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Hinterland Frühjahrsputz kann teuer werden
Landkreis Hinterland Frühjahrsputz kann teuer werden
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10:58 20.03.2021
Illegal entsorgte Autoreifen liegen in einem Waldstück an einer Bundesstraße. Manche Menschen schmeißen ihren Abfall nach Corona-bedingtem Ausmisten und Aufräumen in heimischen Gärten, Kellern und Dachböden einfach in die Natur (Themenfoto).
Illegal entsorgte Autoreifen liegen in einem Waldstück an einer Bundesstraße. Manche Menschen schmeißen ihren Abfall nach Corona-bedingtem Ausmisten und Aufräumen in heimischen Gärten, Kellern und Dachböden einfach in die Natur (Themenfoto). Quelle: Philipp Schulze/dpa
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Dautphetal

Leere Kaffeebecher und volle Plastiktüten, pfandfreie Getränkedosen und ausgemusterte Auto­reifen, aber auch Bauschutt und Sperrmüll – über Abwechslung können sich die Mitarbeiter der Dautphetaler Gemeindeverwaltung nicht beklagen, die jenen Müll entsorgen müssen, den andere achtlos in die Natur geworfen haben.

Doch so kurios manches anmutet, was an vielen Stellen in der Gemarkung die Landschaft verschandelt, so wenig lustig ist die Situation, wenn man sie aus Sicht des Naturschutzes und jener Menschen betrachtet, die sich damit zu befassen haben. „Es ist einfach unverständlich“, befindet Stefan Reisch, Leiter des Fachdienstes Bürgerservice und Ordnung.

Das kann richtig teuer werden

„Statt beispielsweise Sperrmüll kostenfrei zu Hause abholen zu lassen, laden einige ihn auf einen Anhänger und fahren ein gutes Stück, um ihn dann im Wald abzuladen.“ Das ist ein Vorgehen, das nicht nur unnötige Arbeit macht und teils durchaus Schaden anrichtet, sondern auch richtig teuer werden kann.

Denn wer erwischt oder ausfindig gemacht wird, wird zur Kasse gebeten, daran lässt Reisch keinen Zweifel: „Bei Fast-Food-Resten, die man links und rechts der Gehwege findet, mag es um eine Ordnungswidrigkeit gehen. Aber bei größerem Müll oder gar einer Gefährdung der Gewässer reden wir von einer Straftat.“ Der Fachdienst erstattet dann Anzeige und schaltet die Untere Wasserbehörde und das Regierungspräsidium in Gießen ein.

Detektivarbeit, um Besitzer zu finden

Um den Umweltsündern auf die Spur zu kommen, leisten die Mitarbeiter des Fachdienstes regelrechte Detektivarbeit: Sie wühlen sich ­buchstäblich durch den Unrat, um mögliche Hinweise auf dessen Besitzer zu finden, erläutert Reisch. „Das alles ist personal- und kostenintensiv“, sagt er. „Und in den vergangenen Wochen stellen wir fest, dass solche Fälle von illegaler Müllablagerung häufiger werden.“

Das treffe vor allem für größere Ablagerungen wie Bauschutt, Haus- und Sperrmüll oder Reifen zu, bestätigt sein Kollege David Reinl. „Letztendlich müssen die durch diese Handlungsweisen entstandenen Entsorgungskosten durch jeden einzelnen Steuerzahler getragen werden“, stellt er klar.

Auch Sondermüll ist zu finden

Die Palette der Müll­ansammlungen, mit denen sich der Fachdienst und die Mitarbeiter des kommunalen Bauhofs auseinandersetzen müssen, ist in der Tat bunt: „Grundsätzlich werden einzelne Gegenstände, wie zum Beispiel Kaffeebecher, Zigarettenkippen oder Dosen, regelmäßig und achtlos in der Natur entsorgt“, zählt Reinl auf, „und zwar an Feldwegen, in unseren Wäldern und natürlich auch an den Bundes-, Landes- und Kreisstraßen.“

Auch Sondermüll sei zu finden, ergänzt Reisch und nennt unter anderem Farben und Lösungsmittel: „Diese befinden sich in nicht mehr ganz fabrikneuen Behältern, weswegen die Gefahr besteht, dass sie heraussickern und die Umwelt gefährden.“ Sogar Plastiktüten voller menschlicher Fäkalien haben die Fachdienst-Mitarbeiter gefunden. Besonders absurd: Die Tüten hingen in Bäumen.

Es bestehen kostenfreie Entsorgungsmöglichkeiten

Was da also achtlos in die Landschaft geworfen wird, ist sehr unterschiedlich – aber eines haben alle illegalen Müllhaufen gemeinsam: „Diese Arten der Entsorgungen müssen nicht sein, zumal kostenfreie Entsorgungsmöglichkeiten bestehen“, fasst Reinl zusammen.

Für Bauschutt gebe es einen gemeindlichen Container, auf den regelmäßig in der Dautphetaler Wochenzeitung hingewiesen werde. Elektroschrott werde von der Firma Integral abgeholt. Und die Abholung von Sperrmüll sei ein- bis zweimal pro Jahr über den Müllabfuhrzweckverband Biedenkopf möglich.

Frühjahrsputz mit Konsequenzen

Darüber, weshalb sich in den vergangenen Wochen offenbar mehr und mehr Dautphetaler dazu hinreißen lassen, Wald und Wiesen zuzumüllen, können beide Gemeindemitarbeiter nur Mutmaßungen anstellen. Vielleicht nutzen einige in Zeiten von Social Distancing und Homeoffice die Zeit, um die Wohnung zu entrümpeln oder zu renovieren. „Frühjahrsputz, der aber sehr ärgerliche Konsequenzen hat“, meint Reisch.

Er erinnert daran, dass der Fachdienst Bürgerservice und Ordnung auf die Mithilfe der Einwohner der Gemeinde angewiesen ist, um Umweltsünder zur Rechenschaft zu ziehen. Wer Hinweise hat oder illegale Müllablagerungen entdeckt, kann sich an die Verwaltung wenden oder die entsprechende Funktion der App nutzen, die die Gemeinde kostenlos anbietet.

Von Markus Engelhardt

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