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Hinterland Hund Jack ist wieder zu Hause
Landkreis Hinterland Hund Jack ist wieder zu Hause
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18:00 04.09.2019
Symbolfoto: Ein Border Collie wie dieser war etwa eine Woche lang verschwunden.  Quelle: Maurizio Gambarini
Breidenbach

„Ich freue mich, dass ich ihn wieder bei mir ­habe“, berichtet Hundebesitzer­ Peter Waldhardt. Ein Mann und eine Frau haben ihm seinen Hund vorbeigebracht. Nähere Umstände seien ihm „nur vom Erzählen bekannt“, teilt er weiter mit, ohne weitere Details zu nennen. Sein Hund Jack sei zunächst zurückhaltend gewesen, doch: „Er taut jetzt langsam wieder auf.“

Die Haltung von Jack hatte ­einen Proteststurm im sozialen Netzwerk Facebook ausgelöst: Auf den Seiten „Spotted Biedenkopf“ und „Hundehilfe Hinterland“ war thematisiert worden, dass der 15 Jahre alte Hund im Zwinger lebt, und dass sich dieser in einiger Entfernung zum Wohnhaus des Halters befindet. Dann, in der Nacht zu Montag, 26. August, verschwand der Border Collie.

Die Polizei ermittele weiter wegen des Diebstahls, sagt Waldhardt und beteuert: Es sei nicht nur ein Zwinger, „sondern ein 60 Quadratmeter großer ehemaliger Hühnerstall. Zwingerhaltung ist ein hartes Wort“, erklärt er. „Ich bin der festen Überzeugung, dass es Jack sehr, sehr gut geht.“

Er sieht sich als Opfer von drei „Shitstorms“, also heftigen Angriffen von mehreren Hundert Menschen auf Facebook. In den Kommentaren wurde Jacks Besitzer teilweise beschimpft, vereinzelt auch in Schutz genommen. Waldhardt hielt Jack in dem ehemaligen Hühnerstall am Ortsrand von Breidenbach, ­einige hundert Meter entfernt von seinem Wohnhaus. Er lebt seit Juli in Breidenbach, Jack seit dem vergangenen Jahr.

15 Jahre alt ist er, ein Hunde-Opa. Seitdem er zehn Wochen alt war, lebte Jack bei Waldhardt. Er ­habe sich bewusst aus den Diskussionen auf Facebook ­herausgehalten, sagt der 39-Jährige, der als Kriminalbeamter beim Polizeipräsidium Mittelhessen beschäftigt ist. „Ich habe den persönlichen Kontakt zu den drei Personen gesucht, die Auslöser dieser Shitstorms waren. Sie wussten alle nicht, was sie mit ihren Beiträgen anrichten können. Unfassbar welche Kommentare ich lesen musste, ohne dass mich einer von ihnen kennen würde“, sagte Waldhardt.

Zwingerhaltung

Tierschutzvereinigungen wie Peta fordern ein Zwingerverbot. Sie halten diese Haltung von Hunden für Tierquälerei. Dieser Auffassung ist auch Marita Müller von der Hundehilfe Hinterland.
Sie vergleicht das mit der Rolle des Hundes in vergangenen Jahrzehnten, als die Tiere Haus und Hof bewachen sollten, aber nicht zur Familie gehören. Die Haltung im Zwinger sei heutzutage nicht mehr zeitgemäß. Sie ist aber nicht verboten. Das Tierschutzgesetz in Deutschland gibt Mindestgrößen vor. „Von Nachteil ist ein Hundezwinger definitiv, wenn er zu häufig zum Einsatz kommt“, schreibt das Fachportal tierfreund.de. „Hunde verstehen sich als Familienmitglieder und sie möchten ihre ausgeprägte­ soziale Ader ausleben, sonst werden sie unglücklich“, heißt es dort.     

Offenbar habe die Diskussion eine solche Dynamik entfaltet, dass jemand bereit war, sich strafbar zu machen. Polizei, Ordnungsämter und Veterinäramt seien die eigentlich zuständigen Ansprechpartner, sagt der 39-Jährige. Schon nach dem ersten Shitstorm war das Veterinäramt vom Tierschutz informiert worden.

