Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Fledermäuse in Gefahr
Landkreis Hinterland Fledermäuse in Gefahr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:00 06.08.2022
Nach zweiwöchiger Behandlung durch die Fledermausexperten geht es den geretteten Tieren wieder gut und sie konnten in die Natur entlassen werden.
Nach zweiwöchiger Behandlung durch die Fledermausexperten geht es den geretteten Tieren wieder gut und sie konnten in die Natur entlassen werden. Quelle: Stefan Schwichtenberg
Anzeige
Biedenkopf

Was Michaela und Nelson Da Costa Moreira erlebt haben, beginnt wie eine Szene aus einem Horrorfilm und endet mit einer Liebesgeschichte. Die Hauptrolle darin spielen 23 Fledermäuse.

„Eines Abends habe ich plötzlich ganz komische Geräusche aus unserem Kamin gehört“, erzählt Michaela Da Costa Moreira. Wie ein Schaben und Kratzen klang das, erinnert sie sich. Weil ihr die Sache nicht ganz geheuer war, weckte sie ihren Mann. Auch der vernahm die Geräusche deutlich. Wird wohl eine Maus sein, einigten sich die beiden schließlich und legten sich schlafen.

Nachdem der unsichtbare Gast am nächsten Morgen aber immer noch Radau machte, gingen sie der Sache auf den Grund und landeten in ihrem Kaminofen, wo sie eine Fledermaus entdeckten – mit einer Rußschicht überzogen. Sie war wohl durch den Schornstein in den Kamin gelangt und hatte sich dann bis in den Ofen vorgekämpft.

„Wir haben sie dann gesäubert und rausgesetzt, und damit war die Sache für uns erledigt“, erzählt Michaela Da Costa Moreira. Als das Spielchen am Nachmittag jedoch wieder von vorne begann, recherchierten die beiden im Internet und stießen dabei auf die Fledermausexperten Eva und Stefan Schwichtenberg vom Nabu Gladenbach.

Enge Schächte

„Was die Familie Da Costa da erlebt hat, ist keine Seltenheit“, sagt Eva Schwichtenberg. Gerade bei älteren Häusern, wo die Kamine noch nicht entsprechend gesichert sind, komme es immer wieder vor, dass Fledermäuse hineinfielen: „Meist sind es Junge, die dann nach ihren Eltern rufen, die ihnen in den Kamin folgen.“ In den Schächten sei es aber zu eng, um darin zu fliegen, und so säßen die Tiere fest. „Besonders gefährlich ist dabei der Ruß im Kamin. Denn bei der Größe der Fledermäuse reichen schon kleinste Mengen davon, um sie zu vergiften.“

Auch einige der Tiere, die in den Kamin der Da Costa Moreiras gefallen waren, haben es nicht geschafft. Durch die Rußputztür am unteren Ende des Kamins konnten die Schwichtenbergs 23 Fledermäuse bergen – acht davon verendet. Zwei weitere lebten da zwar noch, starben jedoch später auch. 13 Tiere haben es dank der Schwichtenbergs geschafft, die sie befreit, mitgenommen, gesäubert und aufgepäppelt haben. „Jetzt hat man richtig Angst, dass so was noch mal passiert.

Ich leuchte immer mit der Taschenlampe, ob wir nicht vielleicht doch noch eine übersehen haben“, gesteht Michaela Da Costa Moreira, die die Fledermäuse ein wenig lieb gewonnen hat. Deswegen hat ihr Mann vor der Rußputztür auch einen selbst gebauten Auffangkasten installiert, sodass die Tierchen nicht in dem Kamin gefangen sind. Zudem haben die Da Costas an ihrem Schornstein ein Blech angebracht, das den Fledermäusen keinen Halt bietet, sodass sie erst gar nicht in der Nähe der Öffnung kommen.

Für so viel Engagement hat der Nabu die Da Costas nun mit einer Plakette als „Fledermausfreundliches Haus“ ausgezeichnet.

Von Sascha Valentin