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Hinterland Acht Monate auf Bewährung
Landkreis Hinterland Acht Monate auf Bewährung
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00:17 01.06.2019
Wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung mussten sich zwei Männer vor dem Amtsgericht in Biedenkopf verantworten.  Quelle: Archivfoto
Biedenkopf

Zu der angeklagten gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung gab es recht unterschiedliche Erinnerungen und Wahrnehmungen der Beteiligten.

Angeklagt waren ein zur Tatzeit 19-Jähriger und sein 38-jähriger Onkel. Im August 2017, morgens gegen 5.45 Uhr, war es vor einer Gaststätte in der Biedenkopfer Hainstraße zu einer Auseinandersetzung gekommen. Die Angeklagten sollen auf einen Mann eingeschlagen und ihn getreten haben.

Bei der Beweisaufnahme räumte der zur Tatzeit stark alkoholisierte jüngere Beteiligte diese Vorwürfe ein, einschließlich der Tritte gegen die Autotür der Verlobten des Geschädigten.
Auch auf den Beruhigungsversuch seines zufällig vorbeikommenden Onkels und dessen Ehefrau habe er nicht reagiert, gab er zu.

Unterschiedliche Wahrnehmungen der Betroffenen gab es bei der Beweisaufnahme aber über die Beteiligung des älteren Angeklagten.

Dieser sagte aus, dass er nur die Situation habe entschärfen wollen. Zudem ­habe er nach dem vergeblichen Versuch den Heimweg angetreten. Weder habe er den Mann geschlagen noch getreten und auch nicht angefasst.

Der als Zeuge geladene Geschädigte sagte aus, dass er zuerst von dem Älteren geschlagen worden sei. Erst später habe er auch von dem Jüngeren weitere Schläge erhalten. Auch hätten die beiden Angeklagten ihn aus dem Auto seiner Verlobten gezerrt und danach erneut auf ihn einprügelt.

Onkel aus Mangel an Beweisen freigesprochen

Diese Version bestätigte auch die Verlobte des Opfers bei ihrer Vernehmung. Dabei sagte sie aus, dass der ältere Angeklagte sie in den Bauch geschlagen habe. Eine spätere Fehlgeburt führte sie auf diese Schläge zurück.

Die Ehefrau des älteren Angeklagten wiederum schilderte­ den Sachverhalt analog zu ­ihrem Mann und führte aus, dass sie genau gesehen habe, wie der Geschädigte seine Verlobte ins Gesicht und in den Bauch ­geschlagen habe.

Diese­ Version wurde durch weitere Zeugen gestärkt, die aber im sonstigen Verlauf der Verhandlung immer wieder auf ihre ­Erinnerungslücken hinwiesen.

Das bei der ersten Verhandlung von der Ehefrau des älteren Angeklagten ins Spiel gebrachte Handyvideo konnte doch nicht zur Wahrheitsfindung beitragen, da das Handy nicht mehr auffindbar war.

Die Vernehmung eines Zeugen, der im Gegensatz zu fast allen Beteiligten nicht alkoholisiert war, machte deutlich, dass nur der jüngere Angeklagte im Bereich des Tatortes gewesen sei.

Aufgrund der sehr widersprüchlichen Aussagen, der Erinnerungslücken und des sehr starken Alkoholgenusses der Beteiligten hielt Oberamtsanwalt Jürgen Noll den Tatvorwurf gegen den älteren Angeklagten nicht aufrecht und forderte Freispruch aus Mangel an Beweisen.

Für den jüngeren Angeklagten, der die ihm vorgeworfenen Taten umfänglich einräumte, forderte der Vertreter der Staatsanwaltschaft, unter Einbeziehung einer vorherigen Strafe eine Bewährungsstrafe von acht Monaten. Zudem beantragte er eine Geldstrafe in Höhe von 2.000 Euro.

Dieser Forderung schloss sich die Richterin Alexandra Hille in vollem Umfang an. „Man vertraut auf Sie“, sagte sie dem Angeklagten, nachdem beide Parteien das Urteil als rechtskräftig anerkannt hatten.

von Erich Frankenberg