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Hinterland Vier Fraktionen einig über Weg zum Ziel
Landkreis Hinterland Vier Fraktionen einig über Weg zum Ziel
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17:00 21.09.2020
Jacken und Turnbeutel im Flur einer Kindertagesstätte. Die Gladenbacher Fraktionen haben einen Kompromiss für den Ausbau der Kindergartenplätze vor Augen. Quelle: Foto: Daniel Naupold
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Gladenbach

„Wir ziehen alle an einem Strang und diesmal sogar in dieselbe Richtung.“ Edmund Zimmermann freut sich über die neue Entwicklung in der Gladenbacher Kommunalpolitik. Man habe erkannt, dass es so nicht weitergehen könne und etwas gemacht werden muss, meint der Vorsitzende der Grünen-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung. Schließlich werde stets davon gesprochen, Gladenbach für junge Familien attraktiv zu gestalten, schaffe aber die dafür notwendige Infrastruktur nicht.

Die notwendige Infrastruktur sind in diesem Falle Kindergartenplätze. Ende August informierte der Bürgermeister die Stadtverordneten über die aktuellen Zahlen. Demnach fehlen für das Kindergartenjahr 2020/2021 in den Tagesstätten der Stadt 102 Plätze, 48 für Kinder unter drei Jahren (U3) und 54 Plätze für Kinder über drei Jahren (Ü3).

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Man habe diese „dramatische Unterversorgung“ erkannt und sehe den dringenden Bedarf, sagt Klaus-Dieter Knierim von den Freien Wählern (FW), frage sich aber schon, wie diese „aus heiterem Himmel“ fallen konnte. Unabhängig von der noch zu erfolgenden Ursachenforschung ergebe ein gemeinsamer Schritt zur Lösung des Problems einen Sinn.

Von einer Situation, die in dieser Höhe nicht bekannt war, spricht Hans-Hermann Ullrich. Auch der CDU-Fraktionschef begrüßt, dass „wir uns zusammengerauft haben und den Bürgermeister dabei unterstützen wollen, der Situation Herr zu werden“. Aber Ullrich ist auch sicher, dass Gladenbach mehr Plätze benötigen wird, „als wir jetzt zu realisieren versuchen“.

Schon dieses „wird uns eine Menge Geld kosten“, meint Zimmermann. Aber dieses Geld sei gut angelegt für die weitere Entwicklung der Stadt. Den Beginn der neuen Einigkeit markiert ein Gespräch der Fraktionsspitzen und des Bürgermeisters Peter Kremer am 9. September. Dabei hätten die Teilnehmer ihre Positionen ausgetauscht und festgestellt, dass man in vielen Dingen einer Meinung sei.

Aus dieser Erkenntnis sei ein Grundsatzantrag entstanden, der nach Zimmermanns Meinung ein „ziemlich gutes Ergebnis“ darstellt, das aber auf Wunsch der Fraktionen in Nuancen noch verändert werden könne. Als Fundament dieses gemeinsamen Antrags sieht SPD-Fraktionschef Robby Jahnke den Antrag der Zählgemeinschaft aus SPD und FW zur Umwandlung des alten Bahnhofsgebäudes in eine Kindertagesstätte (OP berichtete). Auf dieser Basis wurde mit dem Bürgermeister ein Lösungsansatz vorbereitet, der „fast zu 100 Prozent angenommen wurde“. Jahnke betont aber, dass die SPD nicht nur eine Kindertagesstätte am Bahnhof sehe, sondern das gesamte Areal wichtig sei. So könne man sich vorstellen, dass dort auch ein größeres Gebäude oder ein Verkehrsgarten entstehen könne. Diese Idee will Jahnke heute im Jugendausschuss vorstellen.

Nach den Vorstellungen von Kremer und allen Fraktionen könnte aus dem Bahnhofsviertel ein neues Quartier entstehen. Denn neben der Sanierung des Bahnhofs und dem Kindergartenbau ist dort ein neuer Haltepunkt für den öffentlichen Nahverkehr, später eventuell auch für eine neue Bahnlinie sowie der Bau eines Alten- und Pflegezentrums geplant.

Mit dem Kindergarten-Thema befassen sich heute ab 18 Uhr der Jugendausschuss und ab 20 Uhr der Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung, jeweils im Großen Saal des Haus des Gastes.

Von Gianfranco Fain