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Hinterland Vorsichtiger Optimismus bei Unternehmern
Landkreis Hinterland Vorsichtiger Optimismus bei Unternehmern
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07:55 14.05.2020
Eine Montage-Straße im Werk eines süddeutschen Autozulieferers. Quelle: Felix Kästle/dpa
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Wetzlar/Dillenburg

Die Corona-Krise bleibt für die heimischen Unternehmen nicht ohne Folgen: Mehr als 75 Prozent der Firmen an Lahn und Dill gehen davon aus, dass ihr Umsatz in diesem Jahr zurückgehen wird.

Das geht aus einer Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lahn-Dill hervor, an der sich 226 Vertreter heimischer Unternehmen beteiligten.

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Die Umfrage fördert aber auch Positives zutage: „Die Hälfte der Unternehmen geht von einer Rückkehr zum normalen Geschäft noch im Jahr 2020 aus“, heißt es bei der IHK zu den Ergebnissen der Befragung.

Was den Umfang der Umsatzrückgänge im laufenden Jahr angeht, sind die Unternehmer allerdings geteilter Meinung. 13 Prozent der Firmenchefs rechnen damit, dass sie mit einem blauen Auge davonkommen und maximal ein Zehntel des erwarteten Umsatzes ausbleibt.

Vier Prozent der Firmen erwarten mehr Umsatz

Fast jeder Dritte (31 Prozent) sieht jedoch einem erheblichen Rückgang entgegen. Erheblich bedeutet: zwischen 10 und 25 Prozent. Jeder fünfte Unternehmer (21 Prozent) erwartet noch schlechtere Zahlen. Sprich: Dass bis zur Hälfte des Umsatzes auf der Strecke bleiben könnte. Die Zahl derer, die einen Einbruch von mehr als 50 Prozent erwarten, liegt bei zwölf Prozent.

Jeder siebte Unternehmensvertreter (14 Prozent) kann die Auswirkungen nach eigenen Angaben noch nicht einschätzen. Nicht alle Erwartungen liegen im roten Bereich. Jeder 20. geht davon aus, dass die Corona-Krise keine Auswirkungen auf den Erfolg haben wird. Vier Prozent der Befragten, also jeder 25. Firmenvertreter, geht sogar von einer Umsatzsteigerung aus.

Fast ein Viertel beklagt logistische Engpässe

Die Industrie- und Handelskammer Lahn-Dill hat die heimischen Firmen auch danach gefragt, welche Folgen die Corona-Pandemie im Detail für ihre Geschäftstätigkeit hat. Stärkste Auswirkung ist demnach die reduzierte Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen (71 Prozent). 42 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen sich gezwungen, ihre Investitionsplanungen zu kürzen.

„Ein Drittel der Unternehmen berichtet von Auftragsstornierungen durch Kunden“, berichtet die IHK weiter. Bei jedem vierten Unternehmen führt die Corona-Krise zur kompletten oder teilweisen Stilllegung der Produktion oder des Geschäfts. Weitere oft genannte Auswirkungen sind laut IHK logistische Engpässe (23 Prozent), fehlende Waren und Dienstleistungen (22 Prozent) oder ausfallende und fehlende Mitarbeiter (21 Prozent).

Acht Prozent der Firmen droht die Insolvenz

Von einer unmittelbar drohenden Insolvenz berichten hingegen nur acht Prozent der Unternehmen. „Dazu haben die finanziellen Unterstützungsmaßnahmen einen großen Beitrag geleistet“, kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Burghard Loewe.

Laut IHK komme es nun darauf an, diese Maßnahmen gezielt weiterzuentwickeln – gerade mit Blick auf besonders betroffene Branchen wie Gaststättengewerbe, Reisewirtschaft oder Veranstalter und Messedienstleister.

Drei Prozent wollen Mitarbeiter einstellen

Deutliche Folgen sind für den Arbeitsmarkt zu erwarten, sollten sich die derzeitigen Annahmen der Unternehmen bewahrheiten. Zwar möchte der Großteil der Umfrageteilnehmer (62 Prozent) das derzeitige Personal halten.

Drei Prozent planen sogar, mehr Mitarbeiter einzustellen. Mehr als jedes dritte Unternehmen (35 Prozent) erwartet jedoch derzeit einen Abbau von Personal. Was vielerorts zu sehen ist, spiegelt auch die IHK-Umfrage wider: Die Corona-Krise gibt der Digitalisierung einen mächtigen Schub.

Digitalisierung bekommt einen starken Schub

Sie steht bei der Frage nach den Reaktionen der Betriebe auf die Corona-Pandemie mit 39 Prozent an erster Stelle. An zweiter Stelle folgen Rationalisierungsmaßnahmen (37 Prozent).

Neben der Kurzarbeit und dem Abbau von Arbeitszeitkonten sind die Umstellung des Geschäfts auf andere Produkte, Kundengruppen oder Absatzmärkte (17 Prozent) und die Suche nach neuen Lieferanten für Vorprodukte und Dienstleistungen (16 Prozent) weitere Versuche, sinnvoll auf die neue Situation zu reagieren.

Loewe wirbt dafür, den Fokus jetzt auf das Wiedererstarken der Wirtschaft zu richten: „Alle Belastungen der Wirtschaft, die nicht dem erhöhten Gesundheitsschutz dienen, sollten nun dringend überdacht werden.“

Von unseren Redakteuren

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