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Hinterland Urteil: Gemeinnützige Arbeit und Schmerzensgeld
Landkreis Hinterland Urteil: Gemeinnützige Arbeit und Schmerzensgeld
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20:00 06.12.2021
Vor dem Amtsgericht Marburg mussten sich zwei 21-Jährige verantworten.
Vor dem Amtsgericht Marburg mussten sich zwei 21-Jährige verantworten. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Der Abend in einer lokalen Diskothek in Lohra im November des Jahres 2018 sollte einigen an der Schlägerei beteiligten Personen für längere Zeit im Gedächtnis bleiben. An besagtem Abend soll der jetzige inzwischen 19-jährige Nebenkläger von einem der beiden heute 21-jährigen Angeklagten zu Boden geschlagen worden sein, nachdem er einem seiner Freunde bei einer Schubserei vor der Diskothek „Dancing Club Tal“ in Lohra zur Hilfe geeilt sei (die OP berichtete).

Der Geschädigte sei laut eigener Aussage auf dem Nachhauseweg gewesen, als er den Streit zwischen seinem Freund und einem der Angeklagten mitbekam. Als er dazwischengehen wollte, habe er einen Schlag abbekommen, sei zu Boden gefallen und war kurze Zeit bewusstlos, sodass er sich erst wieder erinnern konnte, als er auf der Treppe im Eingangsbereich der Diskothek voll zu sich kam.

Die physischen sowie psychischen Folgen für den Nebenkläger beschäftigten ihn bis heute. Er leide seit dem Vorfall unter Hörproblemen, auch von Beklemmungsgefühlen war die Rede.

Die Verteidigung der beiden Angeklagten beschreibt den Vorfall anders: So soll einer der beiden 21-Jährigen zuerst von dem Geschädigten geschlagen worden sein und daraufhin versucht haben, sich zu wehren. Der zweite Angeklagte soll hinzugekommen sein und den Geschädigten geschlagen haben, um Ersterem zu helfen.

Nachdem im Laufe der nunmehr beiden Verhandlungstage mehr als ein Dutzend Zeugen vernommen wurden sind, fiel gestern das Urteil vor dem Amtsgericht in Marburg.

Zuvor sprachen vier weitere Zeugen, darunter zwei Polizeibeamte sowie ein Security-Mitarbeiter. Die Polizeibeamten wurden zur Vorgehensweise bei der Vernehmung der Zeugen befragt, um eventuelle Ungereimtheiten, die während der Vernehmung auf dem Polizeirevier entstanden sein könnten, auszuschließen. Der Mitarbeiter der Security-Firma schilderte den Tathergang aus seiner Sicht.

Die Verteidigung der beiden jungen Männer plädierte jeweils auf Freispruch aufgrund von Notwehr, während die Staatsanwaltschaft den Schlag, der den Nebenkläger zu Boden brachte, als „lebensgefährdende Handlung“ beschrieb. Ein Vertreter der Jugendgerichtshilfe sprach sich positiv für die beiden Angeklagten aus und schlug eine Geldstrafe im Rahmen des Jugendstrafgesetzes vor.

Die beiden Angeklagten wurden wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung zu 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit beziehungsweise zu einer Zahlung von 300 Euro an die Suchthilfe Fleckenbühl in Schönstadt verurteilt. Zudem ist von beiden Angeklagten jeweils ein Schmerzensgeld in Höhe von 4 000 Euro an den Nebenkläger zu zahlen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Larissa Pitzen

06.12.2021
05.12.2021