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Hinterland „Endlich wieder Grenzgang“
Landkreis Hinterland „Endlich wieder Grenzgang“
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18:43 22.07.2022
Unter dem Applaus des Publikums „platzen“ die Wettläufer mit ihren Peitschen .
Unter dem Applaus des Publikums „platzen“ die Wettläufer mit ihren Peitschen . Quelle: Nadine Weigel
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Buchenau

Um Punkt 5.30 Uhr ertönen drei Böllerschüsse vom Burgberg herab. Wer jetzt noch nicht wach ist, den wecken die Fanfarenklänge, die aus dem Bus der umherfahrenden Feuerwehr tönen.

Doch Freitagmorgen (22. Juli) schläft in Buchenau niemand mehr, zu groß Aufregung und Freude. Neun statt sieben Jahre – Corona sei Dank – mussten die Buchenauer auf diesen Tag warten. „Endlich wieder Grenzgang“, begrüßt Bürgeroberst Markus Noll das bunte Meer aus Mitgliedern der Mädchen-, Frauen- und Burschenschaften, die mit ihren Fahnen aufmarschieren.

Spielmannszüge und Posaunenchöre sorgen für zünftige Stimmung, als es losgeht durch den festlich geschmückten Dautphetaler Ortsteil. Gut sechs Kilometer ist die Wanderung entlang der Grenze bis zum Frühstücksplatz „Ebenheit“. Das erste Teilstück hat es in sich. Es geht steil die „Hauwaldstirn“ hinauf – von einigen auch „Mount Everest“ genannt. Der Schweiß fließt in Strömen, obwohl die Temperaturen angenehm sind. Alle stöhnen, als sie sich den Berg hochquälen, ohne Verschnaufpausen geht es nicht.

„Aber es ist nicht so schlimm wie bei uns“, sagt Katja Schwendtner augenzwinkernd. Die Biedenkopferin spielt damit an auf den extremen Aufstieg zur Sackpfeife, der beim Biedenkopfer Grenzgang immer für Muskelkater sorgt. Spaß haben Katja und ihre Freundinnen dennoch. Sie feiern den Geburtstag der 42-Jährigen standesgemäß. Ein Geburtstagsständchen aus Tausenden Kehlen gab es am Morgen schon vor dem Rathaus für Buchenaus ehemaligen Bürgermeister Hans Hauswirth, der sich für seinen 83. Geburtstag wohl keinen besseren Tag als den Grenzgang hätte aussuchen können.

Oben auf dem Berg angekommen strömt nicht nur der Schweiß, sondern auch die Glücksgefühle der Grenzgänger. Jedes Peitschenknallen der Wettläufer wird mit Jubel und Applaus bedacht. Aber auch Lars Heerdegen und Niklas Reisch sind aus der Puste. Aufgrund ihrer Corona-Infektion konnten sie die vergangenen zwei Wochen nicht trainieren. „Passt schon“, sagt Niklas und rennt lachend an der langen Schlange der Grenzgänger vorbei

Es geht zum „Hopsen“ – oder heißt es doch „Hubbchen“ wie beim Biedenkopfer Grenzgang? „Nein, es heißt hopsen“, sagt Hartmut Damm. Er muss es wissen, Vater Hermann Damm hat für seine Heimatforschung 1999 den Otto-Ubbelohde-Preis erhalten.

Also „hopsen“ bzw. heben die Wettläufer jeden drei Mal über den Grenzstein, der einen Obulus bezahlt.

Auf dem Frühstücksplatz „Ebenheit“ feiern die Buchenauer ihr Jahrhunderte altes Volksfest, das auch diesmal wieder Tausende aus der ganzen Welt angezogen hat und noch bis Montag andauert.

Von Nadine Weigel

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