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Hinterland Neuer Bürgermeister: Vom Polizeirevier ins Rathaus
Landkreis Hinterland Neuer Bürgermeister: Vom Polizeirevier ins Rathaus
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19:23 04.04.2022
Da fing alles an: Im vergangenen Jahr wurde Marco Schmidtke – hier mit Ehefrau Sabine und Sohn Julius – auf einer Veranstaltung der Freien Wähler als Bürgermeisterkandidat vorgestellt. (Archivfoto)
Da fing alles an: Im vergangenen Jahr wurde Marco Schmidtke – hier mit Ehefrau Sabine und Sohn Julius – auf einer Veranstaltung der Freien Wähler als Bürgermeisterkandidat vorgestellt. (Archivfoto) Quelle: Markus Engelhardt
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Dautphe

Der Alltag hat Marco Schmidtke wieder: Der 46-Jährige, der die Bürgermeisterwahl am 13. März in Dautphetal klar für sich entschieden hat, verrichtet noch seinen Dienst als Polizist in der Polizeistation in Biedenkopf. Im Interview blickt er zurück auf den Wahlkampf und nach vorne auf seine Amtszeit als Gemeindeoberhaupt, die am 1. August beginnt.

Herr Schmidtke, wie geht es ­Ihnen nach dem Wahlsieg?

Mir geht es sehr gut. Am Dienstagmorgen nach der Wahl sind meine Frau und ich für ein paar Tage an die Nordsee gefahren. Das hat sehr gutgetan und mir die Möglichkeit gegeben, den Wahlabend mit etwas Abstand sacken zu lassen. Ich hatte auch das Handy öfter mal ausgeschaltet, das war Erholung pur.

Vor der Wahl hatten Sie sicher einige stressige Wochen ...

Ich hatte im vergangenen Frühjahr, als die ersten Planungen losgingen, schon gesagt: Der Wahlkampf ist ein Marathon. Wer mal über diese Distanz gegangen ist, weiß, dass man sich die Kraft einteilen muss. Das habe ich getan, daher war ich noch nicht an meinem Limit.

Glauben Sie, dass die ­konse­quente Umsetzung Ihres Mottos „Schmidtke macht’s“ den Ausschlag für Ihren Wahlerfolg gegeben hat?

Das kann nur ein Teil gewesen sein. Da werden auch viele andere Elemente eine Rolle gespielt haben. Ich habe den Haustürwahlkampf bewusst zweimal gemacht.

Beim ersten Mal war mir von Anfang an klar, es als „Beigefreiter“ gegen einen Gegenkandidaten, der so erfahren und bekannt ist wie Lars Kolbe, nicht einfach zu haben. Deswegen musste ich eine Schippe zulegen und mich zunächst mal in allen Ortsteilen bekannt machen.

Und im zweiten Anlauf konnte ich thematisch ganz anders mit den Menschen sprechen und musste mich nicht mehr vorstellen. Das war angenehmer.

Ihr Marsch durch die Gemeinde scheint Ihnen Respekt eingebracht zu haben ...

Im ersten Teil auf jeden Fall – ich wusste, ich muss mich sehr anstrengen. Ich hatte mich ja entschieden, als parteiloser Kandidat mit Unterstützung der Freien Wähler in den Wahlkampf zu gehen. Ich hatte dabei den amtierenden Bürgermeister Bernd Schmidt im Rücken, aber ich habe immer gesagt: Den Haustürwahlkampf macht Marco Schmidtke allein. Das war mir wichtig.

Auf diese Weise kam ich direkt mit den Leuten ins Gespräch, ohne dass rechts und links von mir jemand gestanden hätte. Manche Gespräche dauerten bis zu einer halben Stunde, diese Zeit habe ich mir dann einfach genommen.

Wie haben Sie denn den ­Wahlabend empfunden?

Mit einem so deutlichen Ergebnis hatte niemand gerechnet, das war schon auch überwältigend. Zum Ende hin habe ich gemerkt, dass ein Wahlsieg wirklich möglich ist. Aber ich hatte mich auch auf den Fall eingestellt, als fairer Verlierer aus der Sache herausgehen zu müssen.

Als ein solcher hat sich Lars Kolbe übrigens an diesem Abend gezeigt, nachdem bereits der Wahlkampf sehr fair vonstattengegangen war. Unsere zukünftige Kommunikation wird genau so ablaufen.

Wie geht‘s jetzt weiter – was sind die nächsten Schritte?

Ich habe meine Dienststelle und das Polizeipräsidium Mittelhessen über den Ausgang der Wahl informiert. Alle Verwaltungs- und Personalvorgänge sind bereits eingeleitet. Mein Beamtenverhältnis wird nun für die kommenden sechs Jahre ruhen – bis zur Wiederwahl, die es dann hoffentlich gibt. Im Rathaus, meinem künftigen Arbeitsplatz, habe ich mich zum Teil schon vorgestellt.

Einige Mitarbeiter kenne ich ja schon längere Zeit, andere werde ich nun kennenlernen. Auch dort wird also bereits rege vorbereitet. Auch ich werde die anstehenden vier Monate nutzen, um mich akribisch vorzubereiten, damit am 1. August nicht zu viele Fragen offen sind.

Bernd Schmidt und ich werden gemeinsam zahlreiche Punkte klären, häufige Verwaltungsvorgänge, auch politische Abläufe, viele administrative Dinge. Es wird also einen fließenden Übergang geben, was laufende Projekte angeht. Ansonsten werde ich – wenn es der Dienst zulässt – jede Ausschuss- und jede andere Sitzung besuchen, an denen ich teilnehmen kann.

Wie ist Ihr Eindruck von der Gemeindeverwaltung?

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden mir den Start sehr einfach machen. Wir haben drei stark aufgestellte Fachbereiche. Ich stehe auch in Kontakt zum Bauhof, von dessen guter Arbeit ich mich als stellvertretender Ortsvorsteher von Dautphe bereits überzeugen konnte. Der direkte Austausch ist mir sehr wichtig, daran werden sich die Verwaltungsmitarbeiter gewöhnen müssen: Ich tauche immer wieder mal für ein Gespräch auf, wenn mein Zeitplan das zulässt.

Was werden die ersten Schritte sein, die Sie als Bürgermeister gehen?

Auf meinem Wahlplakat stand ja, dass ich als Parteiloser ein Bürgermeister für alle sein möchte. Es muss sich also niemand Sorgen machen, dass ich in Kürze der SPD, der CDU oder den Freien Wählern beitrete. Meine Parteilosigkeit möchte ich mir zunächst auf jeden Fall erhalten – ich sage mit Absicht „zunächst“, denn ich kann noch nicht abschätzen, was in drei oder vier Jahren passiert.

Auch Bernd Schmidt ist diesen Schritt irgendwann gegangen, er sitzt ja auch im Kreistag und hat ein Netzwerk aufgebaut. Ansonsten ist mir Bürgernähe sehr wichtig: Der Schmidtke wird versuchen, sämtliche Einladungen zu Veranstaltungen, Geburtstagen und Jubiläen selbst wahrzunehmen.

Von Markus Engelhardt