Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Virus reißt Loch in Thermenkasse
Landkreis Hinterland Virus reißt Loch in Thermenkasse
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:00 27.03.2020
Der Lahn-Dill-Bergland-Therme brechen infolge der Corona-Pandemie die Einnahmen weg.  Quelle: Archivfoto
Anzeige
Bad Endbach

Seit Mitte dieses Monats ist die einzige Therme im Landkreis geschlossen. Die Gemeinde Bad Endbach setzte damit eine Verfügung des Landes Hessen um, womit bei Nutzern eine Ansteckung mit dem Coronavirus im Bad- oder Sauna-Bereich verhindert werden sollte. Rund 180 000 Besucher zählt die Thermenleitung pro Jahr, nur seit dem 15. März keine mehr. Das vermindert die Einnahmen der Freizeiteinrichtung, die für die Hinterlandgemeinde schon seit der Eröffnung im Jahr 2009 ein Zuschussbetrieb darstellt.

Bürgermeister ruft zum Urlaub in der Region auf

Ihren jährlichen Beitrag hoffte die Gemeinde, durch die seit dem 1. Januar geltenden höheren Eintrittspreise auf jährlich 80 000 Euro zu senken. Nun kostet jeder geschlossene Monat die Gemeinde laut Bürgermeister Julian Schweitzer 200 000 Euro.

Anzeige

Ein Monat wird auf jeden Fall zu Buche schlagen, gilt doch die vom Land verfügte Schließung vorerst bis zum 19. April. Was danach folgt ist offen, die Gemeindeleitung rechnet aber mit einer längerfristigen Periode. „Wir werden nicht die Ersten sein, die wieder öffnen dürfen“, ist sich Schweitzer über die Einordnung von Badebetrieben im Klaren.

Derzeit wird das Beste aus der Situation gemacht, indem die erst im Mai vorgesehene Revisionswoche vorgezogen wird. Derzeit sind vorwiegend die Thermen-Mitarbeiter mit Reinigungs- und Revisionsarbeiten beschäftigt. Das eigene Personal liegt der Gemeinde auch besonders am Herzen. „Wir wollen als öffentlicher Arbeitgeber natürlich unsere Mitarbeiter möglichst halten“, bekennt Schweitzer. Das strebe die Gemeinde zumindest für zwei bis drei Monate an, wenn möglich auch durch eine Vereinbarung über das Auszahlen von Kurzarbeitergeld. Die Gemeinde hofft auch von den Hilfen des Landes und Bundes für ihren Eigenbetrieb zu profitieren, vor allem, wenn es zu einer länger andauernden Schließung kommt.

Aber die Therme ist nicht Schweitzers einziges Sorgenkind. Denn im Kneipp-Heilbad und Thermalheilbad Bad Endbach beginnen unter normalen Umständen Anfang April die umsatzstarken Monate. Dann öffnen die Kneipp-Anlagen, die ersten geführten Wanderungen starten und auf dem Flowtrail rasen die Mountainbiker hinab.

Aber wegen der Corona-Pandemie sind die Übernachtungsbetriebe geschlossen und infolge leidet auch das Gastronomiegewerbe. Derzeit werden die Buchungen in den Hotels, Pensionen und anderen Übernachtungsbetrieben storniert.

Deshalb erscheint das Erreichen der üblichen Übernachtungszahlen derzeit illusorisch. Laut Statistischem Landesamt verzeichnete Bad Endbach voriges Jahr rund 11 230 Ankünfte und 57 234 Übernachtungen. Vor diesem Hintergrund richtet Schweitzer einen Appell an die Menschen der Region, „in den kommenden Jahren vermehrt Urlaub vor der Haustür zu machen“.

Die Krise der Wirtschaftsbetriebe als Folge der Corona-Pandemie lehre doch, dass die lokalen Betriebe zu unterstützen seien, die lokalen und regionalen Strukturen mehr geschätzt und genutzt werden sollten. Zum Beispiel durch das Buchen eines einwöchigen Urlaubs in einer lokalen Herberge im Herbst oder Frühjahr, von wo aus Wanderungen und Radtouren im Naturpark Lahn-Dill-Bergland unternommen werden könnten mit einem Tagesabschluss in der Lahn-Dill-Bergland-Therme und ihrer Fünf-Sterne-Premium-Sauna.

Diese Vorgehensweise bietet sich laut Schweitzer auch „im Zusammenhang mit dem Klimaschutz und der Nachhaltigkeit in den kommenden Jahren an“.

Von Gianfranco Fain

Anzeige