Internat sowie fünf weitere aus der Umgebung unterrichtet werden, ergänzt der Investor, der gebürtig aus Biedenkopf stammt und sich dem Hinterland daher verbunden fühlt.

Aktuell werde geprüft, wie viele Lehrkräfte nötig seien, berichtet Günther Hoffmann: „Vermutlich werden sechs Lehrerinnen und Lehrer beschäftigt.“ Auch andere Teilaspekte des Schulbetriebs befinden sich in der Prüfung: „Das Schulamt arbeitet sorgfältig, was ja auch vernünftig ist.“ Wichtigster Aspekt des Schulkonzepts ist laut Hoffmann der Unterricht im Einklang mit der Natur.

Waldschule für Oberstufe gedacht

Die genaue Bezeichnung für die neue Waldschule ist „Walden School“: Diese „möchte jungen Menschen ein ganzheitliches Lernen ermöglichen“, heißt es in der Selbstbeschreibung der Einrichtung auf der Website. „Neben einer anderen Art von Unterricht will sie ihre Schüler für eine Zukunft gemeinsam mit der Natur rüsten.“

Die Waldschule in Hommertshausen ist für die Oberstufe – also die Jahrgangsstufen 11 bis 13 – gedacht: „In diesen drei Jahren sollen die jungen Menschen selber Landwirtschaft erleben, Forstwirtschaft kennenlernen und Naturverbundenheit spüren.“ Und weiter heißt es: „Sie sollen die unterschiedlichen Sichtweisen kennenlernen und sich ihr eigenes Bild machen können. Sie werden motiviert, Ideen für eine lebens- und artenreiche sowie bunte Zukunft zu entwickeln.“

Idee der „Walden School“

„Ich habe in meinem Leben viel Zeit in der Natur verbracht“, begründet Günther Hoffmann seine Intention, dieses Schulkonzept auf den Weg zu bringen. Seit 25 Jahren sei er im Bildungswesen tätig, und als die Gemeinde Dautphetal auf ihn zugekommen sei und gefragt habe, ob er Ideen für die Nutzung des ehemaligen Camps „Lachenwald“ habe, habe er die Idee der „Walden School“ ins Spiel gebracht.

Seither ist viel passiert: Bereits 2016 hatte die Gemeindevertretung grünes Licht für den Bau einer damals noch „Naturschule“ betitelten Bildungseinrichtung gegeben. Im Dezember 2018 hatte der Haupt- und Finanzausschuss dem Verkauf der Gebäude im ehemaligen US-Girlscout-Camp zugestimmt.

Im Oktober erfolgte Baugenehmigung

Danach musste unter anderem geklärt werden, wie der Sicherheitsabstand der Schulgebäude zum Waldrand eingehalten werden kann. Im Oktober vergangenen Jahres wurde schließlich die Baugenehmigung erteilt.

Der Schulstart des Internats im Sommer 2022 bringt der Gemeinde ein durchaus innovatives Konzept als Ergänzung zum bisherigen Schulangebot: Unter dem Motto „Drei Jahre leben und lernen im Wald“ werden jeweils sechs junge Leute gemeinsam in kleinen Wohneinheiten mit eigenem Bad und Toilette zusammenleben. Der Unterricht findet in der Natur oder im Hauptgebäude statt.

Kein Einfluss auf schulisches Konzept

Vertraglich ist festgelegt, dass Günther Hoffmann auf dem einstigen Camp-Gelände „ausschließlich und unbefristet“ die „Walden School“ und Erwachsenenbildung anbietet. Sollte das Projekt irgendwann einmal aufgegeben werden, verpflichtet sich der Investor als Käufer, alle auf dem Grundstück befindlichen Gebäude auf eigene Kosten und innerhalb einer von der Gemeinde festgelegten Frist rückstandslos zu beseitigen und ordnungsgemäß zu entsorgen. Zudem hat die Kommune das Vorkaufsrecht.

Einfluss auf das schulische Konzept hat Dautphetal nicht. Dieses nutzt ausgiebig die ländliche Umgebung der Schule: „Eine eigene kleine Landwirtschaft und die Hege und Pflege des Reviers, in dem wir leben, gehören zu den alltäglichen Routinen.“

Produktion von eigenen Lebensmitteln

Außerdem werden „die jungen Menschen eine eigene kleine Landwirtschaft aufbauen, bewirtschaften und davon leben. Diese Produktion von eigenen Lebensmitteln wird in Handarbeit und ohne große Maschinen durchgeführt“. Auch ist für das erste Schuljahr ein Langzeitpraktikum in einem landwirtschaftlichen Betrieb geplant, im zweiten eines in der Forstwirtschaft – die Schüler der Abschlussklasse werden eine Wildnis-Ausbildung absolvieren.

Von Markus Engelhardt