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Hinterland Die Grenzgangs-Wettläufer im Porträit
Landkreis Hinterland Die Grenzgangs-Wettläufer im Porträit
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10:00 27.07.2019
Entspannung nach den harten Trainingseinheiten findet Wettläufer Timo Hanikl beim Angeln.  Quelle: Erich Frankenberg
Biedenkopf

Sich intensiv für die Traditionspflege einzusetzen, war für Timo Hanikl schon immer ein Anliegen. Als erster Schriftführer bei den Burschen der „Owwastärra“ setzte er diese Leidenschaft bereits beim Grenzgang 2012 um. Aber auch als Mädchenführer verdiente­ sich Timo Hanikl 2012 die ­Anerkennung der „Owwastärra Maracher“ und der Bevölkerung. Dort hat er das genossen, was ihm am meisten gefällt: die Gemeinschaft und die Geselligkeit unter Gleichgesinnten.

Der 25-Jährige ist ein passionierter Sportler. Denn neben dem in früheren Zeiten aktiven Fußball- und Tennisspiel stand auch das Lauftraining schon immer im Mittelpunkt seiner Aktivitäten. Schon bei seinem Eintritt in die traditionsreiche Burschenschaft 2010 stellte er Überlegungen an, wie er sich weiterhin in repräsentativer Form in die ­Gemeinschaft der Grenzgänger­ einbringen kann. Im Laufe der vergangenen sieben Jahre ­habe sich dieses Vorhaben verfestigt und letztendlich in dem Wunsch, einmal Wettläufer zu werden, geäußert.

Wettläufer-Veteranen helfen bei der Vorbereitung

Trotz des Privilegs der ­„Owwastärra“ Burschenschaft, ­einen der beiden Wettläufer zu stellen, musste sich Hanikl gegen einen Mitbewerber aus den eigenen Reihen durchsetzen, was ihm auch gelang. Von nun an stand intensives Training auf dem Plan. Dabei standen ihm die Trainer Björn Breidenstein, Wettläufer des Grenzganges 1998, und der 79-jährige Günter Waldert, Wettläufer von 1963 mit Rat und Tat zur Seite (die OP berichtete).

Im Laufschritt, unterbrochen von zahllosen Peitscheneinsätzen, die eine gute­ Kondition und Muskelkraft verlangen, ging es über die drei Grenzgangstrecken. Daneben wurden die beiden Wettläufer in die Geheimnisse der Peitsche eingeweiht.

Abgerundet wird das Programm durch Besuche bei den Veranstaltungen der Burschenschaften und Männergesellschaften sowie anderer Termine. Diese bezeichnet Timo ­Hanikl als „angenehme Pf1licht“. Besonders erfreulich sei der Besuch bei der Informationsveranstaltung des Grenzgangvereins für ausländische Mitbürger gewesen, sagt der Wettläufer.

Große Freude auf das nahende Fest

Entspannung nach den harten Trainingseinheiten findet Hanikl beim Angeln. Als Mitglied des Fischereivereins Biedenkopf genießt er die Ruhe in der Natur und am Wasser. Nach dem Abitur schloss ­Hanikl erfolgreich eine Ausbildung zum Biologielaboranten­ ab. Derzeit absolviert er ein ­berufsbegleitendes Studium auf dem Weg zum Bachelor in der Biopharmazie.

Auch bei Wettläufer Steffen Roemer knallt die Peitsche laut und lange: Der Wettläufer trainiert kräftig, um auf den Punkt fit zu sein für den Grenzgang vom 15. bis 17. August. Nicht nur das Knallen und die Pflege der Peitsche wollen geübt sein, auch das Leichtathletik- und Krafttraining bestimmt die Vorbereitungszeit.

Der 26-Jährige wird gemeinsam mit Hanikl während der drei Grenzgangstage die Biedenkopfer Grenze nicht nur einmal ablaufen – sie werden die dreifache Strecke zurücklegen, weil sie an verschiedenen Stellen im Zug der Grenzgänger ­ihre Auftritte haben.

Der Wunsch, dieses hoch angesehene Amt einmal anzustreben, rückte für Roemer von der Burschenschaft Billerbach im jugendlichen Alter ins Bewusstsein. Da habe er verstanden, was Tradition und Grenzgang ist, und was dies für die Bevölkerung bedeute, erzählt der Wettläufer. Am meisten gefällt Roemer am Grenzgang der Zusammenhalt in der Bevölkerung. Hautnah erlebe er zurzeit bei den Besuchen der Männergesellschaften und Burschenschaften die große Freude auf das nahende Fest.

Vater dient Roemer als Vorbild

Aber auch bei den Besuchen in Seniorenbegegnungsstätten,­ Seniorenheimen oder bei anderen Anlässen werde den Wettläufern viel Sympathie entgegengebracht. Der Wunsch, dieses Amt einmal auszuüben, verfestigte sich bei Roemer vor allem durch viele Gespräche mit seinem Vater Michael und dessen Erfahrungsberichte. Denn der war beim Grenzgang 1991 selbst einmal Wettläufer.

Um den Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen, stellte sich Steffen Roemer bereits vor sieben Jahren zur Wahl. Die sei aber für ihn zu früh gekommen, wie er unumwunden einräumt. Auch diesmal musste sich der „Billerbächer“ bereits einer Vorwahl gegen weitere Mitbewerber aus anderen Burschenschaften stellen, wobei er sich am Ende durchsetzte.

Sportlich ist der Wettläufer, der ein BWL-Studium absolviert hat, schon immer gewesen. Dabei reicht die Palette seiner Aktivitäten vom Mountainbikefahren, Joggen und dem allgemeinen Fitnesstraining bis hin zum Tischtennis. Dem Spiel mit dem kleinen Ball widmet sich Roemer beim TV Biedenkopf. Doch während der Grenzgangszeit müssen seine Sportkameraden auf ihn verzichten. Auf jeden Fall austrainiert wird er danach in den Kreis seiner Mitspieler zurückkehren.

von Erich Frankenberg