Es habe sich „einen Überblick über die Hundehaltung verschafft und mir Hinweise gegeben, wie ich vorgehen kann, um das Wohl meines Hundes im Auge zu behalten“, erklärt Jacks Herrchen. „Es tut mir sehr weh, dass mir mein Hund genommen wurde, weil vermutlich glaubt jemand, ihn besser halten zu können“, sagte Waldhardt, nachdem sein Tier vor einer Woche verschwunden war.

Jack sei sein erster Hund. „Unerfahren wie ich und meine damalige Partnerin waren, haben wir ihn nicht über eine Hundeschule sozialisiert. Das hat mich viel Energie gekostet, viele Sorgen, dass sich mein Hund mit anderen Hunden nicht verstehen könnte“, berichtete der 39-Jährige.

Jack habe von Beginn an mit anderen Hunden im Haus zusammengelebt. „Er hatte sein Hunderudel und eine Familie bei sich“, sagte Waldhardt „Persönliche Umstände“ hätten dazu geführt, dass Jack seit zwei Jahren alleine gehalten wird. In seinem alten Wohnort habe er mit anderen Hunden gekämpft, es sei zu Verletzungen gekommen. „Mein Hund war ängstlich zurückhaltend, nicht aggressiv“, beteuerte Waldhardt und sprach von „unglücklichen Umständen“.

„Seit ich Jack in Breidenbach in der Natur halte, ist er tiefenentspannt. So tiefenentspannt, dass er sich auch nicht über vorbeigehende unbekannte Personen aufregt“, erzählte der Hundehalter. Er habe seinen Auslauf bekommen. „Warum sollte ich an der Hundehaltung etwas ändern, wenn ich doch merke, dass es ihm gut zu tun scheint?“, fragte der Breidenbacher.

Tierschützerin kritisiert Haltung als "Tierquälerei"

Nach Angaben von Marita Müller von der Hundehilfe Hinterland wurden die Tierschützer erstmals im vergangenen Jahr auf Jack aufmerksam. Damals sei die Hundehilfe mit dem Veterinäramt vor Ort gewesen. Die Zwingerhaltung an sich sei nicht verboten, die Behörden sahen keinen Anlass einzuschreiten. „Ich halte das aber für falsch“, sagt Müller über die Haltung.

Kürzlich sei der Verein erneut informiert worden. Eine junge­ Frau habe den Hund „recht ­regungslos da liegen sehen“, berichtet die Tierschützerin. Das habe sie auf der Facebook-­Seite „Spotted Biedenkopf“ gepostet. Die Hundehilfe Hinterland und eine Polizeistreife fuhren daraufhin zu Jacks Zwinger. „Bei so etwas reagieren wir“, sagt Müller. Bei ihrem Eintreffen habe Jack ruhig auf dem Boden gelegen, „er war teilnahmslos.“

Beim Eintreffen des Besitzers sei Jack dann „freudig aufgestanden“, sagt Müller Sie ­kritisiert dennoch die Haltebedingungen. „Der Hund ist die meiste Zeit alleine“, sagt sie. Körperlich gehe es Jack offenbar gut. „Den seelischen Zustand kann ich nicht beurteilen“, sagt die Tierschützerin. „Aus Erfahrung weiß ich aber: Der Hund ist ein Rudeltier und vereinsamt irgendwann, wenn er alleine ist. In meinen Augen ist das Tierquälerei.“

Der alte Hühnerstall sei hingegen groß genug und gegen Wind und Wetter geschützt, Wasser und Futter seien da. „An der Versorgung gibt es nichts zu bemängeln“, sagt Müller. Aber Hunde bräuchten eine Familienanbindung, doch: „Dieses­ Tier hat keine sozialen Kontakte.“

An den Kommentaren auf Face­book könne sie nichts ändern, und sie würde das auch nicht löschen: „Was die Leute schreiben, da haben wir keinen Einfluss drauf“, sagt die Tierschützerin. Hundehalter Waldhardt will die Hütte wintertauglich machen. Aufgrund des Wirbels um den gestohlenen Hund „habe­ ich aber ein paar Personen kennengelernt, die sich mit mir freuen, dass Jack wieder da ist“, sagt der Breidenbacher. Er will an dem Gehege auch eine Wildkamera aufstellen, um den Hund zu schützen. Waldhardt hofft, dass die Hintergründe um Jacks Verschwinden aufgeklärt werden. 

von Mark Adel