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Hinterland Angeklagter gesteht unter Tränen
Landkreis Hinterland Angeklagter gesteht unter Tränen
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13:58 13.01.2021
Wegen Besitzes hunderter kinderpornografischer Dateien ist ein Mann nun verurteilt worden.
Wegen Besitzes hunderter kinderpornografischer Dateien ist ein Mann nun verurteilt worden. Quelle: Themenfoto: Nadine Weigel
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Biedenkopf

Weil er 237 kinderpornografische Fotos und sechs Videos auf seinen Handys hatte, hat das Biedenkopfer Amtsgericht einen 38-jährigen Mann zu zehn Monaten Haft, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt. Der Mann, der während der Verhandlung wiederholt in Tränen ausbrach, hat den Besitz des Materials vollständig zugegeben.

Polizei erhielt Tipp aus USA

Laut Staatsanwaltschaft sind auf einem Teil der Bilder Erwachsene zu sehen, die sexuelle Handlungen an Kindern vornehmen. Neben den kinderpornografischen Dateien habe der Mann auch noch pornografische Bilddateien und fünf Videos mit Jugendlichen besessen.

Auf den Mann aufmerksam geworden war die Polizei durch einen Hinweis des amerikanischen „National Center for Missing & Exploited Children“, wie ein Polizeibeamter vor Gericht aussagte. Die amerikanische Organisation kümmert sich um vermisste und missbrauchte Kinder und arbeitet weltweit mit Ermittlungsbehörden zusammen. Die Organisation war darauf gestoßen, weil der Mann via Instagram kinderpornografische Bilder verbreitete. Im Dezember 2019 habe die Polizei dann die Wohnung des Mannes durchsucht und dabei unter anderem die zwei Handys sichergestellt, auf denen sich das kinderpornografische Material befand. Der Angeklagte habe bei der Durchsuchung kooperiert und seine Passwörter genannt, so der Beamte.

Bei der Vernehmung habe der Mann den Tatvorwurf eingeräumt. Er habe ausgesagt, dass er einen Instagram-Account gehabt, zunächst nach Erwachsenen-Pornografie gesucht habe und dann in einer Gruppe angesprochen worden sei, ob er Kinderpornografie besitze. „Er hatte keine und hat dann über Google und Instagram gesucht, um die Bilder zu tauschen“, berichtete der Polizist, wies aber darauf hin, dass man auf Google „nicht so einfach“ Kinderpornografie suchen könne.

Denn die Seiten seien gesperrt. Der 38-jährige Angeklagte, der ohne Anwalt vor Gericht erschienen war, zeigte sich geständig. „Ja, ich hatte das auf dem Handy“, sagte der Mann, „ich habe mich schuldig gemacht. Das ist nicht gut zu machen. Das ist eine Schweinerei, die ich gemacht habe.“ Er habe Bilder geschickt bekommen und auch selbst danach im Internet gesucht, die Bilder abgespeichert und behalten. „Aber ich habe nie ein Kind angefasst. Das mache ich nicht“, so der Mann.

„Aber ein anderer Mann hat ein Kind missbraucht. Und Sie haben die Bilder verherrlicht“, hielt Richterin Maja Schlenzig dem Angeklagten vor. „Sie haben es nicht selbst gemacht. Aber Sie tragen dazu bei, dass Kindern solche Dinge passieren.“

Er habe sich nichts dabei gedacht, sagte der 38-Jährige, räumte dann aber ein: „Ich habe gewusst, was da passiert. Aber es war in dem Augenblick für mich ein Bild und nicht von mir.“

Die Richterin erklärte: „Es drängt sich die Frage auf, ob Sie eine sexuelle Neigung auf Kinder haben.“ Der Angeklagte wies das zurück und betonte erneut, dass er „nie ein Kind anfassen“ würde. Die Richterin hakte nach: „Es ist eine Vielzahl von Bildern. Und hier ist kein Zweifel, dass das Kinder sind.“ Der Angeklagte müsse sich dem, was er gemacht habe, stellen. „Das normale Gefühl sollte sein, dass man es abstoßend findet und sich am liebsten an den Ort beamen würde, um das Kind da rauszuholen“, sagte die Richterin.

Sie fragte auch: „Und wenn es Ihr Kind wäre?“ Soweit habe er nicht gedacht, antwortete der Angeklagte, der selbst keine Kinder hat, aber aussagte, dass ihm seine Familie sehr wichtig sei. Er lebe inzwischen in einer Beziehung. Seine Freundin wisse nichts von den kinderpornografischen Bildern, die er auf seinem Handy hatte. „Ich kann ihr das nicht sagen“, sagte der Mann unter Tränen.

Heute finde er es „abstoßend und eklig“, dass er damals die Bilder gesucht und behalten habe. Er habe auch versucht, das ein Stück weit wieder gutzumachen. Er habe für ein Kinderhospiz und das DRK gespendet. „Ich weiß, man kann das nicht gutmachen“, sagte der 38-Jährige, „ich würde es gerne rückgängig machen, aber ich kann es nicht.“

Dass der Mann umfassend geständig war, Reue zeigte und versucht hatte, durch Spenden den Schaden ein Stück weit gutzumachen, werteten sowohl der Vertreter der Staatsanwaltschaft als auch das Gericht zu seinen Gunsten. Zudem hatte der Mann keine Vorstrafen. Seine Sozialprognose sei positiv. Er sei in Arbeit und habe eine Partnerin. Allerdings seien 237 kinderpornografische Bilder und sechs Filme eine enorme Zahl, das betonten sowohl der Vertreter der Staatsanwaltschaft als auch Richterin Schlenzig. Die Staatsanwaltschaft forderte ein Jahr Haft für den Mann, auszusetzen auf drei Jahre zur Bewährung. Er solle eine Geldauflage von 1000 Euro zahlen und vier Gespräche mit einem Sexualtherapeuten führen. Ziel sei dabei, zu schauen, was genau der Hintergrund für das lange Behalten der Bilder gewesen sei.

Das Gericht blieb letztlich etwas unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Richterin Schlenzig verurteilte den 38-Jährigen zu zehn Monaten Haft, auszusetzen auf drei Jahre zur Bewährung. Er muss 1 000 Euro an den Kinderschutzbund zahlen und vier Gespräche mit einem Sexualtherapeuten führen. „Die Einsicht und Reue nehme ich ihm ab“, sagte die Richterin. Sie riet dem Mann eindringlich, die Unterstützung, die der Bewährungshelfer ihm in den kommenden drei Jahren bieten werde, auch tatsächlich anzunehmen.

Von Susan Abbe