Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Jeden Monat kommt ein Kistchen mit Baby-Sachen
Landkreis Hinterland Jeden Monat kommt ein Kistchen mit Baby-Sachen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:58 05.01.2021
„Kükenkistchen“ heißt das Online-Angebot der Gladenbacher Beatrix und Sven-Andreas Freibert.
„Kükenkistchen“ heißt das Online-Angebot der Gladenbacher Beatrix und Sven-Andreas Freibert. Quelle: Screenshot/Montage: Tobias Hirsch
Anzeige
Gladenbach

Wie viel Kleidung braucht man eigentlich für ein Baby, in welchem Alter ist ein Strampler oder ein Zweiteiler sinnvoll – und welche Babykleidung ist wirklich haltbar? „Das ist ganz schön schwierig für Eltern, wenn man sich vorher damit noch nicht beschäftigt hat“, meint Dr. Beatrix Freibert. Die 36-Jährige aus Gladenbach hat zwei kleine Töchter, die größere ist drei Jahre alt, die jüngere fünf Monate. Die eigenen Erfahrungen als Eltern hat sie und ihren Mann Dr. Sven-Andreas Freibert (37) auf die Idee gebracht, ein Unternehmen zu gründen: „Kükenkistchen“ heißt das Online-Angebot der Gladenbacher.

Das Prinzip kennen viele Kunden schon: Sie können ein Abo abschließen und erhalten dann regelmäßig ein Paket oder eine Kiste, zum Beispiel mit Lebensmitteln. Kükenkistchen bietet stattdessen Babybekleidung, Milchpulver und Windeln im Abo an. Das Angebot sei etwas wirklich Neues, sagt Beatrix Freibert, und das sei auch herausfordernd: „Die Kunden kennen es noch nicht, das Konzept muss sich erst noch etablieren.“

Eigentlich ist sie Lehrerin für Mathematik und Latein. Für ihr Studium waren die Freiburgerin und ihr Mann, der aus dem Schwarzwald stammt, nach Marburg gekommen, inzwischen wohnen sie mit den Kindern in Gladenbach. Sie hat in klassischer Philologie promoviert, er in Biochemie. Das sind nicht die typischen Studienfächer für Gründer einer Firma für Baby-Bekleidung. Im Nebenjob hat sie aber auch schon im Bekleidungshandel gearbeitet, außerdem kommen sie und ihr Mann aus Unternehmerfamilien. „Es macht Spaß, selbstständig zu arbeiten“, sagt Beatrix Freibert, und deshalb habe sie die Sicherheit im Beruf der Lehrerin gegen die „totale Unsicherheit“ getauscht, „weil’s mich einfach gekitzelt hat“.

Im September 2019 begannen sie, ihre Idee umzusetzen – mit Fördermitteln der Europäischen Union und des Landes Hessen aus dem Leader-Programm, das den ländlichen Raum stärken soll. Bis aus der Idee der fertige Online-Shop wurde, dauerte es fast ein Jahr. „Dahinter steckt sehr viel Arbeit, deshalb hat es so lange gedauert“, sagt die Unternehmensgründerin.

Kükenkistchen verspricht haltbare Kleidung

Denn sie hätten für jeden Monat ein Kistchen im Detail geplant – und zwar so, dass die Eltern mit unterschiedlich großen Babys und unterschiedlich langer Laufzeit einsteigen können. Programmiert hat die Seite die Firma K-I-Sys (Kirchner Informationssysteme) aus Dautphetal, die Boxen hat die Werbeagentur Provinzglück aus Gladenbach gestaltet. Seit Juli ist die Seite kuekenkistchen.de nun online, es war ungefähr zeitgleich zur Geburt der zweiten Tochter. Das Unternehmen steckt sozusagen auch noch in den Kinderschuhen – 15 Kunden haben bisher Abos abgeschlossen.

Kükenkistchen bietet Baby-Bekleidung in Größe 56 bis 86 wie Strümpfe, Schlafanzüge, Hosen, Jäckchen und Unterwäsche im Abo an – nur Schuhe und Jäckchen für draußen sind nicht dabei. Die Kleidung, die die Freiberts bei den Herstellern kaufen und vom eigenen Lager aus verschicken, sei qualitativ hochwertig, unter strengsten sozialen und ökologischen Standards gefertigt und haltbar, sagt Beatrix Freibert: „Die Sachen sehen auch beim zweiten oder dritten Kind noch gut aus – wir wollten weg von dieser Wegwerf-Mentalität.“ Kunden können die Kükenkistchen für sechs, zwölf oder 18 Monate abonnieren. Außerdem gibt es Windeln in Größe 1 bis 6 und Milchpulver – dieses Angebot ist monatlich kündbar.

Großeltern und Paten können Abos verschenken

Die Preise liegen zwischen 9 Euro monatlich für Strümpfe der günstigsten Preisstufe „Essentials“ und 319 Euro für ein Abo der Stufe „Premium“, das die komplette Bekleidung (außer Schuhen und Jacken für draußen) enthält. Kükenkistchen will mit dem Angebot auch Großeltern, Paten und Teilnehmer von Baby-Partys ansprechen, die nicht genau wissen, was sie für das Kind kaufen sollen. Sie können dem Baby ein Abo zum Beispiel für Strümpfe oder Oberbekleidung schenken.

Die Eltern können dann aussuchen, welche Strümpfe das Kind bekommt. Denn die Kistchen sind keine Überraschungsboxen, stellt Beatrix Freibert klar – vorgegeben ist nur die Bekleidungsmenge. Und die hat sie sozusagen empirisch ermittelt: „Ich habe einfach andere Mütter gefragt, wie die Erfahrungswerte sind – die sind wirklich sehr ähnlich“, erzählt sie. „Wir überschütten aber die Leute nicht mit Sachen. Man braucht keine zehn Strampler, drei reichen erst einmal. Wer mehr braucht oder möchte, kann das selber noch kaufen.“

Von Stefan Dietrich

03.01.2021