Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Verkehrsverband will Salzbödebahn reaktivieren
Landkreis Hinterland Verkehrsverband will Salzbödebahn reaktivieren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:58 15.07.2020
Eine Machbarkeitsstudie soll beleuchten, ob die ehemalige Strecke der Salzbödebahn wieder belebt werden kann. Quelle: Archivfoto: Mark Adel
Anzeige
Gladenbach

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat eine Liste mit stillgelegten Bahnstrecken vorgelegt, deren Reaktivierung aus Sicht des VDV lohnt. Darunter ist auch die Salzbödebahn zwischen Hartenrod und Niederwalgern.

Gladenbach ist eins von 123 Mittelzentren in Deutschland, das nicht an eine Bahnlinie angeschlossen ist. „Der Anschluss an das Bahnnetz macht nicht nur den klimafreundlichen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) attraktiver, sondern ist – ähnlich wie der Anschluss an das Breitbandnetz – ein Qualitätsmerkmal für einen Wohn- und Wirtschaftsstandort“, sagt VDV-Präsident Ingo Wortmann.

Anzeige

Studie wegen Corona verschoben

Ähnlich argumentiert seit knapp zwei Jahren der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU). Gemeinsam mit der Kurhessenbahn und den Anliegerkommunen will er prüfen, ob eine Reaktivierung der Strecke lohnt. Ein Vorgutachten fiel positiv aus, doch genauere Erkenntnisse soll eine intensive Machbarkeitsstudie bringen.

Die sollte eigentlich schon in Arbeit sein. Doch die Corona-Pandemie habe die eigentlich für April oder Mai vorgesehene Ausschreibung verzögert, erklärt Zachow auf Nachfrage. Kreis und Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) arbeiten für die Studie zusammen. Der dafür nötige Kooperationsvertrag liege aktuell noch beim RMV. In wenigen Wochen solle dann aber die Ausschreibung beginnen und ein Büro gesucht werden. „Zwischen Herbst 2021 und Ostern 2022 rechnen wir mit Ergebnissen“, erklärt der Vize-Landrat. „Das wäre immer noch Rekordzeit, wenn man bedenkt, dass wir erst 2017 mit den ersten Gesprächen begonnen haben.“

Ziel sei „eine möglichst gute Entscheidungsgrundlage“, ob Personenverkehr lohnt und die Strecke genutzt werden würde. 1995 rollte der letzte Zug durchs Salzbödetal. Die Vorstudie sieht durchaus Potenzial, sagt aber auch aus, dass eine Reaktivierung kein einfaches Unterfangen wird – wenn auch nicht so kompliziert wie zunächst befürchtet.

Die größten Hindernisse sind demnach überbaute Bahndämme in Erdhausen und Lohra. Für unüberwindbar halten die Planer das aber nicht. Zum Teil sind auch Verlegungen der bisherigen Trassenführung möglich. Die Brücken, etwa das Viadukt bei Bad Endbach, seien hingegen in einem guten Zustand. Das besagen zumindest Gutachten der Bahn. Das Hartenroder Viadukt wird für eine Reaktivierung nicht benötigt.

Die Vorstudie sieht vor, dass Haltestellen teils verlegt werden, damit sie besser erreicht werden können. In Bad Endbach wird eine neue Haltestelle an der Therme vorgeschlagen. Die Machbarkeitsstudie soll wesentlich genauer werden, ist aber teuer: Die Kosten werden auf bis zu 120 000 Euro geschätzt und auf Landkreis und RMV aufgeteilt.

Von Mark Adel

15.07.2020
13.07.2020